Muss man eigentlich klettern können, um bei der Bergwacht mitmachen zu können? Und warum engagieren sich dort eigentlich so wenige Frauen? Drei Fragen an Renè Brendel, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Pottenstein:
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René Brendel: Die Bergwacht ist für jeden was. Nach einem Rechtsstreit 1992, bei dem sich eine Frau das Recht zu einer aktiven Mitgliedschaft bei der Bergwacht vor Gericht erstritten hat, wurde Frauen die Möglichkeit eröffnet, Bergretterinnen zu werden. Ein guter Schritt, schließlich soll jeder Mensch der ehrenamtlich tätig sein will, die Möglichkeit dazu haben. Im Einsatz selbst gibt es tatsächlich einige Patientinnen oder Patienten, die wünschen sich eine Betreuung durch eine weibliche Bergretterin und somit ist die Besetzung durch Frauen eine positive Entwicklung. Seit drei Jahren haben wir nun nach einer längeren Zeit wieder zwei Damen in unseren Reihen. Es ist anzunehmen, dass dadurch auch andere Damen in der Pottensteiner Region den Mut aufweisen, die Bereitschaft aktiv zu unterstützen. Wir, die Bergwacht Pottenstein, sind dazu bereit und unterstützen jedes Geschlecht beim Dienst am Nächsten. Soll heißen, dass Frauen natürlich herzlich willkommen sind.
Muss man denn klettern können, um bei der Bergwacht mitzumachen?
Brendel: Nein, zunächst nicht. Bei uns kann man das Klettern bei der Basisausbildung erlernen. Viele Bergwachtler kommen aus verschiedenen Bereichen und können daher nicht von Beginn an jeder Anforderung gerecht werden. Manche kommen aus dem medizinischen Bereich, fahren also Rettungsdienst oder befinden sich in einem Medizinstudium, andere kommen aus dem Bereich des Naturschutzes und sind so zur Bergwacht gekommen, wieder andere kommen durch den Wintersport zur Bergwacht. Wichtig ist, dass der Interessent genügend Motivation hat, um alle fünf Säulen der Ausbildung, das sind Sommerrettung, Winterrettung, Luftrettung, Notfallmedizin und Naturschutz mit Eignungstests und Prüfungen innerhalb von fünf Jahren zu erfüllen. Somit muss er auch bis zum Eignungstest klettern können. Für die Bergwacht ist es wichtig, dass der Bergretter nach der Ausbildung ein guter Allrounder ist.
Die Bergwacht rettet nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen, oder?
Brendel: Ja, der Begriff Naturschutzwacht steht bei uns für eine Überwachung der Einhaltung von Natur- und Artenschutz. Die Bergretter gehen mit offenen Augen durch unsere heimische Natur und melden Vergehen, Verstöße und Straftaten. Jährlich werden so je nach Verfügbarkeit etwa 500 Stunden Naturschutzstreifen im südlichen Landkreis Bayreuth geleistet. Eine weitere Art der Naturschutzwacht ist die Überwachung der Ewigen Anbetung in Pottenstein. Hier überwachen wir das naturschutzmäßig unbedenkliche Abbrennen der Feuer. Bereits seit 15 Jahren führen wir in der Bereitschaft immer wieder Rama Dama-Aktionen durch. Bei diesen Veranstaltungen werden die Bergwachtanwärter oder unsere Jugendgruppe mit Mülltüten und Greifzangen auf gutfrequentierte Wanderwege geschickt, um den herumliegenden Müll zu sammeln.
Das Gespräch führte Ines Dicker.
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