Bayreuth Saaser Waldfest ist gerettet

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Bayreuth Von Eric Waha Erleichterung nicht nur im Bayreuther Stadtteil Saas: Die Verkaufspläne für das Areal, auf dem unter anderem die beliebten Waldfeste der Saaser Siedler und des Sportvereins BSC Bayreuth-Saas stattfinden, sind vom Tisch. Anfang des Jahres hatten die Pläne die Saaser aufgeschreckt, jetzt soll ein Pachtvertrag mit der Stadt vor allem ein Problem beseitigen: Die Verkehrssicherungspflicht, die bislang beim Eigentümer lag.

Findet gut, dass das Thema vom Tisch ist: Georg Ramming, der Vorsitzende der Saaser Siedler im Saaser Waldfest-Wald. Die Waldfeste sind für die nächsten 30 Jahre gesichert, seit die Stadt das Gelände gepachtet hat. Foto: Eric Waha Foto: Eric Waha www.ericwaha.de

Tausende Bayreuther pilgern im Juni und im Juli zu den Waldfesten der Siedler und der Sportler, viele Menschen kommen zu den Waldgottesdiensten oder zur Nikolausfeier, an der sich unter anderem auch der Saaser Kindergarten einbringt. Der Waldfest-Wald nahe der Langen Zeile verbindet die Generationen - und ist, wie es der berufsmäßige Stadtrat und Rechtsreferent der Stadt, Ulrich Pfeifer, im Gespräch mit unserer Zeitung am Mittwoch nennt, "ein Stück Kulturgut von Bayreuth". Ebenso wie der benachbarte Sportplatz des BSC Saas, auf dem seit rund 40 Jahren viele Saaser Kinder das Kicken gelernt haben.

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Verkehrssicherungspflicht wurde zum Problem

Für Michael Geißler, dem Eigentümer der Grundstücke, waren die Flächen in den vergangenen Jahren jedoch mehr und mehr zur Last geworden. "Das Problem war die Verkehrssicherungspflicht, die bei mir lag. Wenn da oben was passiert, stehe ich voll in der Haftung." So lange der Wald als das genutzt werde, was es sei, als Wald nämlich, "ist das nicht so schlimm. Anders sieht es aus, wenn da 1000 oder 2000 Leute drin sitzen", sagt Geißler. Das Problem, sagt er, hätte sich am einfachsten durch einen Verkauf vom Tisch bringen lassen. Darüber hatte Geißler nachgedacht, weil die Pachtverträge für die Flächen ausgelaufen wären. "Wobei ich da schon einen Kloß gehabt hätte", wie Geißler sagt. Denn die Waldfeste sind nicht nur den Saasern heilig. Auch für ihn selbst sei der Besuch "schon fast Pflicht. Nicht jeden Tag, aber an drei von vier Tagen schaut man da schon mal rauf".

Verkauf wäre eine Lösung gewesen

Geißler sagt, eine Möglichkeit wäre die gewesen, "dass die Stadt die Flächen kauft. Wobei: Verkaufen kann man ja nur ein Mal". Insofern sei er froh, dass in den Gesprächen mit Pfeifer "diese Lösung herausgekommen ist - und die Stadt auch die Verkehrssicherungspflicht übernehmen kann". Er hätte, sagt der Grundstückseigentümer, "Bauchweh gehabt, wenn es anders gelaufen wäre. Das Waldfest gibt es seit Jahrzehnten, die Sportler haben die Flächen auch seit rund 40 Jahren schon. Wie wäre das geworden, wenn ein Privater das Gelände gekauft hätte? Da hängt schon Herzblut dran. Mein Vater hat das mit ausgemacht, ich wollte nicht der sein, der es beenden muss."

"Uns fällt ein Stein vom Herzen"

"Uns fällt ein Stein vom Herzen", sagt Georg Ramming, der Vorsitzende der Saaser Siedler. "Die Sache ist Anfang des Jahres plötzlich aufgeploppt. Wir hätten ausweichen müssen mit dem Waldfest. Aber wohin?" Der Verein selbst hätte "keine Möglichkeit gehabt, das Gelände selber zu erwerben", sagt Ramming. Jetzt, durch den Vertrag der Stadt mit Geißler, sei es für die nächsten 30 Jahre "schon sicher, dass wir das weiter machen können", sagt Ramming. Die Waldfeste, die es seit den 30er Jahren gibt, seien für die Vereine nicht nur ein Stück Kultur, sondern auch wichtigste Einnahmequelle, "um die sonstige Vereinstätigkeit finanzieren zu können", sagt Ramming.

Harry Kolb: "Wir saßen auf einem Pulverfass"

Ähnlich sieht das Harry Kolb aus dem Vorstand des BSC Saas: "Wir saßen auf einem Pulverfass. Der Pachtvertrag wäre ausgelaufen." Wenn sich die Stadt nicht eingebracht hätte, hätte die Gefahr bestanden, dass die Saaser Sportler in Kürze ohne Rasenplatz dagestanden wären, "wenn Michael Geißler gewollte hätte, hätte er einen Kartoffelacker daraus machen können- wir hätten dagegen nichts tun können". Insofern sei "das einwandfrei gelaufen, dass Ulrich Pfeifer das so regeln konnte", wie Kolb sagt.

Ulrich Pfeifer: "Ein Stück der Stadtkultur"

Die Sportler und die Siedler hatten Pfeifer im Januar darauf hingewiesen, dass es Probleme "im Hinblick aufs Waldfest und das Waldstadion geben könnte", sagt Pfeifer am Mittwoch im Gespräch mit dem Kurier. Deshalb habe er schnell mit Geißler Kontakt aufgenommen. "Ich habe das ungeheuer ernst genommen, denn die Waldfeste der Siedler und der Sportler sind seit Jahrzehnten ein Stück der Stadtkultur, natürlich insbesondere des Stadtteils Saas, das es zu erhalten gilt", sagt Pfeifer. Und: Wie solle ein Fußballverein "wie der BSC, der außerdem eine hervorragende Jugendarbeit leistet und sehr erfolgreich ist", ohne Fußballplatz funktionieren? Er habe mit Geißler "sehr gute und vertrauensvolle Gespräche geführt. Geißler hat sich als anständiger und fairer Verhandlungspartner erwiesen", sagt Pfeifer.

Bedingungen für alle Seiten akzeptabel und fair

Deshalb sei es gelungen, einen langfristigen Pachtvertrag abzuschließen, "zu Bedingungen, die für alle Seiten akzeptabel sind", wie Pfeifer sagt. Die Stadt habe "sehr viele Grundstücke im Besitz, die alle im Verbund versichert sind". Diesem Verbund könnten nun auch die Saaser Grundstücke zugeführt werden, was das Problem der Verkehrssicherungspflicht vom Verpächter Geißler nehme. "Mehrkosten entstehen für die Stadt nicht", sagt Pfeifer auf Nachfrage. Da die Grundstücke an die beiden Vereine unterverpachtet würden, um die Feste veranstalten und trainieren sowie Fußball spielen zu können, fließe Geld an die Stadt zurück. "Eine Win-win-Situation aus meiner Sicht", sagt Pfeifer.

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