Bayreuther Festspiele Nach dem Sonnenbad ins Festspielhaus: Der neue Wotan

Tomasz Konieczny. Foto: Igor Omulecki

Am Samstag hat Tomasz Konieczny offiziell davon erfahren, dass er bei den Bayreuther Festspielen als Wotan einspringen soll. Eine Ahnung, dass es so kommen könnte, hatte er schon länger. Dies verrät der Bass-Bariton im Kurier-Interview.

Herr Konieczy, wann haben Sie von ihrem Engagement als Wotan in Bayreuth erfahren?

Tomasz Konieczny: Vor zwei Wochen habe ich eine Warnung bekommen, dass man in Bayreuth vielleicht einen Wotan brauchen wird. Ich bin ja mit Günther Groissböck befreundet. Ich habe dem Agenten Germinal Hilbert damals gesagt, der Günther soll alles versuchen, um den Wotan zu singen. Dann habe ich das für mich ruhen lassen und war im Urlaub in Griechenland. Am Samstag bin ich in Wien gelandet. Da hat mich einer der Agenten angerufen und gefragt: Wie schnell kannst du in Bayreuth sein? Ich habe unbedingt einen Tag gebraucht. Am Sonntag wollte ich noch nicht singen. Nach dem Sonnenbad wäre es nicht vorteilhaft gewesen, sofort zu singen. Am Montag haben wird dann die erste Probe mit dem Dirigenten gemacht. Ich habe auch in Wien den „Ring“ sehr oft ohne Orchesterprobe gemacht. Das ist nichts Neues für mich.

Haben Sie schon mal zusammen mit dem Dirigenten Pietari Inkinen musiziert?

Konieczny: Nein, es ist das erste Mal.

Wieviel Proben wird es insgesamt geben?

Konieczny: Man muss sich nur einigen, was die Tempi angeht. Am Montag und Dienstag gab es jeweils eine Probe. Das war’s. Aber das ist vollkommen ausreichend. Man muss auch bedenken, dass das eine Monsterpartie ist, und dass man sich als Sänger mit der Kondition nicht verschätzt.

Sie haben den Wotan bereits an anderen Opernhäusern gesungen. Was ist – neben der Länge der Partie – die besondere Herausforderung?

Konieczny: Man muss aufpassen, dass man am Anfang nicht zu viel gibt und sich die Kräfte gut einteilt. Und man muss etwas zu sagen haben. Das ist das Wichtigste in dieser Partie. Es passiert mit Wotan sehr viel in diesem Stück, es gibt eine große Personenperspektive. Wotan ist zu Beginn ein Aristokrat, ein Machtmensch mit sehr guter Laune. Dann wird er langsam zusammengedrückt und fast zertrümmert. Anfang des Monologs im zweiten Akt ist er völlig am Boden, auch physisch. Dann kommen Situationen, wo er sich wieder aufbaut. Aber er verschätzt sich mit seinen Kräften und Plänen.

Wie haben Sie sich in der Corona-Pandemie, wo ja viele Auftrittsmöglichkeiten weggefallen sind, stimmlich fit gehalten?

Konieczny: Ich habe fast die ganze Zeit durchgearbeitet, entweder für das Opernfestival in Polen, das ich organisiere, oder habe mit eigene Programme ausgedacht und realisiert. Ich habe einen Kompositionsauftrag erteilt und CD’s herausgegeben. Ich wusste von Anfang der Pandemie an, dass ich arbeiten muss. Anfangs habe ich zuhause Partien durchgesungen. Im Moment kumuliert es mit sehr vielen Projekten. Ich bin derzeit voll ausgebucht.

Werden Sie auch im nächsten Jahr in Bayreuth den Wotan singen?

Konieczny: Das ist noch nicht spruchreif. Es wird nicht so einfach sein, da ich voll ausgebucht bin. Für einen neuen „Ring“ gibt es in Bayreuth sehr viele szenische Proben, die schon im April oder Mai beginnen. Ich habe bereits einige Verträge und werde auch im neuen „Ring“ in Zürich den Wotan machen. Es wird sehr knapp. Aber nachgefragt wurde ich noch nicht.

Wie denken Sie über Bedingungen für Künstler in der Pandemie?

Konieczny: Wir Künstler sind eine sehr kleine Gruppe. Es ist gut, dass wir jetzt spielen können. Aber im Vergleich etwa zu Fußballern können wir wenig ausrichten. Das habe ich in Budapest sehr deutlich zu spüren bekommen, wo Anfang Juni 60 000 Zuschauer im Stadion waren und wir durften vor keinem einzigen Zuhörer spielen. Wir haben dann zwei Online-Konzerte gesungen. Das ist traurig.

Können Sie sich mit den aktuell in Opernhäusern geltenden Hygieneregeln anfreunden?

Konieczny: Man muss tun, was man tun muss. Hier in Bayreuth ist es besonders streng. Als ich am Sonntag auf dem Grünen Hügel ankam und im Festspielhaus meinen Vertrag abholen wollte, musste ich gleich drei Tests absolvieren, obwohl ich schon geimpft bin. Ich habe alle möglichen Zertifikate dabei und genesen bin ich auch schon. Aber es ist o.k.

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