Bayreuther Festspiele Wie Pinselstriche in einem Gemälde

Ihre Arbeiten waren auf der Biennale in Venedig und in vielen renommierten Häusern zu sehen. In diesem Sommer wird die japanische Künstlerin Chiharu Shiota eine Kunstinstallation im Festspielpark am Grünen Hügel zeigen.

Bayreuth -

Einige ihrer Installationen schreien geradezu nach Veroperung. „Uncertain Journey“ etwa. Eine Arbeit, die 2017 bei der Kunsttriennale im belgischen Ostende zu sehen war. „Unsichere Reise“. Vielleicht die Reise einer irischen Maid nach Cornwall. Oder die Fahrt eines Helden auf dem wogenden Rhein. Vermutlich war das von Chiharu Shiota so nicht beabsichtigt. Doch von einigen Installationen der japanischen Künstlerin scheint es so etwas wie eine unterschwellige Verbindung zum Werk Richard Wagners zu geben. „Uncertain Jouney“ jedenfalls könnte man sich gut auch als Bühnenraum fürs Transzendente vorstellen.

Tatsächlich hat die in Berlin lebende japanische Künstlerin bereits Räume fürs Musiktheater geschaffen. 2014 gestaltete sie an der Oper Kiel die Bühne für „Tristan und Isolde“. 2017 folgte „Siegfried“, 2018 „Götterdämmerung“. In diesem Sommer wird Chiharu Shiota bei den Bayreuther Festspielen dabei sein. Nicht mit der Ausstattung für eine Oper, sondern mit einer Installation, die im Festspielpark zu sehen sein wird.

Gespinste aus Wollfäden

Chiharu Shiota wurde 1972 in Osaka geboren. Sie hat in Kyoto, Hamburg, Braunschweig und Berlin studiert. Seit 1996 lebt und arbeitet sie in Berlin. Werke der international renommierten, mehrfach ausgezeichnete Installations- und Performance-Künstlerin wurden in weiten Teilen der Welt gezeigt, etwa in Mailand, Brüssel, Sao Paulo und Peking. 2015 war sie für die künstlerische Gestaltung des Japanischen Pavillons auf der 56. Kunstbiennale in Venedig verantwortlich. Für ihre Arbeiten verwendet Shiota häufig Gegenstände, wie etwa Schuhe, Fenster oder Koffer. Ein besonders charakteristisches Markenzeichen ihrer Arbeiten sind aufwändige Gespinste aus Wollfäden, mit denen sie beeindruckende Rauminstallationen von großer suggestiver Kraft erschafft. Dass sich eine solche Faden-Skulptur etwa für die Nornen-Szene in der „Götterdämmerung“ anbietet, liegt auf der Hand.

Sie arbeitet mit Garn im Raum

Zu ihre Arbeit mit Fäden sagte Chiharu Shiota einst, dass die Linien, die sie mit Garn gestaltet, wie Pinselstriche in einem Gemälde sind. Anstatt mit Pinsel und Leinwand arbeite sie mit Garn im Raum. So entstehen quasi dreidimensionale Gemälde. Begehbare Kunst- und Fantasieräume. Wie geschaffen für Wagner.

Was genau die japanische Künstlerin im Festspielpark zeigen wird, war noch nicht in Erfahrung zu bringen. In einem Blog im Netz wird sie mit der Aussage über eine ihrer Installationen so zitiert: „Das weiße Garn ist zeitlos. Ich glaube nicht, dass die Zeit etwas Lineares, sondern vielmehr kreisförmiger Natur ist”. Wie ein Ring, der keinen Anfang und kein Ende hat.

Neben dem österreichischen Aktionskünstler Hermann Nitsch wird mit Chiharu Shiota in diesem Festspielsommer eine weitere Künstlerin auf dem Grünen Hügel zu erleben sein, die aus dem Werk Richard Wagners Inspiration schöpft.

 

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