Bayreuther müssen am Sonntag entscheiden, ob die Rotmainhalle auch Ersatzspielstätte für die Stadthalle wird Bürgerentscheid: Die Rotmainhalle

Von
Um die Rotmainhalle geht es am Sonntag in einem von zwei Bürgerentscheiden. Es geht um die Nutzung als Ersatzspielstätte während der Zeit, in der die Stadthalle saniert werden muss. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Die Bayreuther sind am kommenden Sonntag aufgerufen, über zwei wichtige Themen der Stadtentwicklung abzustimmen. In Bürgerentscheiden geht es um die Graserschule. Und um die Frage, ob Kultur und Kult - in dem Fall der Wochenmarkt - Platz unter dem Dach der Rotmainhalle haben. Ob die Rotmainhalle, die ohnehin saniert werden muss, zur Ersatzspielstätte für die Stadthallen-Sanierung saniert werden soll.

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

In dieser Frage gibt es zwei Gegenpole: Auf der einen Seite die Mehrheit des Stadtrats. Der Stadtrat hatte sich klar dafür ausgesprochen, dass die Rotmainhalle so saniert werden soll, dass für die mehrjährige Sanierung der Stadthalle die Möglichkeit geschaffen wird, dass Theater und Konzerte in der Rotmainhalle stattfinden können. Der Entscheidung war eine Reihe von Missverständnissen, speziell zwischen den Marktbeschickern und der Stadtverwaltung vorausgegangen.

Für die Zeit, in der die Rotmainhalle saniert werden muss, ist allerdings eine Übergangslösung für den Wochenmarkt gefunden worden: Der markt findet auf dem La-Spezia-Platz statt. Und im Erdgeschoss der Schlossgalerie, die inzwischen im Eigentum der Stadt ist. Die Stadtverwaltung spricht von einer Sanierungszeit von fünf Monaten. Und von Kosten in Höhe von insgesamt rund vier Millionen Euro. 2,7 Millionen Euro müssten demnach ohnehin in die Stadthalle gesteckt werden. Fürs Dach, für den Boden, für die Dämmung. Weitere 1,3 Millionen Euro will die Stadt in die temporäre Nutzung als Ersatzspielstätte investieren.

Auf der andere Seite: die Initiative Rettet die Rotmainhalle. Die Initiative um Arno Kröniger war schon einmal kurz vor einem Bürgerbegehren, als sich hartnäckig Gerüchte hielten, die Rotmainhalle solle Teil des Rootmain-Centers werden. Damals waren Unterschriften für den Erhalt der Rotmainhalle als Markthalle und als Ort für den Wochenmarkt gesammelt worden. 7591 Unterschriften kamen im vergangenen Jahr zusammen, 4409 waren gültig, knapp 1000 mehr als nötig, um die Hürde für das Bürgerbegehren zu schaffen. "Der Wochenmarkt ist eine heilige Kuh, da darf man auf die Bayreuther zählen", hatte Kröniger gesagt, als die Hürde im November genommen worden war. Die Bürgerinitiative sieht noch zu viele offene Fragen. Die Befürworter der Sanierung der Rotmainhalle als Ersatzspielstätte jedoch sagen: Es gibt keine offenen Fragen mehr. Alles geklärt. Das sind die drei stärksten Argumente der jeweiligen Seite zum Thema Rotmainhalle.

Info: Die Bayreuther sind am 13. März aufgerufen, ihre Stimme zu den beiden Bürgerentscheiden abzugeben. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Rotmainhalle als Markthalle

Arno Kröniger spricht für die Initiative Rettet die Rotmainhalle. Er sagt, acht Jahrzehnte Wochenmarkt in Bayreuth seien ein Pfund, das nicht gefährdet werden dürfe.

1. Die Rotmainhalle ist ein Stück Bayreuth, das erhalten werden muss:

Unter der Prämisse, sagt Kröniger,  seien alle Aktivitäten der Initiative zu sehen. "Der Wochenmarkt ist eine Institution, die nicht gefährdet oder gar zerstört werden darf. Gerade in der heutigen Zeit, wo sich Lebensmittelskandale häufen oder Menschen für andere Ernährungsweisen einsetzen, sind regionale Produkte vom Hersteller, wie wir sie am Wochenmarkt erhalten, besonders wichtig." Kröniger sagt, die fast 8000 Unterschriften von Marktbesuchern, "als deren Interessenvertretung wir uns verstehen", bestärkten die Initiative in deren Meinung. Würden die rund 3000 Marktbesucher aus dem Umland abwandern, verlöre die Stadt "eine nicht unerhebliche Kaufkraft". Zudem befinde sich die denkmalgeschützte Rotmainhalle weitgehend im Originalzustand, "einschließlich der Fenster und Türen.

2. Die Sanierung und die Folgen:

Kröniger gliedert dieses Thema in zwei Punkte: Sanieren, das bedeute dem Wortstamm nach "gesund machen, gesunde Lebensverhältnisse schaffen", sagt Kröniger. Er sagt, er zweifle die Kostensteigerung an, die sich in die Sanierung des Gebäudes an sich ausmachen lasse. "Das städtische Hochbauamt hat bei den Infoveranstaltungen für die Dach- und die Bodenreparaturen zuerst einige 100.000 Euro, später etwa eine Million Euro genannt." Jetzt nenne Joachim Oppold, der Pressesprecher der Stadt,  2,7 Millionen Euro als Summe für die Sanierung. Krönigers Vermutung: "Man will aus taktischen Gründen möglichst viel in die Sanierung rechnen und möglichst wenig in den Umbau für die Konzert- und Theaternutzung." Die Dämmung, die vorgesehen sei, sei "geradezu schädlich" für die Nutzung als Markthalle.

Der zweite Punkt betrifft die Umbauzeit nach Konzerten oder anderen Aufführungen. Kröniger und seine Initiative zweifeln an, dass es "über den langen Zeitraum von fünf Jahren" nicht zu gewährleisten sei, dass die Rotmainhalle an allen Markttagen frei von Bühnenteilen oder anderen Resten einer Aufführung sei. Ausfallentschädigungen für Marktbeschicker habe die Stadt "bereits abgelehnt". 

3. Andere Spielstätten wurden als Ersatzmöglichkeit zu schnell verworfen:

Die Stadt habe andere mögliche Ersatzspielstätten, wie etwa die Oberfrankenhalle, in der im Wagner-Gedenkjahr „erfolgreich Opern und Konzerte aufgeführt wurden“ nach dem Geschmack der Retter der Rotmainhalle zu schnell verworfen. „Bei einem positiven Bürgerentscheid müssen diese Überlegungen ohnehin neu geführt werden“, sagt Kröniger. ⋌wah

Rotmainhalle als Ersatzspielstätte

Stefan Specht ist als Vorsitzender der CSU-Fraktion im Stadtrat einig mit den meisten der Stadträte: Die Rotmainhalle eigne sich als Ersatzspielstätte.

1. Die Rotmainhalle muss sowieso saniert werden:

Die Rotmainhalle muss insbesondere an Dach und Boden dringend saniert werden, um sie „als unsere Bayreuther Markthalle langfristig zu sichern“, sagt Specht. Wer zur Sanierung „Nein“ sage, würde deshalb die Halle in ihrer Substanz nachhaltig schädigen und damit letztlich ihren dauerhaften Bestand gefährden.

„Nur mit einer substanziellen Sanierung können wir immer wieder kursierende anderweitige Begehrlichkeiten im Keim ersticken. Und zusammen mit der vorübergehenden Nutzung als Ersatzspielstätte und damit zusammenhängenden Fördermitteln können wir die Sanierung gut finanzieren.“

2. Das Zeitfenster passt:

Mit der vorübergehend als Ausweichquartier nutzbaren Schlossgalerie am La- Spezia-Platz stehe „ein wunderbarer Ersatz“ für den Wochenmarkt zur Verfügung, sagt Specht. Nicht zuletzt deshalb, weil die Marktbeschicker mit der Lösung einverstanden seien. Weil sie eine „attraktive, funktionsfähige Markthalle mit Außenflächen und Tiefgaragenparkplätzen mitten im Stadtzentrum erhalten“. Wegen des Umbaus der Schlossgalerie zum Rathaus II stünde diese Option später nicht mehr zur Verfügung. Mangels Ausweichquartieras würde die notwendige Sanierung der Rotmainhalle dann auf der Kippe stehen. Sie wäre dann nur zeitaufwendiger und teurer möglich. Die Folge aus Spechts Sicht: „Massive Umsatzeinbußen der Marktbeschicker und ein erheblich eingeschränktes Angebot für die Marktbesucher während einer sehr langwierigen Sanierung im laufenden Betrieb.“

3. Markt bleibt Markt:

Die vorübergehende Nutzung der Rotmainhalle als Ersatzspielstätte für die Dauer der Sanierung der Stadthalle „kollidiert mit dem Wochenmarkt in keiner Weise“, sagt Specht. Die Wochenmarkttage am Mittwoch und Samstag blieben „uneingeschränkt erhalten“. Dadurch, dass Teleskoptribünen eingebaut werden sollen, sei „ein rascher Umbau innerhalb weniger Stunden gewährleistet“. Zudem sei klar: Wenn die Stadthalle saniert ist, brauche man die Rotmainhalle nicht mehr als Spielstätte. Das „wäre auch völlig unsinnig, weil wir ja nach Fertigstellung der neuen Stadthalle unserem neuen Kulturforum am Jean-Paul-Platz keine unnötige Konkurrenz machen wollen“. Mit der jetzt vom Stadtrat vorgesehenen Lösung können also alle Beteiligten sehr gut leben. Wir bekommen eine gut sanierte historische Markthalle, lösen unsere Ersatzspielstättenproblematik für die Stadthalle, „können die Sanierung mit einer guten Förderund finanzieren und machen damit unsere Rotmainhalle als Markthalle zukunftssicher“.

Mehr zum Thema Rotmainhalle:

Bürgerentscheid: Das wird wichtig

Streit um Faltblatt zur Rotmainhalle

Bürgerbegehren hat genügend Unterstützer

Wochenmarkt: "Die ideale Lösung"

Stadtrat entscheidet für Rotmainhalle

Pro und Contra Bürgerbegehren

Thema Ersatzspielstätte: Rotmainhalle beste Lösung

Fünf Fakten zur Rotmainhalle

 

Autor

Bilder