Beratungsstelle Hier wird Blinden geholfen

Zweiter Bürgermeister Andreas Zippel und das Team der Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle (von links): Jutta Meier, Anca Ursu, Manfred Voit, Astrid Eiermann, Sandra Gohle und Hartmut Peckmann. Foto: /Stefan Schreibelmayer

Seit September 2020 gibt es die Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte nun schon in der Carl-Schüller-Straße in Bayreuth. Eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene. Doch erst jetzt wurde sie offiziell eingeweiht. Der Grund – natürlich Corona.

Manfred Voit leitet die Bezirksgruppe Oberfranken des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB). Wenn er nicht den gelben Button mit den drei schwarzen Punkten am Revers tragen würde, würde man zumindest nicht sofort merken, dass er schwer sehbehindert ist. Okay, seine Brille hat sehr dicke Gläser, aber durch die hat er sein Gegenüber fest im Blick.

Meint man, ist aber nicht wirklich so. Denn Manfred Voit hat wegen einer Augenkrankheit nur noch vier Prozent Sehkraft. „Ganz blind bin ich nicht“, sagt er. Aber was noch geht, das lässt sich schwer beschreiben. Hell und Dunkel kann er unterscheiden, auf einer bunten Bayern-Karte die Umrisse von Oberfranken noch erahnen, wenn er sie ganz dicht vor die Augen hält.

Mit seiner Beeinträchtigung geht der BBSB-Mann scheinbar recht locker um. Wenn er zu Beginn seiner Ansprache zum Beispiel die Ehrengäste so anspricht: „Ich kann Sie zwar nicht sehen, begrüße Sie aber sehr herzlich.“ Eine Lockerheit, die man sich wohl erarbeiten muss. Denn Voit benutzt Worte wie „Schock“ und „Verzweiflung“, wenn er von Menschen spricht, die erfahren, dass sie künftig mit einer schweren Sehbehinderung werden leben müssen oder gar ganz erblinden werden.

„Sie sind der erste, der mich versteht.“

Der erste Impuls sei immer: „Das kann doch nicht sein, da muss es doch was geben.“ Und dann gibt es da noch so einen Satz, den Manfred Voit immer wieder hört – wenn sich die Betroffenen an die Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle gewandt und ein erstes Beratungsgespräch geführt haben: „Sie sind der erste, der mich versteht.“

Das ist die Basis des Konzepts der Beratungsstelle, so Voit. Zuhören, Auffangen, Halt geben, das machen Ehrenamtliche des BBSB – weil sie sich einfühlen können, eben weil sie verstehen, worum es geht. Auf rund 15 sehbehinderte oder blinde Ehrenamtliche, die zum Beispiel solche Gespräche führen, können Voit und Co. bauen.

Hilfe bei den Hilfen

Und dann sind da die fünf fest angestellten Kräfte in der Beratungsstelle, die sich unter anderem darum kümmern, Hilfen zu beantragen, die Betroffenen zustehen. Blindengeld zum Beispiel oder Bildschirm-Lesegeräte, mit denen man etwa die Zeitung extrem vergrößern kann – Kostenpunkt: 2500 Euro aufwärts. Möglich ist auch eine ambulante Reha, in der Betroffenen beigebracht wird, wie sie weiterhin so selbstständig wie möglich leben können.

Wie viele Betroffene es in Oberfranken gibt, dazu hatte Rudolf Kirchberger, Leiter der Regionalstelle beim Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) in Bayreuth, das neben dem Bezirk als dem Haupt-Geldgeber der Beratungsstelle einen Teil der Personalkosten übernimmt, Zahlen parat. Er sprach von gut 950 voll Erblindeten und gut 8000 Schwerbehinderten, bei denen die Hauptbehinderung die Sinnesorgane betrifft – also Sehen und/oder Hören.

Hunderte Kontakte pro Jahr

Kein Wunder, dass Manfred Voit von Hunderten Betroffenen-Kontakten der Beratungsstelle pro Jahr spricht, die sich jetzt, wo die Corona-Maßnahmen lockerer sind, auch wieder anders handhaben lassen, als nur am Telefon. Ein großer Vorteil sei auch, dass das Büro jetzt in Bayreuth und damit zentral in Oberfranken beheimatet sei. Zuvor war es in Bamberg.

Zweiter Bürgermeister Andreas Zippel begann sein Grußwort sehr persönlich, erzählte von seiner ertaubten Schwester. Die habe immer gesagt, dass die Familie trotz aller entgegengebrachten Liebe nicht wirklich verstehen könne, was sie erlebe. Dieses Verständnis habe sie erst in einer Selbsthilfegruppe erfahren. Entsprechend wichtig sei das, was der BBSB und die Beratungsstelle leisteten.

Er kündigte an, dass die Stadt Bayreuth dem Thema Inklusion künftig noch deutlich mehr Gewicht geben wolle. Deshalb werde auf Antrag der Grünen im Stadtrat demnächst das bisherige Sozialamt zum Amt für Soziales, Integration, Wohnen und Inklusion.

Licht ins Dunkel

Christina Flauder, die Behindertenbeauftragte des Bezirks, sprach von einem „segensreichen Dienst“ der Beratungsstelle. Dieser sei vertraulich und kostenlos und sichere die Teilhabe der Betroffenen am gesellschaftlichen Leben. „Sie bringen Licht ins Dunkel“, sagte sie.

Landesvorsitzende Judith Faltl war per Videokonferenz zugeschaltet und betonte, dass es den BBSB bereits seit 102 Jahren gebe. Eine Zeit, in der der Umgang mit Blinden einen Weg von der Bevormundung über Betreuung und Integration bis zur heutigen Inklusion hinter sich gebracht habe. Dennoch gehe dem Verband als politischer Vertretung Blinder und Sehbehinderter die Arbeit nicht aus. So sei man etwa von einem inklusiven Bildungswesen noch weit entfernt, und auch in der Arbeitswelt müsse noch einiges tun.

INFO: Mit der Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle in der Carl-Schüller-Straße 10 in Bayreuth kann man telefonisch unter der Nummer 0921/1512600 oder per Mail an bayreuth@bbsb.org Kontakt aufnehmen.

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