Bestattung bereits mit 43 geregelt

Von Katharina Wojczenko

"Das wird meine WG", sagt Tanja Hofmann. Sie weiß jetzt schon, wo sie eines Tages sein wird: Hier an dieser Linde im Friedhof St. Georgen, unter einer der runden Platten.

 Foto: red

Tanja Hofmann ist 43 Jahre alt. In einem Alter, in dem andere noch mit der Familienplanung beschäftigt sind, hat sie für ihren Todesfall alles geregelt. Vor drei Jahren starb ihr Vater, plötzlicher Herztod. Zwei Monate später hatte ihre Mutter einen Schlaganfall, vier Tage später war sie tot. Tanja Hofmann musste nicht nur mit ihrer Trauer fertig werden. Sie musste sich als einziges Kind um alles kümmern.

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Um die Beerdigungen, darum, ein Haus winterfest zu machen, einen Haushalt aufzulösen, 17 Hasen und einen Hund unterzubringen. Ihre Eltern waren geschieden. Ihr Vater lebte in der Rhön, ihre Mutter mit ihrem zweiten Mann im Taunus. "Ich habe mehr als ein Jahr gebraucht, um alles zu klären", sagt Hofmann.

Viele Menschen sind gestorben, die ihr wichtig waren

Ihre Eltern hatten beide ein Testament gemacht, mehr nicht. Die Sozialpädagogin reduzierte ihre Arbeitsstunden im Landratsamt, fuhr ein Mal im Monat hin, war völlig geschafft. Da wuchs der Gedanke, sich frühzeitig zu kümmern.

Ein Jahr später zerbrach ihre Beziehung. Dieses Jahr starben nacheinander ihre Lieblingstante, eine Freundin verunglückte und ein Mann starb, dessen rechtliche Betreuerin sie war.

"Ich mache das aus Liebe zu meinen Kindern"

Da stand für sie fest: "Ich will das meinen Kindern nicht aufladen." Sollte ihr etwas zustoßen, sollte alles bereit sein. "Ich mache das aus Liebe zu ihnen. Die Trauer kann ich ihnen nicht abnehmen. Das schon."

Ihre Tochter ist jetzt 18, ihr Sohn 17 Jahre alt. Sie haben hautnah mitbekommen, wie es war, als ihre Großeltern starben. Hofmann hat mit ihnen darüber gesprochen, was sie tut. "Mein Sohn hat bei dem Thema sofort Wasser in den Augen, meine Tochter hält da mehr Abstand."

Was sie will, steht in einem Ordner

Jetzt wissen die beiden, wo daheim der Ordner vom Bestattungsinstitut steht. Darin ist Schritt für Schritt festgehalten, was sie tun müssen, wenn ihre Mutter stirbt. Sie hat einen Sarg ausgesucht, den Platz, an dem sie eines Tages liegen will, wo ihre Angehörigen und Freunde stehen werden. Drei Urnentypen zur Wahl. "Es ist wichtig, dass die Angehörigen noch ein wenig Spielraum haben. Da hast du das Gefühl, du tust noch etwas", sagt Hofmann.

Die Beerdigung ihrer Mutter kostete 12.000 Euro, die des Vaters 3500 Euro. Was sie sich selbst ausgesucht hat, kostet derzeit etwa 5000 Euro. Eine Sterbeversicherung soll 6000 Euro abdecken, um Kostensteigerungen abzufedern.

Vorsorgen und verreisen

Mit der Versicherung kann sie auch in finanziellen Notlagen vom Staat nicht gezwungen werden, das Geld aufzubrauchen. Es stammt aus dem Nachlass ihrer Eltern. Mit dem Rest des Erbes geht sie mit ihren Kindern nächstes Jahr sechs Wochen auf Reisen.

Vor allem die nächsten zehn, zwanzig Jahre sind ihr wichtig. Dann sind ihre Kinder älter, haben mehr Lebenserfahrung. Sollten sich Hofmanns Wünsche ändern oder der Sargtyp nicht mehr lieferbar sein, kann sie den Vertrag anpassen.

Und wenn der Bestatter vor ihr stirbt?

Sollte sie eines Tages weit weg ziehen, kann sie kündigen. Das kostet sie 150 Euro, "also wie zwei Friseurbesuche". Sonst hat sie bisher nichts bezahlt. Der Sohn ihres Bestatters wird das Geschäft übernehmen. Auch hier hat sie weit in die Zukunft gedacht.

"Ich bin nicht morbid oder komisch, sondern lebensfroh", sagt Hofmann. Es ist ihr wichtig, verantwortlich zu sein, ihr Leben wie Sterben im Griff zu haben.

"Das ist wie die Darmkrebsvorsorge"

"Das ist wie die Darmkrebsvorsorge, da würde ich auch niemand anderen hinschicken. Und dass ich alles regle, hat ja keinerlei Einfluss auf meine Lebenserwartung."