Grundsicherung wird seit 2003 gezahlt – und zwar für über 65-Jährige sowie für Bedürftige ab 18 Jahren bei dauernder Erwerbsminderung. In der Stadt Bayreuth hat die Gesamtzahl der Bezieher von Grundsicherung von 2003 bis 2012 um mehr als 100 Prozent zugenommen – von 369 Personen auf 743 Personen, teilt der Pressesprecher der Stadt, Joachim Oppold, dem Kurier auf Anfrage mit. Die Ausgaben der Stadt Bayreuth für Grundsicherung stiegen demnach von 1,129 Millionen Euro auf 2,857 Millionen Euro – ein Anstieg von über 150 Prozent. 74 Prozent der Bezieher von Grundsicherung in Bayreuth sind 65 Jahre und älter.

In Stadt und Landkreis Kulmbach erhalten gegenwärtig 152 Personen Grundsicherung im Alter, informiert der Sachgebietsleiter für den Sozialbereich, Bernhard Rief. Die Ausgaben dafür seien von circa 402.000 Euro im Jahr 2010 auf 438.000 Euro im vergangen Jahr gestiegen und betrügen für dieses Jahr bereits 406.000 Euro.

Grundsicherung hält nicht Schritt

Ebenfalls mit Sorge beobachtet der Sozialverband VdK die größer werdende Altersarmut, wie der Bayreuther Kreisgeschäftsführer Christian Hartmann dem Kurier mitteilt. Die Grundsicherung halte mit der Preissteigerung bei Strom und Heizenergie nicht Schritt. „Mir reicht das Geld nicht mehr“, sei häufig zu hören. In Oberfranken müssten viele alte Menschen von kargen Renten leben. 80 Prozent der Frauen hätten maximal 600 bis 800 Euro, Männer nach 45 Jahren Fabrikarbeit gerade mal 1100 bis 1200 Euro netto, nach Abzug von Abgaben wie des Krankenkassenbeitrags.

Nicht wenige Frauen hätten bei der Heirat den Fehler gemacht, sich die Rentenbeiträge ausbezahlen zu lassen. Menschen mit kleiner Rente schreckten davor zurück, Sozialleistungen zu beantragen, weil sie zum Beispiel Angst hätten, ihre Eigentumswohnung oder ihr Häuschen verkaufen zu müssen. Die selbst bewohnte Immobilie werde jedoch nicht angetastet. Die „Tafel“ nähmen viele nicht in Anspruch, weil sie dies als noch stärkeren sozialen Abstieg empfänden und dort nicht gesehen werden möchten.

Grundsicherung würden noch viel mehr Menschen brauchen, sagt Regina Strößenreuther. Doch dagegen stehe die Scham: „Was würden denn die Leute denken.“ Pflegebedürftigen streiche die Krankenkasse oft Leistungen und verweise sie an die Pflegekasse. Doch häufig sei noch keine Pflegestufe genehmigt worden.

Mehr Ablehnungsbescheide am Jahresende

Ein Beispiel: Eine schwer krebskranke alte Frau, die 100 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen soll. „100 Euro im Monat, das hört sich nicht nach viel Geld ab, wenn jemand aber nur 500 Euro Rente hat, ist das eine sehr hohe Summe“, macht Strößenreuther deutlich. Gerade zum Jahresende nähmen bei allen Kassen die Ablehnungsbescheide zu. Wenn die Budgets zur Neige gehen, werde streng nach Vorschrift entschieden.