Drei Händler bieten Eier mit Herkunftszeichen 03 und 05 an Wochenmarkt-Kunden empört: Regionale Anbieter verkaufen Eier aus Niedersachsen und Westfalen

Peter Engelbrecht

BAYREUTH. Heidi und Gerhard Doss sind empört: Sie kauften vor gut einer Woche auf dem Bayreuther Wochenmarkt in der Rotmainhalle Eier von einem Anbieter aus der Fränkischen Schweiz – und erhielten Ware aus Niedersachsen.

„Auf dem Wochenmarkt erwarten wir einfach heimische Produkte“, reagierte Heidi Doss sauer. „Wir kaufen seit 40 Jahren hier ein“, fügte Ehemann Gerhard hinzu. Dass regionale Händler Eier aus Niedersachsen anbieten, davon sind beide enttäuscht. Nach der Diskussion um Dioxin in Eiern interessierte sich Gerhard Doss für die Herkunft der Ware. Und siehe da, sie trug die Bezeichnung 03 für Niedersachsen. „Ich dachte, mich trifft der Schlag“, schilderte er seine Gefühle.

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Händler nimmt Eier zurück

Am Samstag beschwerte sich das Ehepaar beim Verkäufer auf dem Wochenmarkt im Beisein des Kurier. Der Händler nahm die sechs Eier anstandslos zurück und erstattete den Kaufpreis von jeweils 22 Cent. Sichtlich zerknirscht zeigte der Vermarkter den Kunden einen Brief des Eiergroßhändlers aus dem Landkreis Osnabrück in Niedersachsen, in dem am 8. Januar 2010 bestätigt wurde, „dass keine unserer Legehennenfarmen nach derzeitigem Wissensstand“ von den dioxinbelasteten Futtermitteln betroffen seien. „Der Händler hat gesagt, dass es sich um bayerische Eier handelt“, sagte der Anbieter aus der Fränkischen Schweiz, „ich werde sie zurückgeben.“ Er verkaufe schon in der dritten Generation hier auf dem Wochenmarkt Landprodukte, „das war keine Absicht“. Er habe auf das Herkunftszeichen „nicht draufgeschaut“.

Eine weitere Kundin, die die Diskussion am Verkaufsstand mitbekommen hatte, gab ebenfalls ihre aktuell gekauften Eier zurück. Auch sie beschwerte sich, dass man doch auf dem Bayreuther Wochenmarkt auch heimische Ware erwarten könne. Die Produkte wurden als „Deutsche Frisch-Eier“ aus Bodenhaltung auf einer Tafel angeboten.

Stichprobe fördert noch mehr faule Eier zu Tage

Wie Stichproben unserer Zeitung unter den ein Dutzend Eier-Verkäufern in der Rotmainhalle ergaben, verkauften weitere zwei Anbieter Eier aus Niedersachsen beziehungsweise Nordrhein-Westfalen (Herkunftszeichen 05). Eine Anbieterin aus dem Landkreis Bayreuth sagte, normalerweise verkaufe sie Eier von Hühnern ihrer Schwester oder der Nachbarn. Sie habe die Eier von einem Händler aus dem Raum Kulmbach erworben. Dieser habe versichert, er kaufe bei Bauern. Angeboten wurden „10 frische Freilandeier“ für 2,10 Euro.

Eine weitere Verkäuferin, die mit dem Slogan „Einkaufen direkt vom Bauernhof“ warb, hatte Eier aus Nordrhein-Westfalen im Angebot. Darauf angesprochen, zeigte sich die Frau „überrascht“. Sie verkaufe sonst nur bayerische Eier. Die Frau kündigte an, den Händler anzurufen. „Die Gutgläubigkeit von Menschen sollte man nicht ausnutzen“, kommentierte Gerhard Doss. „Auf dem Wochenmarkt erwarte ich heimische Ware, für die ich gerne etwas mehr zahle. Sonst kann ich ja gleich im Supermarkt einkaufen.“