Bayreuther Bürgerfest „Es war die Hölle los“

In diesem Jahr wurde die Opernstraße zur Partymeile. Immer wieder über den Menschenmassen zu sehen – bunt leuchtende Lichterballons, die wie Seifenblasen über den Köpfen schwebten. Foto: Ute Eschenbacher

Feiern als gäbe es kein morgen: So ausgelassen lässt sich die Stimmung beim 43. Bürgerfest beschreiben. Nach einem verhaltenem Start am Freitag herrschte am Samstag überall Partylaune.

Alle schienen froh, nach zwei Jahren Corona-Pause ihr dreitägiges Stadtfest wieder zu haben. Schon am Mittag und Nachmittag sind die Straßen und Gassen gut gefüllt. Auf dem Stadtparkett zeigen „Tanzmäuse“ verschiedener Bayreuther Vereine ihr tänzerisches Talent. An der Spitalkirche ist das Kinderangebot der Arbeiterwohlfahrt gut besucht. Auch Ellen Badusche aus Nürnberg, ursprünglich in Gesees aufgewachsen, war mit ihren Kindern trotz der Sommerhitze unterwegs. „Die Stimmung ist angenehm hier“, sagte sie im Gespräch mit dem Kurier. „Ich habe sogar Geschäfte gesehen, die ihre Läden zu Bars umgebaut haben.“ Die Musik sei den Kindern ein wenig zu laut. Sie selbst hätte gerne ein paar mehr schattige Plätze vorgefunden. Am nächsten Tag geht’s noch einmal auf den Künstlermarkt.

„Endlich wieder Bürgerfest – sensationell“

„Nach zwei Jahren endlich wieder Bürgerfest – sensationell“, sagte Uwe Meier in der Maximilianstraße sichtlich zufrieden. „Es gibt doch einfach nichts Besseres.“ Seit 1 Uhr ist Sarah aus Schleiz mit ihren neun Freundinnen unterwegs. In weißen T-Shirts und Blumen im Haar feiern sie Junggesellinnenabschied. Mit dem 9-Euro-Ticket sind sie eigens mit dem Zug aus Thüringen angereist. In vier Wochen soll die Hochzeit der 35-Jährigen sein.

Die beiden 13-jährigen Teenager Luisa und Marie sitzen beim Kunstmuseum im Schatten. Am frühen Abend um 20 Uhr sollen sie zuhause sein, erzählen sie im Kurier-Interview. „Es ist ungewohnt, so viele Menschen auf einmal zu sehen“, finden sie. Ein bisschen Musik hören und nach ein paar Freunden Ausschau halten, lautet ihr Plan, bevor sie den Heimweg antreten.

Betrunkener löst in Kanalstraße Alarm aus

Für Feierwütige geht es da erst richtig los. Die von-Römer-Straße, die Sophienstraße, die Kanzleistraße, die Opernstraße und natürlich die Maxstraße sind spätestens um 20 Uhr rappelvoll. Aufgrund der heißen Temperaturen ist der Durst riesig. Wie die Polizei mitteilte, landete da bereits ein betrunkener Mann in der Polizeizelle. Aufgrund seiner Alkoholisierung war er gestolpert und gegen eine Tür in der Kanalstraße geknallt. Das löste den Hausalarm aus. Wegen seines Rausches musste er mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde.

Überwiegend gelassene und fröhliche Stimmung

Im Zuge der Dämmerung häuften sich die Streitereien, aber die Stimmung auf dem Fest war überwiegend gelassen und fröhlich, so die Bilanz der Polizei. Ein junger Mann fiel der Polizeikontrolle auf, weil er Marihuana bei sich hatte. Er musste er sich davon trennen, ehe er wieder zurück zum Bürgerfest durfte.

Im Ehrenhof spielten Bowtie fetzige Coversongs und brachten das Publikum in Tanzlaune. Die Fabrik heizte an zwei Tagen mit Dance-Rhythmen den Feiernden ein. Am Alten Schloss war das Crazy Elephant mit Funk und Deutschpop und Songs der achtziger und neunziger Jahren vertreten. Die Lamperie jagte ihre Beats gegenüber des Markgräflichen Opernhauses in die Nacht.

Die Bässe wummern in der Stadt

Auf der anderen Seite war der Stand von Müllers Streetcafé, den Mietern des ehemaligen Operncafés, platziert. Hier kamen ehemalige Stammgäste auf einen Kaffee und Kuchen eher am Nachmittag vorbei. Den Zuschlag für den Wunschstandort Sophienstraße hatten die Müllers nicht bekommen. Trotzdem versuchen sie das beste daraus zu machen. Die Weak Willies lassen die alten Punkzeiten wieder aufleben. Die Bässe wummern auch am DJ Pult an der Stadtkirche, vor dem Club Mia oder in der Kulturbühne Reichshof. Überall drängen sich die Menschenmassen, werden Getränke durch die Menge balanciert. Ältere Paare tanzen zusammen, junge Frauen rappen ausgelassen.

Bei Toni’s Weinbar wird frankenuntypisches Kölsch ausgeschenkt. „Nach dem Regen am Freitag wurde es immer voller“, sagt eine Mitarbeiterin. Der Samstag sei „richtig Bombe“, sagt sie. „Es war die Hölle los. Alles lief sehr gut. Die Leute waren gut drauf und wollten richtig feiern – wie früher.“

Alkoholbedingte Reibereien und ein Überschlag

Nicht ganz ohne Folgen: Wie die Polizei am Sonntag berichtet, sei gegen Mitternacht die friedliche Stimmung gekippt. Aus verbalen Streitereien seien zunehmend Handgreiflichkeiten geworden. Zwei Personengruppen seien am Ehrenhof aneinander geraten. Ein Beteiligter sei vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden. Als die Musik um 1 Uhr endete, sei es innerhalb kürzester Zeit zu gleich drei Einsätzen im Bereich des La-Spezia-Platzes und der Opernstraße. Anlass waren Beleidigungen, Körperverletzung und Schubsereien. In den weiteren Stunden ereigneten sich weitere Reibereien, die jedoch glimpflich ausgingen.

Kurz vor 2 Uhr stießen zwei Autos in der Sophian-Kolb-Straße zusammen, eines landete auf dem Dach. Die beiden Insassen erlitten leichte Verletzungen. Ein Atemalkoholtest bei der Unfallverursacherin zeigte einen deutlichen Alkoholwert. Die Bayreuther Polizisten ordneten eine Blutentnahme bei ihr an. Alle drei kamen ins Krankenhaus. Die Bayreuther Polizei wurde Samstag zwischen 19 und 3 Uhr zu rund 50 Einsätzen gerufen – und etliche Verursacher hatten zu tief ins Glas geschaut.

Konzert am Sonntagabend zum Abschluss

Manuel Becher, Chef der BMTG, ist am Sonntagabend sehr zufrieden mit dem wiederbelebten Bürgerfest. Mit der Polizei und den Sicherheitskräften sei die Zusammenarbeit „reibungslos“ gewesen. Becher hofft, dass der Sonntag immer mehr zum etablierten Bürgerfesttag wird. „Mit einem Superact auf der Hauptbühne klingt der Abend hoffentlich schön aus.“

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