Bei Dr. Schneider Ein Chef mit fränkischen Tugenden

Seit März steht Thomas Stadelmann beim Automobilzulieferer Dr. Schneider in Kronach-Neuses an der Spitze der Geschäftsführung. Viele seiner Werte gab ihm die Großmutter mit auf den Lebensweg. Foto: Roland Töpfer

KRONACH-NEUSES. Plötzlich war er ganz oben: Im März wurde Thomas Stadelmann Vorsitzender der Geschäftsführung beim Autozulieferer Dr. Schneider in Kronach-Neuses. Das Besondere an dieser Personalie: Stadelmann, der bis dahin für die Werke in Spanien und Polen verantwortlich zeichnete, löste nach nur knapp zwei Jahren Parag Shah ab, der aber im Unternehmen blieb und seitdem als Geschäftsführer Vertrieb und Marketing arbeitet.

Warum diese Personal-Rochade? Nun, sagt Stadelmann, Jahrgang 1967, im Gespräch mit unserer Zeitung, die Anforderungen würden eben auch für die Geschäftsleitung immer höher und da habe man die Zahl der Chefs von zwei auf drei aufgestockt und ihm den Vorsitz angeboten. Im Vertrieb („da müssen wir das meiste tun“) könne es wohl kaum einen Besseren geben als Parag Shah.

Freundlich und pragmatisch sagt Stadelmann das, große Worte braucht er nicht. Kein Wunder. Stadelmann ist Oberfranke durch und durch. Aufgewachsen ist er im kleinen Theisau bei Burgkunstadt im Landkreis Lichtenfels, wo er noch heute lebt. Eine Viertelstunde bis in sein schmuckes, modern reduziertes Büro, wo der studierte Volkswirt von der Universität Bayreuth den Kurs des Mittelständlers mit über 4000 Beschäftigten lenkt.

Die Geschäfte werden schwieriger, weil die Autokonjunktur auf Schlingerkurs geraten ist. Wenigstens die unsichere Zukunft des Verbrenners muss Stadelmann nicht groß kümmern, denn Dr. Schneider baut keine Teile für Motoren, sondern ist für die Inneneinrichtung zuständig.

Mit Belüftungssystemen, Ablagen, Mittelkonsolen, Dekorblenden, Verkleidungen und anderen Teilen machte der Zulieferer zuletzt 548 Millionen Euro Umsatz. Der Umsatz soll die kommenden Jahre weiter wachsen, um vier, fünf, sechs Prozent jährlich.

Von Metz in Zirndorf

Seit 2008 ist Stadelmann, der von Metz in Zirndorf kam, im Unternehmen. Zunächst als Logistikchef, dann brachte er das problematische Werk in Valencia wieder in Schwung und übernahm 2013 auch die Führung des Werks im polnischen Radomierz.

In der fränkischen Idylle Theisau wuchs Stadelmann als Einzelkind auf. Seine Eltern arbeiteten beim Versandhändler Baur. Die Großmutter, eine Kriegerwitwe, zog ihn mit preußischer Strenge – oder besser: unter Beachtung fränkischer Tugenden wie Sparsamkeit, Ehrlichkeit, Kirchgang - auf und machte aus Stadelmann einen überzeugten Katholiken.

„Da bekommt man ein Wertegerüst mit“, sagt er heute und ist der Großmutter, die einen kleinen Kolonialwarenladen führte, für Konsequenz und Geradlinigkeit dankbar. „Das war genau richtig so.“ Bei Kindern würden oft gleiche Regeln wie bei Unternehmen gelten. „Das Wichtigste, was sie einem Menschen geben müssen, ist eine Richtung. Da müssen Sie an der Seite dieser Menschen sein und klar sagen: Was haben wir vor, wie sieht eure Zukunft aus.“

VWL studierte Stadelmann, weil er die Märkte verstehen wollte. Schon immer zog es ihn in die Industrie. „Ich bin nicht so der Verwalter, ich will eher gestalten.“ Früher spielte er Tischtennis, heute Golf.

In den Auslandswerken in Spanien, Polen, den USA will er auch künftig regelmäßig vor Ort sein, die operative Führung liegt bei den dortigen Werksleitern.

Über Gott und die Welt

Und wenn  er mal frei hat, was macht er dann  am liebsten? „Am liebsten setze ich mich mit  meiner Familie an den Tisch und diskutiere über Gott und die Welt.“ Stadelmann ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit seiner Heimat fühlt er sich fest verbunden, schätzt das ruhige Leben als Landbewohner in Oberfranken. „Man kann hier sehr gut leben.“

Dass er bei Dr. Schneider mal in Rente geht, kann sich Stadelmann gut vorstellen. „Aber das liegt nicht in meiner Hand. Da müssen Sie die beiden Damen fragen.“

Die beiden Damen, das sind die Firmeneigentümerinnen Sylvia Schmidt und Annette Schneider. Mit ihnen gibt es eine „Regelkommunikation“. Einmal im Monat trifft man sich in der Regel, um über aktuelle Zahlen, Projekte und Perspektiven zu reden. „Das läuft hervorragend.“

 

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