Faltenbacher ist Tierarzt und Jäger. Ein großes Problem für die Tierretter sei, dass wegen des Wetters immer so kurzfristig entschieden werden müsse. Nicola Ohnemus ist zum ersten Mal dabei. „Ich dachte, ich muss aktiv etwas für den Tierschutz tun, weil ich im Tiergarten arbeite“, sagt sie. Sie wolle mit gutem Beispiel vorangehen. Heute sind sie zu siebt, sie waren aber auch schon 30 Leute. Der Tross aus sechs Autos schiebt sich den Feldweg entlang bis kurz vor die Zitronenwiese. Jagdpächter Michael Schink führt den lebensrettenden Zug an. Er ist froh, dass sich die Tierschützer engagieren. „Ich finde das sensationell, weil ich das sonst alleine machen müsste.“ Die Tierschützer organisieren sich über die Facebook-Gruppe „Pegnitz schützt die Kitze“. 409 Gefällt mir-Angaben hat die Seite. Sie wurde im vergangenen Frühjahr ins Leben gerufen, als das Bild eines zermähten Kitzes im Netz die Runde machte. Ab Mitte April beginnt die Suche, etwa zwei Monate sind die Kitze in Gefahr. Natürlich sei es ein schönes Gefühl, wenn man ein Kitz entdecke, sagt Franzi Kerling, die sich zurzeit um die Facebook-Gruppe kümmert. Elfriede Castillo war schon im vergangenen Jahr dabei. „Weil ich es schade finde, wenn kleine Rehkitze tot gemäht werden. Sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich“, sagt sie. Immer wieder entdecken die Freiwilligen Lager von Kitzen. Kleine ovale platt gedrückte Stellen, an denen sie gelegen haben. „Wenn du kleine Lager findest, ist das verdächtig, weil sich Kitze nicht so viel bewegen“, sagt Faltenbacher. Man muss sich also besonders genau umschauen. Die Tierschützer tragen Gummistiefel und schlagen schmale Schneisen zwischen Gräser, Hahnenfuß, Vergissmeinnicht, Klee und Wiesenschaumkraut. So vergeht eine Stunde, ohne dass ein weiteres Kitz gefunden wird. Es ist 24 Grad warm, die Sonne brennt, der Schweiß läuft. Man sieht zwischen dem brusthohen Gras kaum bis auf den Boden. Die Tierschützer haben nicht nur Erfolgserlebnisse. „Ich habe schon eine Wiese intensiv abgesucht und dann hat die Mähmaschine doch zwei zusammengemäht.“