Betäubungspfeil prallt an verdrecktem Fell ab Plech: Familie lässt fünf verwahrloste Hunde zurück

Von Martina Bay

Eine Familie verlässt ihr Haus und lässt fünf verwahrloste Hunde zurück. Tierheim, Tierarzt, Polizei und Landratsamt rücken an, um die Hunde zu befreien. Die Hunde sind groß, aggressiv und fremde Menschen nicht gewohnt. Bei drei  Hunden muss der Tierarzt mit der Betäubungspistole ran.

Sie verteidigen ihr zu Hause: Fünf Hunde hat eine Familie zurückgelassen. Jetzt musste der Tierarzt sie mit einer Pistole betäuben. Foto: Bay Foto: red

Eigentlich wollte Kai Dasbeck mit seinem Hund ein bisschen trainieren. Der Polizist ist Diensthundeführer der Hundestaffel in Bayreuth. Dann kam aber ein Anruf, dass eine dreiköpfige Familie ihre Hunde zurückgelassen hat. „Ich mache das nicht zum ersten Mal, aber gleich fünf Hunde auf einmal sind selten“, sagt Dasbeck.

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Das Haus in Plech bei Pegnitz steht in der Nähe eines großen Feldes. Lautes Hundegebell dringt nach draußen. Dasbeck zieht sich einen roten Schutzanzug über. Er soll die Hunde mit einem Kollegen einfangen. Die Hunde gehören zur Rasse der Pyrenäenberghunde. Ein ausgewachsener Rüde kann bis zu 80 Zentimeter groß werden und rund 60 Kilo wiegen. Die Berghunde schützen unter anderem Schafe vor Wölfen. Das Hundegebell in Plech will gar nicht mehr aufhören. Sie geben den Eindringlingen zu verstehen. „Passt auf, dieses Haus verteidigen wir!“

Vermieter und Gerichtsvollzieher fanden die Hunde

Gefunden hat die Hunde der Vermieter, als er am Montag mit dem Gerichtsvollzieher vor der Tür stand. „Es war ganz deutlich zu hören, dass da noch jemand da ist. Ich war schockiert“, sagt Ernst Schuster. Das könne man sich nicht erklären. Schuster nahm dann Kontakt mit dem Tierheim auf.

Nadine Schön vom Tierheim Bayreuth hat einen der fünf Hunde gleich ins Tierheim mitgenommen. „Er war neugierig und kam gleich auf mich zu, als ich ihm den Napf hingehalten habe“, sagt Schön. Bei den anderen vier Hunden war es dagegen schwieriger. Einer befand sich auf dem Dachboden, die anderen drei Hunde waren separat in einem anderen Zimmer. „Einer von den drei Hunden hat einen immer angesprungen, die lassen sich nicht einfach einfangen“, sagt Schön.

Auch Dasbeck möchte nicht von den Hunden angegriffen werden. „Sollten sie auf mich losgehen und ich falle um, dann komme ich mit meinem Schutzanzug nicht mehr schnell genug hoch und dann war's das“, sagt Dasbeck. Der Schutzanzug von Dasbeck wiegt zwischen zwölf und 15 Kilogramm.

Die Dosierung des Betäubungsmittels muss der Tierarzt schätzen

Das Tierheim verständigte auch einen Tierarzt aus Plech, der die Betäubungsspritzen dabei hatte. „Wenn der Hund aufgeregt ist, kann es zehn bis 15 Minuten dauern, bis er sein Bewusstsein verliert“, sagt Mladen Schneider-Popovic. In Fällen wie diesen, wo er die Hunde nicht wiegen könne, müsse er die Höhe der Dosierung schätzen.

Der Hund auf dem Dachboden ließ sich durch die Polizei leicht einfangen. Sie trieben ihn in die Enge, legten ihm ihm mit einer Eisenstange eine Schlinge um den Hals. Der Tierarzt konnte nun mit der Betäubungsspritze zustechen. Bei den anderen drei Hunden musste dagegen extra ein Tierarzt aus Bayreuth mit der Betäubungspistole kommen.

Familie ist nach Baden-Württemberg gezogen

Sie lockten die Hunde in das Außengehege. Das Fell eines der drei Hunde ist vom ganzen Dreck und Kot so stark verklebt, dass der erste Schuss an seinem Fell abprallt. „Der Hund ist eine einzige Panzerplatte“, sagt Tierarzt Josef Willner.

„Die Frau hat die Tiere geliebt“, sagt dagegen eine Bekannte der Familie, die nicht mit Namen in der Zeitung stehen will. Sie hätten womöglich keine Transportmöglichkeiten gehabt. Die Familie sei nach Baden-Württemberg gezogen. Für eine schriftliche Stellungnahme war diese nicht zu erreichen. Die Hunde sind erst einmal im Tierheim Bayreuth untergebracht. Dort bekommen sie Nahrung und Wasser. Und vor allem müssen sie erst einmal komplett geschoren werden.