Bayreuther Werk steigert Produktivität  und senkt Kosten Bayreuth: BAT muss sich für Wettbewerb wappnen

Von Frank Schmälzle

Das Bayreuther Werk des Zigarettenherstellers British American Tobacco (BAT) wird in diesem Jahr 40 Milliarden Zigaretten produzieren. „Wir arbeiten profitabel“, sagt Standortleiter Bernd Meyer. Ausruhen kann sich die BAT darauf nicht. Die Konkurrenz ist hart – auch in der eigenen Unternehmensgruppe. Betriebsratsvorsitzender Paul Walberer erwartet Einschnitte.

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Mit dem aktuellen Ergebnis liegt das Produktionsvolumen des Werkes, in dem 1400 Mitarbeiter beschäftigt sind und das zu den drei größten Zigarettenwerken weltweit gehört, auf Vorjahresniveau. Allerdings ist der Abstand zum Rekordjahr 2011, als 53 Milliarden Zigaretten das Bayreuther Werk verließen, deutlich. Damals, sagt Meyer, gab es Sondereffekte: Andere Werke wurden geschlossen, die BAT kaufte Produktionsvolumen zu. Das hat den Standort Bayreuth gestützt.

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Inzwischen sehen sich die Standortverantwortlichen für das Werk an der Weiherstraße vor die Aufgabe gestellt, die Produktivität zu erhöhen. „Das“, sagt Meyer, „tun wir. Wir wollen die Maschinenlaufzeiten nach oben fahren.“ Drei Projekte stehen dabei im Mittelpunkt.

> Projekt I: Das integrierte Arbeitssystem. Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble hat es vorgemacht. Dort läuft die Produktion nach exakt definierten Standards. Und: Die BAT in Bayreuth macht Schluss mit der organisatorischen Trennung von Maschinenführern und Technikern. Sie arbeiten jetzt in Gruppen zusammen. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Ernest & Young setzt das Bayreuther Werk dieses System jetzt um. Zunächst auf einer Produktionslinie, dann auf allen 40. Das Ziel: „In den nächsten zwei bis drei Jahren erwarten wir eine Produktivitätssteigerung um 15 Prozent.“ Das Bayreuther Werk ist eine von fünf Pilotproduktionen in der BAT-Gruppe, die nach diesem Muster arbeiten, und genießt deshalb besonders intensive Betreuung. Meyer: „Das ist unsere wichtigste Initiative. Daraus kann ein klarer Wettbewerbsvorteil entstehen.“ Und den braucht das Werk, auch um sich im Kostenwettbewerb mit den osteuropäischen Werken der BAT-Gruppe zu behaupten.

> Projekt II: teilautonome Arbeitsgruppen. Ungelernten Mitarbeitern an den Produktionsmaschinen hat die BAT die Chance gegeben, sich fortzubilden. „Die Resonanz war enorm“, sagt Meyer. „Mehr als hundert Kollegen haben sich beworben.“ Jetzt erledigen Mitarbeiter an den Maschinen kleinere Wartungs- und Reparaturarbeiten selbst. Das spart Zeit, lässt die Maschinen nach einem Stopp wieder schneller anlaufen und steigert die Produktivität des Werkes, das ein knappes Drittel der Menge, die die BAT in Westeuropa absetzt, produziert. „In diesem Bereich haben wir aufgeholt“, sagt Meyer. „Wir können uns jetzt mit den Besten messen. Und mit diesem Projekt haben wir einen Motivationsschub in der Belegschaft erreicht.“

> Projekt III: Die neue Fabrik. BAT-intern heißt sie „DIET-Plant“. In diesem neuen Teil des Werks wird das Volumen des Tabaks vergrößert. „Im Prinzip wie bei Popcorn“, sagt Meyer. Dieser Tabak wird für Zigaretten mit niedrigen Rauchwerten gebraucht. Die Produktionsmenge wird derzeit gesteigert. Ab 2015 sollen dort 10000 Tonnen dieses Tabak jährlich produziert werden.

Dass die Produktivitätssteigerung Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl hat, verschweigt Standort-Chef Meyer nicht. Durch die teilautonomen Arbeitsgruppen werden bis Ende 2016 etwa 80 Arbeitsplätze weggefallen. „Wir haben aber keine einzige betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen.“ Der Abbau sei über Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen erfolgt. Aber Meyer sagt auch: „Keine einzige Zigarettenfabrik hat noch einen Freifahrschein. Die Volumina auf den Endmärkten steigen schon lange nicht mehr. Wir müssen die Qualität hochhalten und die Herstellungskosten senken, um uns innerhalb der BAT-Gruppe zu behaupten.“

Der Betriebsratsratsvorsitzende des BAT-Werkes, Paul Walberer, sieht die Situation der deutschen Zigarettenindustrie insgesamt als schwierig an. Das gelte auch für die BAT in Bayreuth. „Unser Standortleiter hat nicht übertrieben“, sagt Walberer. „Wir werden uns anstrengen müssen.“ Er erwarte weitere Einschnitte. Die aktuellen Projekte, die jetzt im Werk anlaufen, stünden unter dem klaren Druck, Kosten senken zu müssen. „Und das wird noch nicht das Ende sein“, sagt Walberer.

Info: Die umsatzstärksten Marken aus BAT-Produktion sind Lucky Strike, Pall Mall und Kent.