„Finanziell hängen wir am Tropf der Bundesregierung“, sagt Wolfgang Huberth, Personalratsvorsitzender der Bayreuther Arbeitsagentur, der das Unheil unausweichlich kommen sieht. Denn sicher ist: Die Mittel aus Berlin werden gekürzt. Gespart werden soll am Personal, konkret: indem befristete Verträge, die auslaufen, nicht mehr verlängert werden. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß und wann die Entscheidung fällt. Aber: „Das Personal wird komplett nicht zu halten sein“, sagt Martina Seebach, stellvertretende Leiterin der Bayreuther Arbeitsagentur. Alle Bereiche betroffen80 der insgesamt 500 Agenturmitarbeiter haben befristete Arbeitsverträge – in allen Bereichen. Das entspricht rund 16 Prozent, wie Seebach sagt. Ein großer Teil läuft Ende dieses Jahres aus. Die Befristungen erstrecken sich auf alle Arbeitsbereiche der Agentur. Sowohl in den Jobcentern, wo die sogenannten Hartz-IV-Empfänger betreut werden, als auch in der Betreuung der Langzeitarbeitslosen (SGB III) und in der Verwaltung. Ein Teil der Verwaltungskräfte ist in Coburg, Weiden und Hof eingesetzt. Weil die Sparentscheidungen nicht in Bayreuth getroffen werden, bleiben dem Personalrat aus eigener Sicht kaum Chancen, Einfluss zu nehmen. „Wir müssen abwarten, was passiert. Aber es ist immer nicht leicht, Mitarbeiter zu verlieren“, sagt Huberth. Vize-Agenturchefin Seebach steckt nach eigenem Empfinden in einem Dilemma: „Die Mitarbeiter wünschen sich eine Verlängerung und natürlich möchte man möglichst viele Mitarbeiter halten. Auf der anderen Seite sagt einem die Vernunft, dass es notwendig ist zu sparen, wenn das Kundenpotenzial abnimmt.“ Damit meint sie die sinkende Zahl der Arbeitslosen. Und auch Personalrat Huberth sagt, insbesondere während des wirtschaftlichen Abschwungs seien befristet Beschäftigte „zur Überwindung der Krise“ eingestellt worden. Die Aufgabe stelle sich nun so nicht mehr. „Sparzwänge führen im öffentlichen Dienst meist zu Einsparungen beim Personal“, sagt der Arbeitnehmervertreter. Er hofft, Ende Oktober oder im November mehr zu erfahren. Auch Seebach wünscht sich mehr Klarheit bis Ende des Jahres.
Suche nach neuem JobDie Mitarbeiter sollen offen über den jeweils aktuellen Stand der Dinge informiert werden. Momentan raten Agenturleitung und Personalrat aber allen befristet Angestellten, sich rechtzeitig arbeitslos zu melden und sich nach einer neuen Stelle umzusehen. Ein geringer Teil der befristet Beschäftigten darf hingegen auf feste Verträge hoffen. Deutschlandweit stellt die Arbeitsagentur unter Vorbehalt der Haushaltsberatungen 3200 Arbeitsplätze in den Jobcentern in Aussicht. In Bayern sollen rund 200 dauerhafte Stellen entstehen, so die derzeitige Einschätzung von Huberth. Die Kündigung von Mitarbeitern mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag steht laut Personalratsvorsitzendem momentan nicht im Raum. Um die Sparvorgaben einzuhalten, sei damit zu rechnen, dass frei werdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Symbolbild: pa