Es handele sich um eine Geste auf "Bitten anderer Staatschefs und aus humanitären Gründen sowie aufgrund allgemeiner menschlicher und familiärer Werte", teilte Lukaschenkos Pressedienst mit. Ziel sei es, die positive Dynamik der Beziehungen zu den Partnerländern von Belarus zu beschleunigen und die Lage in der gesamten europäischen Region zu stabilisieren.
Kolesnikowa führte Proteste gegen Lukaschenko an
Lukaschenko erkaufte sich mit der Freilassung der Gefangenen unter US-Vermittlung zuletzt auch die Aufhebung von anderen Sanktionen gegen das Land, darunter die staatliche Fluggesellschaft Belavia, die in der EU wie russische Linien auch Flugverbot hat. Lukaschenko hatte sich auch offen gezeigt, Kolesnikowa gehen zu lassen. Allerdings müsse sie dafür ein Gnadengesuch unterschreiben, sagte Lukaschenko, der als letzter Diktator Europas verschrien ist. Er sprach nun offiziell auch von Begnadigung.
Kolesnikowa gehörte zu den Anführerinnen der Massenproteste nach der von beispiellosen Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl 2020. Machthaber Lukaschenko ließ die Proteste niederschlagen. Kolesnikowa wurde im September 2020 festgenommen und ein Jahr später wegen Verschwörung zum Umsturz zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Bei ihrer Festnahme hatte sie damals eine Zwangsausreise verhindert, indem sie ihren Pass zerriss, um in ihrer Heimat bleiben zu können.
In dem Land sind nach den Entlassungen der vergangenen Monate immer noch Hunderte Kritiker Lukaschenkos in Haft. "Wesna" nennt eine Zahl von mehr als 1.000 Gefangenen. Der Lukaschenko-Gegner Nikolai Statkewitsch, der ebenfalls in diesem Jahr unter US-Vermittlung freigelassen worden war, verweigerte seine Ausreise - und kam wieder in Haft.