Heute um 11 Uhr wird die studierte Konzert-Organistin zusammen mit ihrem Kollegen Marko Zdralek während eines Gottesdienstes in der Erlöserkirche in ihr Amt eingeführt. Heute Abend gibt sie dann ihr erstes Konzert in Bayreuth. Max Reger steht auf dem Programm, der sei nicht ganz einfach, sagt die Kirchenmusikerin. Deshalb hat sie seit Herbst vergangenen Jahres an den Stücken geübt, trainiert, könnte man sagen. Denn wie ein Leistungssportler mit seinem Körper arbeitet die Musikerin täglich zirka vier Stunden an der Orgel. Die Finger bräuchten das Training.Schon in der Grundschule war für die freundliche blonde Frau klar, dass sie Musikerin werden wollte. Fürs Ballett war ich zu groß. Aber genau das half ihr, mit elf Jahren die Pedale der Orgel zu erreichen. Seither ist die Königin der Musikinstrumente Mareile Schmidts ständige Begleiterin. Mit zwölf bekam sie den großen gusseisernen Schlüssel zur katholischen Kirche ihrer Heimatstadt am Niederrhein, nahe der holländischen Grenze. Täglich nach der Schule probierte sie, stunden-, wochen-, jahrelang, bis sie die Pedaltechnik beherrschte. Mit 16 fuhr ihr Vater sie dann einmal in der Woche nach Düsseldorf an die Musikhochschule. Bis zum Abi hatte sie dort Unterricht bei Professor Torsten Laux, der auch in Bayreuth an der HfK unterrichtet. Ich habe ihn seit neun Jahren nicht mehr gesehen, sagt Schmidt. Die ehemalige Schülerin freut sich auf ein Wiedersehen jetzt unter Kollegen.Drei Fächer parallelVon der ersten Orgel-Stunde an, improvisierte sie. Normalerweise stehe das erst später auf dem Lernzettel. So aber lernte sie die ungeheuren Klangfarben der Orgel früh kennen und lieben. Das Besondere an diesem Instrument? Man kann die Leute überraschen, was eine Orgel alles kann, sagt die 27-Jährige. Ich will sie aus der verstaubten Ecke herausholen, den Leuten zeigen, was alles in diesem Instrument steckt.Untätigkeit ist Mareile Schmidts Sache nicht in sieben Jahren studierte sie drei Hauptfächer und schloss alle mit Auszeichnung ab. Parallel bildete sie sich an der Musikhochschule Köln zur Kirchenmusikerin, Konzert-Organistin, und Musikpädagogin auch im Fach Cembalo aus. Ja, die Woche war schon voll, gibt sie lachend zu. Aber nicht voll genug, um nicht noch nebenher in Gemeinden als Organistin auszuhelfen und Konzerte auch in Polen, Tschechien und Weißrussland zu geben.Natürlich sei sie als 25-jährige Dozentin in Köln oft für eine Studentin gehalten worden. In einer Prüfungskommission sogar einmal für diejenige, die die Noten umblättert. Ich habe das immer als Kompliment gesehen, sagt Schmidt. In Bayreuth werde ihr das aber sicher nicht passieren. Hier ist es familiär, jeder kennt jeden, man trifft sich auf dem Gang, das gefällt mir sehr gut. Sie sei sehr herzlich von allen empfangen worden. Es ist schön, wenn man so neu anfangen kann. Noch pendelt sie von Köln nach Bayreuth. Auf längere Sicht wolle sie aber auf jeden Fall hierher ziehen. Die Landschaft, die Stadt, das gefällt mir sehr gut.
Deutschlands jüngste Orgel-Professorin Mareile Schmidt - 27 Jahre alt und Professorin
Christina Knorz 12.04.2010 - 16:27 Uhr