Sie nennen sich „Die Stimme der Bürger“. Sie wollen: „Leute aufwecken und zeigen, was auf sie zukommt“, sagt Sybille Venter, eines von 15 Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) Seulbitz-Eremitenhof, die in Bayreuths Osten in die Offensive geht.
Die Gegner des Baus eines Luxushotels, von Ferienhäusern und der DRV-Rehaklinik neben der Lohengrin-Therme zeigen jetzt im Stadtbild Präsenz.
Sie nennen sich „Die Stimme der Bürger“. Sie wollen: „Leute aufwecken und zeigen, was auf sie zukommt“, sagt Sybille Venter, eines von 15 Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) Seulbitz-Eremitenhof, die in Bayreuths Osten in die Offensive geht.
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Knapp 20 große Plakate haben sie am Donnerstag (1. September 2022) aufgehängt. Mit insgesamt sieben unterschiedlichen Motiven. Alle auf Privatgrund. Und, wie sie sagen, mit Kenntnis des städtischen Ordnungsamtes und des Bauordnungsamtes. „Sie haben gesagt, dass wir das dürfen, weil es ja keine kommerzielle Werbung ist“, sagt Doris Dederl. Flankiert wird die Aktion durch das Verteilen von 2500 Flyern in den östlichen Stadtteilen.
Warum das Ganze? Die im April gegründete BI wehrt sich gegen Pläne der Stadt. Wie mehrfach berichtet, will diese das Gebiet rund um die Lohengrin-Therme zwischen Seulbitz und Eremitenhof aufwerten. Die Stadtratsmehrheit hatte Ende Januar zugestimmt. Die Deutsche Renteversicherung (DRV) will ihre aktuell in Bischofsgrün beheimatete Rehaklinik umsiedeln. Dazu möchte die österreichische Mayer Management-Investorengruppe ein Vier-Sterne-Superior-Hotel Hotel bauen, das durch einen Bademantelgang mit der Therme verbunden sein soll. Nebenan wollen die Österreicher noch 27 Ferienchalets errichten. Die Stadtwerke selbst planen die Erneuerung der Lohengrin-Therme. Im Gespräch sind neues Lichtkonzept, neues Bistro und größerer Saunabereich. Details des Thermenumbaus und Kosten wurden noch nicht genannt. „Transparenz ist Fehlanzeige. Man erfährt die Tatsachen nur Stück für Stück“, sagt Stefan Sperner beim Pressegespräch zum Start der Plakataktion in der Eremitenklause.
Die Stadt argumentiert so: Bayreuth werde durch die neuen Angebote aufgewertet, steigere sein Image und erschließe neue Touristenströme. Dass ein Investor dort aktiv werden wolle, bezeichnete Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU), der das selbst mit ins Laufen brachte, mehrfach als „Win-Win-Situation“. Hintergrund: Schon länger gibt es Pläne, das Gebiet aufzuwerten. Seit 1997 gibt es auch einen Bebauungsplan. Es mangelte aber stets an Investoren.
„Wenn sie nur den Bebauungsplan von 1997 umsetzen, hören wir sofort auf“, sagt BI-Mitglied Harald Herbell. Die Kritiker aber sagen: Da soll jetzt viel mehr gebaut werden als bisher vorgesehen. Vor allem die Flächenversiegelung sei viel zu groß. Laut ihren Aussagen fallen 70 000 Quadratmeter landwirtschaftlich nutzbare Fläche weg. Allein 13 600 durch Parkplätze der Rehaklinik. „Gute Stadtentwicklung ist heute ökologische Erneuerung, moderne Wärme und Hochwasserschutz, nicht irgendwo Hotels hinstellen“, findet Lioba Schäfer.
Ein weiterer BI-Kritikpunkt ist die Verkehrsanbindung. Denn jeder, der zur Therme will, muss durch die Engstelle Eremitenhof. Zudem würden die geplanten Ansiedlungen gar nicht ihren Hauptzweck erfüllen, die Steigerung der Gästezahlen in der defizitären Therme. „Die Rehaklinik hat ihr Schwimmbad und die Chalets kriegen Whirlpools und Saunen“, sagt Sabine Erber-Hass.
Die BI will mit ihrer Aktion den Druck auf die Stadträte erhöhen, die sich noch im September wieder mit den Bauplänen befassen.