Bei Baur ist man jetzt per Du

Von Roland Töpfer

Die Baur-Gruppe wird im laufenden Geschäftsjahr ihren Umsatz halten, maximal etwa ein Prozent zulegen, sagte Albert Klein, der Chef des Versandhändlers, in Weismain. Im letzten Geschäftsjahr 2015/16, das bis Ende Februar lief, wurden 683 Millionen Euro (plus 1,3 Prozent) umgesetzt. Und: Es gibt Neues im Umgang miteinander.

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90 Prozent des Versandhandels laufen übers Internet, immer mehr davon über Smartphones (plus 80 Prozent) und Tablets (plus 40 Prozent). Die Online-Welt will sich Baur mit einem internen Kulturwandel besser erschließen. „Es geht um grundlegende Veränderungen, die – unabhängig von Hierarchien – alle Mitarbeiter dazu befähigen, ein tiefgreifendes Verständnis für die digitalen Märkte der Zukunft zu erlangen“, sagte Klein. „Wir wollen Offenheit, Schnelligkeit und Mut.“ Führungskräfte sollen „deutlich mehr“ auf ihre Teams zugehen. Symbol dieses Kulturwandels: Im Unternehmen ist man jetzt per Du. „Das hat eine enorme Dynamik ausgelöst.“

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Schuhe laufen gut

Insgesamt zeigte sich Klein mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. Man habe nahtlos an die soliden Vorjahre anknüpfen können. Mit Umsatzrenditen von drei bis fünf Prozent in den Kernaktivitäten übertreffe man seit Jahren das marktübliche Niveau und zähle innerhalb der Otto Group zu den zuverlässigen Ergebnisträgern. Den genauen Gewinn wollte Klein nicht nennen. „Ergebniszahlen wollen, sollen und dürfen wir hier nicht nennen.“ Besonders gut liefen im letzten Geschäftsjahr Möbel mit einem Plus von mehr als 20 Prozent. Auch Schuhe und Lederwaren legten überdurchschnittlich zu.

Otto Central Europe (OCE/Ungarn, Slowakei, Tschechien) mit Sitz in Budapest ist seit 1. März der zur Baur-Gruppe zählenden österreichischen Unito angegliedert (sieben Länder, acht Marken, 21 Online-Shops). „Das Tor zum Osten ist aufgestoßen“, sagte Klein.

Freßnapf-Verlust gut verdaut

Die Logistiktochter BFS Baur Fulfillment Solutions hat den Verlust des Großkunden Fressnapf „gut verdaut“ und schreibe mittlerweile wieder erfreuliche Renditen. Dem neuen Kunden Eddi Bauer (USA) sollen in den kommenden Monaten weitere folgen. BFS bearbeitete im letzten Geschäftsjahr 11,5 Millionen Kundenkontakte und verschickte 17,5 Millionen Warenstücke.

Die Zahl der Baur-Beschäftigten ging vor allem wegen der Schwierigkeiten bei BFS stark zurück. Ende Februar lag die Zahl bei 3802, das sind 382 weniger als ein Jahr zuvor. 3377 entfallen auf die oberfränkischen Standorte. BFS stellt mittlerweile wieder ein, allein im März knapp 40 Beschäftigte. Wie sich die Gesamtzahl der Mitarbeiter im laufenden Geschäftsjahr entwickeln wird, ließ Klein offen. „Wir wissen’s nicht. Das hängt von den Geschäften ab.“ Der Personalstand werde aber „eher höher“ sein als im letzten Jahr.

Die Entdeckung der Frau ab 40

80 Prozent der Baur-Besteller sind Frauen. Im Fokus des Unternehmens steht die Frau von Anfang 40 bis Mitte 50. Diese „Zielkundin“ will der Versandhändler im täglichen Leben viel stärker begleiten als früher. Sie soll mit „relevanten Themen“ angesprochen und in einer „lebendigen Community“ aufgenommen werden. Das Kalkül: Diese Frauen stehen nicht für „billig“, sind nicht so sprunghaft, halten einem Unternehmen eher die Treue. Im individualisierten Onlineshop soll die persönlich bevorzugte Ware weit oben präsentiert werden.

Und die Männer? Die beliefert Baur auch. „Wir weisen keinen ab.“