María macht das Rennen Jurypreis des 12. Kurzfilmfests "Kontrast" geht nach Spanien

Sandra Buchwald

BAYREUTH. Der Jurypreis des 12. Bayreuther Filmfestes Kontrast geht nach Madrid. Mit „Androides“, einem Kurzspielfilm über einen androgynen Teenager, der aus Mangel an Freunden Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen versucht, gewann die spanische Nachwuchsregisseurin María Pérez den Sonderpreis des in diesem Jahr unter dem Motto „Freaks“ stehenden Festivals.

Pérez, die mit drei Freunden den weiten Weg von Madrid nach Bayreuth angetreten hatte, schien sich bei der Preisübergabe im Zentrum im Rampenlicht bei weitem nicht so wohl zu fühlen wie hinter der Kamera. Mit einem resoluten „Wo ist der Preis?“ unterbrach die quirlige Spanierin zum Vergnügen des Publikums die Laudatio von Moderator Wolfgang Rieß, schnappte den von der Firma TMT gesponserten Filmpreis aus der Hand von Geschäftsführer Markus Spona und verschwand mit einem Grinsen wieder unter den Festivalgästen.

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"Zwei Zimmer, Balkon"

Die hatten im Übrigen auch ein gehöriges Wörtchen bei der Preisvergabe mitzureden. Auf ihren Eintrittskarten konnten die Filmfans ihren Favoriten ankreuzen und als Stimmzettel abgeben – die Grundlage für den von der Sparkasse gestifteten Publikumspreis. Am besten gefiel den rund 1500 begeisterten Festgästen der witzige Streifen „Zwei Zimmer, Balkon“, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Enno Reese schon bei zahlreichen Festivals den ersten Preis abgeräumt hatte.

Zweiter in der Gunst des Publikums Manuel Francescons Dokumentation „2000 Meisterwerke“ vor dem Kurzspielfilm „Wie alles endet“, in dem Kai Seekings das Leben eines Bestatters zwischen Seziertisch und Party thematisiert.

Über 300 Einsendungen aus zehn Ländern waren dieses Jahr im Postkasten des Vereins Bayreuther Filmfest gelandet. „Meistens sind mehr gute Filme dabei, als wir an einem Wochenende zeigen können“, erzählt Heiko Popp vom Organisationsteam von der Qual der Wahl bei der Sichtung. Die Idee der Story falle dabei mehr ins Gewicht als die perfekte technische Umsetzung. Entscheidend sei immer die eine Frage: „Freuen wir uns darauf, diesen Film den Zuschauern auf einer großen Leinwand zu zeigen?“%videoframe:2141:512:450%56 Filme

56 Filme aus Deutschland, Österreich, Spanien, Belgien und der Schweiz flimmerten am Wochenende über die Leinwand im Zentrum. Gruseliges und Lustiges, Beklemmendes und Schräges. Eine großartige Auswahl aus allen Genres, die von den vielen Festivalbesuchern immer wieder mit Riesenbeifall bedacht wurde.

Natürlich saßen auch viele der meist jungen Filmemacher im Publikum. Wie Adolfo Kolmerer. Der 1986 geborene Regisseur, der seine Heimat Venezuela verlassen hatte, um in Berlin Film- und Fernsehdesign zu studieren, hatte zusammen mit seinem Schauspielerfreund Bernhard Bulling den Kurzfilm „Eric’s SuiSite“ gedreht. Eine schräge Komödie über einen von Internetvoyeuren begleiteten Selbstmord vor laufender Kamera – mit überraschendem Ende.

„Wir sind eine Woche lang nie rausgegangen“, erinnert sich Kolmerer grinsend an die aufreibenden Dreharbeiten in Berlin. Nun sei er einfach nur „total stolz“, seinen ersten Film auf einem Festival laufen zu sehen, strahlte Kolmerer übers ganze Gesicht.

Begeisterung bei jungen Filmfans

Strahlende Gesichter gab es auch beim filmbegeisterten Nachwuchs, für den das Bayreuther Filmfestival zwei eigene Filmblöcke – einen für die Jüngsten und einen für größere Kinder – mit spannenden und witzigen Kurzfilmen im Angebot hat. Die Sieger aus den von einer Kinderjury ausgewählten Einsendungen wurde per Applausmessung bestimmt: Die beiden Knax-Kinderfilmpreise der Sparkasse gingen unter großem Beifall an „Seppi & Hias“ von Emre Koca und „Neuneinhalbs Abschied“ von Halina Dyrschka.

Bestnoten gab es nicht nur für die großartigen Beiträge der Filmemacher, sondern auch für das Rahmenprogramm des Filmfestes. Im Seminar „Monster, Freaks und Außenseiter“ wurden die etwas anderen Charaktere im Film unter die Lupe genommen und im Filmblock „Das Beste aus Annecy“ die letztjährigen Preisträger des renommierten Animationsfestivals der französischen Partnerstadt Bayreuths gezeigt.

Die Party zum Fest

Riesenstimmung herrschte auf der rund um die Preisverleihung laufenden Filmfestparty, bei der Filmemacher und Filmfans zusammen zu den Klängen von Ginger Redcliff ein tolles Festival feierten. Dass nach einer Preisverleihung naturgemäß die Spannung von den Beteiligten abfällt, hatte Stunden vorher schon einer der aufgeweckten Kindermoderatoren bei der Ankündigung eines Filmbeitrags gewusst: „Am Ende ist man immer total am Ende.“