Beka-Verkauf Es geht um die Arbeitsplätze

In dritter Generation wurde das Familienunternehmen Baier und Köppel geführt. Nun folgt der Verkauf an eine amerikanische Firma. Foto: Archiv

PEGNITZ. In der Belegschaft und in der ganzen Stadt reibt man sich immer noch die Augen: Die Baier und Köppel GmbH wird von einer Firma aus North Canton, Ohio, übernommen – wir berichteten. Erst in der vergangenen Woche wurde der Betriebsrat darüber informiert. Auch Bürgermeister Uwe Raab wurde von der Nachricht überrascht.

Mit knapp 900 Beschäftigten ist die Baier und Köppel GmbH (Beka) einer der größten Arbeitgeber in der Region. Seit 1927 ist die familiengeführte Firma in Pegnitz ansässig. Nun wird die Timken Gruppe übernehmen. Ein global führender Hersteller von Wälzlagern und Produkten für die mechanische Kraftübertragung. Der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab hat sich über die Historie des Unternehmens informiert: „Die Firma wurde von einem ausgewanderten Bremer gegründet, die in ihrem Ursprung den Postkutschenbau mit metallischen Lagern revolutioniert hat.“

Timken versucht sich international aufzustellen

Weltweit beschäftigt die Firma 18 000 Mitarbeiter in Standorten in 35 Ländern. „Die Übernahme von Beka erweitert unsere globale Führung in diesem hochattraktiven Markt“, sagt Timken Geschäftsführer Richard G. Kyle zur Übernahme. „Zudem erhalten wir damit eine Chance den europäischen und asiatischen Markt besser abzudecken.“ Die Firma versucht sich seit dem Kauf der Firma Interlube im Jahr 2013 auf dem Markt besser zu etablieren. So wurde mit Groeneveld 2017 eine weitere, in den Niederlanden ansässige Firma, übernommen. Nun haben die Amerikaner in Pegnitz bei Baier und Köppel an die Tür geklopft.

Mitarbeiter waren überrascht

Wie der Betriebsrat der Firma auf Anfrage mitteilt, sind die Mitarbeiter davon überrascht, die Gefühlslage sei gemischt. Dass bei den Angestellten Befürchtungen aufkommen, versteht Bürgermeister Raab: „Immer, wenn solche Veränderungen anstehen, werden wohl Ängste geweckt, gleichermaßen gibt es aber auch Chancen.“ Dieser Aussage stimmt der Betriebsrat zu und hofft auf Positives: Man erwarte, dass diese Maßnahme das Wachstum fördern wird, zur Arbeitsplatzsicherung beiträgt und den Erfolgskurs des Unternehmens langfristig festigt.

Neuer Eigentümer erwarten 135 Millionen Euro Umsatz

So habe Geschäftsführer Bernhard Köppel in den vergangenen Jahren bereits mehrfach das Thema Ruhestand und Unternehmensnachfolge thematisiert – ein Verkauf war immer eine von mehreren Optionen. „Ich vertraue auf die Erfahrung und Sachkenntnis des Marktes von Bernhard Köppel, sein Lebenswerk auch dem richtigen Partner anzuvertrauen“, sagt Raab. Für 165 Millionen Dollar, derzeit umgerechnet 150 Millionen Euro, wurde nun die Firma, die fast 100 Jahre in Familienbesitz war, verkauft. Die Timken Gruppe vermeldete im vergangenen Jahr Umsätze von 3,6 Milliarden Dollar, derzeit umgerechnet 3,2 Milliarden Euro. Laut Pressemitteilung der Timken Gruppe erwartet man bei Beka Umsätze in Höhe von 135 Millionen Dollar – rund 120 Millionen Euro – für das Jahr 2019.

Bürgermeister sieht Stärkung des Standort Pegnitz

Mit der Übernahme soll die Timken Gruppe nun der weltweit zweitgrößte Produzent von automatischen Schmieranlagen sein und führender Hersteller von Wälzlagern. Auf die Frage, wie Pegnitz davon profitieren könnte antwortet Bürgermeister Uwe Raab: „Diese Entwicklung ist auch in gewisser Weise der America-First-Politik geschuldet. Wer so stark auf den amerikanischen Markt unterwegs ist, wie Baier und Köppel, wird daraus Vorteile ziehen.“ So sieht er darin eine Stärkung des Pegnitzer Standorts, er will sobald wie möglich das Gespräch mit den zuständigen Entscheidungsträgern suchen. Denn letztendlich gehe es in erster Linie um die Arbeitsplätze.

 

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