Bayreuther Audiowalks 28 Stationen Wagner Kunst zum Hören

Rund um die Opernstraße, Haus Wahnfried, den Festspielhügel und das Festspielhaus: Vier Spaziergänge mit Hörbeispielen laden ein, den Kosmos Wagner zuerkunden. Foto: Ute Eschenbacher

Seit 2017 reflektiert das Programm Diskurs Bayreuth das Phänomen Richard Wagner in Konzerten, szenischen Produktionen und Diskussionen. In diesem Jahr werden im wörtlichen Sinne neue Wege betreten.

 
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Dafür braucht es lediglich ein Smartphone, das QR-Codes scannen kann. Und am besten Kopfhörer, um Hintergrundgeräusche auszublenden. Dann kann’s losgehen.

Der erste von vier Audiowalks beginnt an der Brücke vom Luitpoldplatz zur Opernstraße. „Gedankengewitter“ lautet der Titel des ersten Beitrags, der in das Kunstverständnis des Komponisten einführt. Auf einer Bank am Canale Grande sitzend, kann der Hörer dann etwas erfahren über „Kunst als Revolution“ und wie mittels Kunst die Welt zu verändern sei.

Essay „Kunst und Klima“

Grundlage für den von Patrick Hahn und Marie Luise Maintz konzipierten Rundgang entlang von 28 Hörstationen war Richard Wagners Essay „Kunst und Klima“ aus dem Jahr 1850. „Wagner hat so viel in die Zukunft gedacht“, sagt Hahn im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch der „Ring des Nibelungen“ sei voll von Bildern, die den Untergang der Götter mit der Zerstörung der Natur verbänden. Wotan beschneidet die Weltesche, der Rhein tritt über die Ufer. Warum sich nicht näher dieser Vorstellung von Umwelt bei Wagner zu widmen?

Wobei der Komponist in seiner Schrift mehr auf Kunst und Umwelt in einer ganz bestimmte Weise abgezielt habe, sagt Hahn. „Ihm ging es insbesondere um das soziale und das geistige Klima.“

Denn Wagner habe untersucht, welche Ansprüche an ein Kunstwerk zu richten seien und wie autonom Kunst sein könne. „Nicht zuletzt versuchte Wagner schließlich, dem Industriequalm der Städte zu entkommen und träumte von einem Festspielhaus im Grünen.“ Was er sich schließlich in Bayreuth verwirklicht habe. Die Flucht in die Natur sei auch ein starkes Motiv der Romantik gewesen, so Hahn.

Gedanken über das Verhältnis von Kunst und Umwelt

Auf den vier Routen, die von der Bayreuther Innenstadt über den Grünen Hügel bis hinauf in den Wald führen, könne sich nun das Publikum der Gegenwart Gedanken über das Verhältnis von Kunst und Umwelt machen. Die Gespräche und Beiträge dauern insgesamt vier Stunden, rund sechs Kilometer ist die ganze Wegstrecke lang. Die reine Gehzeit beträgt eine Stunde und 20 Minuten. Das Stadtgartenamt und andere Bayreuther Ämter halfen, die Schilder aufzustellen.

Beim ersten Rundgang erzählen Dramaturg Konrad Kuhn und Regisseur Valentin Schwarz von Riesen und Zwergen. Sie erläutern ihre Vorstellung vom „Ring“ als großer Sehnsuchtserzählung. Einer Sinnsuche, welche die Urgründe menschlicher Erfahrungen auslote. Jenseits des Mythologischen und Märchenhaften wollen sie den Menschen und seine tragischen, familiären Verwicklungen in den Mittelpunkt rücken.

Dirigenten, Forscher, Komponisten und Schauspieler

Ring-Dirigent Cornelius Meister und Tristan-Regisseur Roland Schwab kommen ebenso zu Wort wie die Wagner-Forscher Gundula Kreuzer, Ulrich Konrad und Herfried Münkler, aber auch Philosophen und Kulturwissenschaftler wie Thomas Macho, Holger Noltze und Wolfgang Ullrich. Mit Chaya Czernowin, Isabel Mundry und Sergej Newski werden außerdem zeitgenössische Komponisten einbezogen. Schauspieler wie Jens Harzer, Sylvester Groth, Dagmar Manzel und Martina Gedeck lesen aus der Ring-Erzählung von Valentin Schwarz.

Körper und Geist in Bewegung bringen

Wie die frische Luft beim Open Air im Festspielpark die Menschen angezogen habe, sollen mehr Leute durch das neue Format am Diskurs Bayreuth teilnehmen. Wobei eine gewisse „geistige Flughöhe“ vorgegeben sei, sagt Hahn. Oder wie es Marie Luise Maintz formuliert: „Wir hoffen, dass neben dem Körper auch der Geist der Bayreuther Bürger und Bürgerinnen und der Festspielbesucher und Festspielbesucherinnen in Bewegung kommt.“

In der Tat sitzt das Publikum während der Aufführungen im Festspielhaus ziemlich lange. Sich in der Pause zu bewegen und das ein oder andere Hörbeispiel anzuhören, könne helfen, sich später wieder besser zu konzentrieren, meint Hahn. „Das ist schon auch so gedacht, dass man eine Runde in einer Festspielpause schaffen kann.“

Ein Tipp: Alle vier Audiowalks sind bei der Navigations-App Komoot hinterlegt. So lassen sich die Stationen leichter finden.

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