Was wird in Bayern, was wird in Oberfranken verdient? Wir haben einige Zahlen zusammengetragen. Quer durch alle Berufsgruppen liegt das Brutto-Durchschnittseinkommen in Bayern bei 32.532 Euro pro Jahr oder 2711 Euro pro Monat (Voll- und Teilzeitbeschäftigte), hat die Plattform Gehaltsvergleich.com errechnet. Damit nehme Bayern im Deutschland-Vergleich einen vorderen Platz ein. Frauen verdienen mit 2209 Euro im Monat deutlich weniger als Männer (3072 Euro).

Vergleicht man die monatlichen Bruttoverdienste sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter im Jahr 2018, ergibt sich folgendes Bild: Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 3304 (West: 3434, Ost: 2707 Euro). Bayern kommt laut Daten der Bundesagentur für Arbeit auf 3449 Euro. Die Spannbreite ist enorm: So werden zum Beispiel in der Audi-Stadt Ingolstadt im Monat 4897 Euro verdient, im sächsischen Görlitz sind es nur 2272 Euro.

Und in Oberfranken? Auch in der Region gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. In Bayreuth lagen die Verdienste 2018 nach den Zahlen der Bundesagentur bei 3248 (Stadt) und 2933 Euro (Kreis). In Bamberg (Stadt 3426 Euro/Kreis 2968) wird mehr verdient als in Bayreuth.

In Coburg (3687/2757 Euro) sind die Unterschiede wegen der großen Unternehmen in der Stadt besonders krass. Wer im Landkreis Hof (2772 Euro) arbeitet, hat sogar geringfügig mehr als in der Stadt (2745). Kulmbach (3073 Euro) liegt vor Kronach (2780), Wunsiedel (2980 Euro) und Lichtenfels (2817 Euro). In den Haßbergen liegt der Wert bei 3268 Euro.

Vergleicht man die Einkommen aller Beschäftigten, also nicht nur der sozialversicherungspflichtigen Vollbeschäftigten, in den oberfränkischen Teilregionen, dann ergibt sich laut Gehaltsvergleich.com folgendes Bild: Bamberg 3289 Euro, Bayreuth 3126 Euro, Hof 3096 Euro. Zahlen für Coburg liegen nicht vor. Zum Vergleich: In München werden 3884 Euro verdient, in Nürnberg sind es 3514 Euro. Die Einkommen in Oberfranken liegen also deutlich unter denen in den Ballungsräumen.

Besonders lukrative Arbeitgeber sind laut Internetplattform Meinchef.de Unternehmen aus der Chemie- und Pharmaindustrie. Die Fachkräfte, die hier beschäftigt sind, verdienen durchschnittlich 57.700 Euro pro Jahr. Auch Mitarbeiter von Luft- und Raumfahrtunternehmen sowie von IT-Firmen verdienen mehr. Bäcker können von solchen Einkommen nur träumen. Sie kommen auf durchschnittlich 1724 Euro pro Monat.


"Zu wenig Lohn in Oberfranken"

Der oberfränkische DGB-Sprecher Mathias Eckardt übt im Interview unserer Zeitung heftige Kritik an der oberfränkischen  Wirtschaft. Die Löhne seien zu niedrig. Drei Fragen an den DGB-Funktionär.

Verdienen die Oberfranken zu wenig?

Mathias Eckardt: Leider kann ich diese Frage immer noch nur mit Ja beantworten. Die Einkommen in Oberfranken bewegen sich leider weiterhin – bis auf die Stadt Coburg –, weit unter dem bayerischen Durchschnitt. Der Leidensdruck mancher Unternehmen beim Thema Fachkräftemangel kann doch nicht so groß sein, sonst würden doch einige zumindest auf eine tarifvertraglich vereinbarte Bezahlung setzen.

Die Kaufkraft in Oberfranken ist gut, weil die Preise günstiger als in Ballungsräumen sind?

Eckardt: Mit diesem Argument wird nun schon seit Langem argumentiert, um unsere vergleichsweise niedrigen Einkünfte zu begründen. Aber wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass auch in Oberfranken beispielsweise Miet-, Bau- und Grundstückspreise durch die Decke gegangen sind. Wer am Monatsende wenig Lohn erhält, der ist in Oberfranken genau so arm dran wie der, der in München wenig verdient.

Die Einkommen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Industrie steckt in der Rezession. Die Tarifsteigerungen müssen moderater werden?

Eckardt: Diese Aussage kann ich so nicht stehen lassen. Denn deutlich gestiegen sind die Einkommen überwiegend im tarifgebundenen Bereich. In den übrigen Bereichen sind die Einkommenszuwächse mehr als überschaubar. Übrigens, Gewerkschaften haben es schon bisher gut verstanden, ihre Forderungen der wirtschaftlichen Lage der einzelnen Branchen anzupassen. Dieser Verantwortung werden sie auch in der Zukunft gerecht werden.