Bayreuth: Rotes Kreuz wehrt sich gegen Kosten für neue Schule

Von Frank Schmälzle

Das Gesetz steht, die Finanzierung nichtDa macht es sich die Politik leicht: In einem neuen Gesetz steht, dass künftig Notfallsanitäter zur Besatzung jedes Rettungswagens gehören müssen. Wer deren Ausbildung bezahlt, lässt das Gesetz allerdings offen. Dagegen wehrt sich der Kreisverband Bayreuth des Roten Kreuzes. Denn dort will man keinesfalls auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben. Und das sagt der Kreisvorsitzende Klaus-Günter Dietel sehr deutlich.

Ab 2021 muss ein Notfallsanitäter zur Besatzung eines Rettungswagens gehören. Ausgebildet werden diese Sanitäter auch in Bayreuth. Der BRK-Kreisverband hofft, nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Foto: dpa/Archiv Foto: red

Wenn Dietels Stimme lauter und knurriger wird, gibt’s keinen Zweifel. Da passt ihm, dem Kreisvorsitzenden des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und Altlandrat, etwas nicht. Was ihm nicht passt: Wer die Kosten für die neue Schule für Notfallsanitäter in Bayreuth übernimmt, ist in Teilen noch nicht geklärt. Immer noch nicht, obwohl die Schule seit über fünf Monaten in Betrieb ist.

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"Ein anspruchsvolles Ziel"

Der Gesetzgeber hat es vorgegeben, vor Ort muss es umgesetzt werden. Seit dem 1. Januar ist ein neues Notfallsanitätergesetz in Kraft. Darin steht, dass bis zum Jahr 2021 in jedem Rettungswagen mindestens ein Notfallsanitäter gemeinsam mit den bislang schon im Einsatz stehenden Rettungssanitätern unterwegs sein muss. Die Qualifikation der Retter soll damit steigen. „Das“, sagt Dietel, „ist ein anspruchsvolles Ziel.“ Denn die Notfallsanitäter müssen ausgebildet werden.

In Burghausen und Augsburg gab es bereits zwei Schulen, die diesen Ausbildungsgang angeboten haben. Die Standorte Bayreuth und Nürnberg kamen jetzt hinzu, zwei weitere Schulen sollen in Würzburg und München entstehen.

Zähes Verhandeln, langes Warten

Im Oktober hat die Bayreuther Notfallsanitäterschule an der Weiherstraße ihren Betrieb aufgenommen, mit 19 Auszubildenden aus Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz. Der BRK-Kreisverband hat sich dafür ins Zeug gelegt. Ohne zu wissen, ob das investierte Geld auch tatsächlich zurückkommt. 90 000 Euro flossen in die Ausstattung der Schule. Erst vor drei Wochen kam eine Teilentwarnung - nach zähen Verhandlungen: Die Krankenkassen haben sich bereit erklärt. die Kosten für die Ausbildung der 19 angehenden Notfallsanitäter und die Miete für die Schulräume zu übernehmen. Alles andere ist allerdings immer noch offen: Wer trägt die Sachkosten der Schule? Und: Kann die praktische Ausbildung der Notfallsanitäter unter realitätsnahen Bedingungen stattfinden?

Üben in der Arena

Dafür soll eigentlich in den nächsten Monaten im Erdgeschoss des Schulgebäudes eine „Notfallarena“ gebaut werden. 450 Quadratmeter groß – mit einem nachgebauten Schlafzimmer, einem simulierten engen Bad und sogar mit einer Diskothek im Mini-Format. Denn all das gehört zu den härtesten Bedingungen, die Notfallsanitäter im Ernstfall antreffen. 150 000 Euro soll die Arena kosten.

Wenn sie denn kommt. Denn Dietel lässt keinen Zweifel daran: „Wir drücken bei diesem Projekt erst den Startknopf, wenn die Finanzierung steht.“ Und er hoffe, dass der BRK-Kreisverband auch bei den anderen noch offenen Geldfragen nicht im Regen stehen gelassen werde.

Kreisverband schreibt schwarze Zahlen

Muss man sich also Sorgen um die wirtschaftliche Situation des BRK-Kreisverbandes machen? Nein, sagt Kreisgeschäftsführer Peter Herzing. Der Kreisverband weist einen Umsatz von rund 23 Millionen Euro aus. 90 Prozent der Einnahmen erwirtschaftet das BRK in seinen Einrichtungen selbst – allerdings: In den allermeisten Bereichen hat es das Rote Kreuz mit gedeckelten Budgets zu tun. Zehn Prozent dessen, was der BRK-Kreisverband einnimmt, stammt aus Spenden, haben Fördermitglieder gegeben und Mitglieder als Beitrag bezahlt. Dietel sagt: „Wir bewegen uns im positiven Bereich.“ Mehr als 200000 Euro aus dem vergangenen Jahr fließen den Rücklagen zu.