Behördenverlagerung: Akt der Solidarität

Von Moritz Kircher

Einen Teil des Landratsamtes aufs Land verlagern - das ist ein Vorschlag der Jungen Liste im Kreistag. Sie will damit eine strukturschwache Gemeinde stärken. Das ist in der Tat - wie es der Bad Bernecker Bürgermeister Jürgen Zinnert nannte - ein mutiger Vorschlag. Und obendrein einer, den man aus vielen Gründen ernsthaft diskutieren sollte.

Foto: Andreas Harbach Foto: red

Die Junge Liste hat ein großes Vorbild. Die Staatsregierung von Bayern. Dort versucht man seit Jahren, mit der Verlagerung von Behördenstellen heraus aus dem Ballungszentrum München, Gegenden zu stärken, die sonst vom Wachstum in Bayern abgehängt wären. Warum soll im Kleinen Maßstab nicht funktionieren, was sich im Großen offenbar bewährt?

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In ihrem Antrag an den Kreistag hat die Junge Liste Bad Berneck als möglichen Standort für eine Zweigstelle des Landratsamtes angeführt. Nur ein Beispiel, wie der Kreisrat und Goldkronacher Bürgermeister Holger Bär betont. Aber eines, das mit Bedacht gewählt ist. Denn Bad Berneck - Jürgen Zinnert möge das Verzeihen - steht im Landkreis Bayreuth für den Prototyp der strukturschwachen Gemeinde: viel Leerstand, hoher Investitionsbedarf in die eigene Infrastruktur und ein Schuldenberg, der die Stadt lähmt. Wenn ein Ort im Landkreis die Solidarität der anderen Kommunen brauchen kann, dann ist es Bad Berneck. Und genau das wäre die Verlagerung eines Teils des Landratsamtes in den Kreis: ein Akt der Solidarität.

Der Zeitpunkt für den Antrag der Jungen Liste ist gut gewählt. Denn im Landratsamt herrscht Raumnot. Die Behörde muss baulich ohnehin erweitert werden - für bis zu 3,5 Millionen Euro. In einer Stadt wie Bayreuth, die sich die Sanierung der Stadthalle gerade 61 Millionen Euro kosten lässt, wäre das eine Investition ohne spürbaren Effekt. 3,5 Millionen für Bad Berneck - zuzüglich dort eventuell zur Verfügung stehender Fördermittel - das würde eine spürbare Veränderung bringen. Und im Idealfall eine Aufbruchstimmung, wie man sie dort lange nicht hatte. Denn mit dem Geld ließe sich Leben in einen der prominenten Leerstände in der Oberstadt bringen.

Natürlich mag es auch gute Gründe geben, die dagegen sprechen, das Landratsamt räumlich zu teilen. Aber der Kreistag muss den Vorschlag der Jungen Liste auf jeden Fall ernsthaft prüfen und offen zu diskutieren. Welche Fraktion die Idee hatte, darf bei der Entscheidungsfindung auf keinen Fall eine Rolle spielen.