Trotz Pandemie Bayreuther Festspiele sollen stattfinden

Anders als auf diesem Foto aus dem Jahr 2017 wird der Festspielchor in diesem Sommer wohl im Chorsaal singen. Auf der Bühne werden Darsteller zu sehen sein, die nur agieren. Foto: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Das Bekenntnis auf allen Ebenen ist eindeutig: Die Bayreuther Festspiele sollen stattfinden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Über allem hängt die große Unwägbarkeit, wie sich die Corona-Pandemie entwickeln wird. Das treibt auch Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) um.

Bayreuth - Im April vor einem Jahr war die Situation eine völlig andere. Bayreuth machte sich daran, den Schock der Festspielabsage 2020 zu verarbeiten. Auf dem Grünen Hügel beschäftigte man sich mit der Abwicklung. In der Stadt versuchte man den Blick auf das Programm „Bayreuth Summertime“ und das Festival Bayreuth Baroque zu lenken. Die Situation war eine klare.

In April 2021 ist die Situation eine diffuse. Vieles was zu diesem Zeitpunkt längst feststehen sollte, lässt sich nach wie vor nicht sicher planen. Das betrifft vor allem die Zahl möglicher Besucher der Aufführungen im Festspielhaus. Nach wie vor stehen drei Szenarien im Raum: 200, 450 oder 900 Zuschauer pro Aufführung. Was zur geplanten Festspieleröffnung am 25. Juli tatsächlich gelten wird, kann im Moment niemand wissen. Das bringt die Stadt Bayreuth ziemlich in die Bredouille. In mehrfacher Hinsicht. Üblicherweise stehen der Stadt elf Prozent der Premierenkarten, also rund 200, zur Verfügung, mit denen sie hochrangige Politiker, einflussreiche Entscheider, TV-Stars oder auch mal die Lotto-Fee einladen kann. Das Bundeskabinett, das Bayerische Kabinett, Intendanten, Bischöfe, Thomas Gottschalk – unter anderem für sie wird vor dem Festspielhaus der rote Teppich ausgerollt.

Nur 21 Premierenkarten?

Was Thomas Ebersberger derzeit schlaflose Nächte bereitet, ist die Option, dass Pandemie-bedingt das Horrorszenario von 200 Besuchern pro Aufführung im Raum steht. In diesem Fall würden der Stadt anteilmäßig nur 21 Premierenkarten zur Verfügung stehen. Was wohl ein Hauen und Stechen auslösen würde. Gerade einmal zehn Paare könnten dann eingeladen werden. Nach welchen Kriterien sollte da entschieden werden? Doch die Zahl 200 wäre noch in anderer Hinsicht eine Katastrophe für die Stadt, nämlich in finanzieller. Wie auch die übrigen Gesellschafter der Festspiele hat sich auch die Stadt Bayreuth bereit erklärt, die in diesem Jahr zu erwartenden Mindereinnahmen aus dem Kartenverkauf auszugleichen. Das wäre im Fall von 900 Besuchern pro Aufführung irgendwie zu stemmen. Bei 450 nur schwerlich. Bei 200 wohl kaum. Von Anfang an haben die Gesellschafter auf die höchstmögliche Zahl spekuliert. Vor einigen Wochen galten 450 als realistisch. Aber: „Wenn die Beträge nochmal hochgehen, kriegen wir ein Vermittlungsproblem“, sagt Thomas Ebersberger. Dann könnten Verhandlungen nötig werden, die noch einmal alles in Frage stellen würden.

Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass die aktuelle Entwicklung der Inzidenzwerte den Festspielen in die Karten spielt. Vergangene Woche lag der Wert in Bayreuth kurzzeitig deutlich über 200, um dann wieder leicht zu sinken. Am Dienstag meldete das Robert-Koch-Institut für die Stadt einen Wert von 201.

„Die Zahlen passen uns überhaupt nicht“, sagt Thomas Ebersberger. Doch was bedeuten sie? „Anfang Mai kann man mehr sagen.“

Beleuchtungsproben

Ulrich Jagels, seit April Geschäftsführender Direktor der Bayreuther Festspiele, hätte sich gewiss andere Bedingungen für seinen Start auf dem Grünen Hügel gewünscht. Für die zu bewältigenden Herausforderungen gibt es kein Lehrbuch. Gleichwohl wird der Betrieb im Festspielhaus in diesen Wochen langsam hochgefahren. Eine ganze Reihe an Saisonkräften im Bereich der Technik befindet sich bereits im Haus. Erste Beleuchtungsproben haben stattgefunden. „Die Bühnentechnik und die Werkstätten sind die Bereiche, die jetzt schon zum Leben erwachen“, sagt Ulrich Jagels. Die musikalischen Proben werden erst im Juni beginnen. Welche Auswirkung die in diesen Tagen in Berlin diskutierte Notbremse auf die Festspiele haben würde? „Wenn es zu dieser Notbremse kommt, dann werden fortlaufend Überprüfungen stattfinden, ob die einschränkenden Maßnahmen weiter aufrechterhalten werden müssen.“ Was Jagels zuversichtlich stimmt sind die Fortschritte beim Impfen. Das werde irgendwann spürbare Wirkung zeigen. „Ich erwarte, dass sich die Situation verbessert, je näher wir dem Sommer kommen“, sagt Jagels im Gespräch mit dem Kurier.

Chorsaal lüftungstechnisch ertüchtigt

Wie berichtet, werden in diesem Jahr vor allem Choropern auf dem Programm der Festspiele stehen. Aufgrund der Hygienevorschriften bringt dies Probleme mit sich. Daher geht Ulrich Jagels davon aus, dass der Chor in diesem Sommer nicht auf der Bühne im Festspielhaus, sondern im Chorsaal singen wird. Man habe keinen Grund zu erwarten, dass man das anders mache könne. Das Infektionsgeschehen gebe das nicht her. Insofern wurde der Chorsaal inzwischen lüftungstechnisch ertüchtigt. „Das wird technisch gut funktionieren.“ Auf der Bühne werden in den Massenszenen Darsteller zu sehen sein, die nicht singen. Es wird also vieles anders sein als gewohnt in diesem Festspielsommer.

Einige offene Fragen werden sich wohl erst sehr kurzfristig entscheiden lassen. Sicher scheint aber zu sein, dass die Festspielpremiere, Richard Wagners „Fliegender Holländer“ nicht wie in den Vor-Corona-Jahren ins Kino übertragen wird. Denn wer kann heute schon wissen, ob am 25. Juli die Kinos wieder geöffnet sein werden?

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