Wenn Schrott fliegen lernt Fritz Föttinger zeigt Skulpturen und Bilder im Landratsamt

Gero v. Billerbeck

BAYREUTH. Es lebe der Spieltrieb und die Sammelleidenschaft! Fritz Föttinger, der Maler aus Obernsees, hat reichlich von beidem. Bei der Ausstellung „Skulpturen und Bilder“, die am Montagabend von Landrat Hermann Hübner im Bayreuther Landratsamt eröffnet wurde, kann man bis zum 8. Juli sehen, was dabei herausgekommen ist.

Und weil Föttinger auch weit mehr als ein Hobbyschriftsteller ist, lassen wir ihn, was und wie er sammelt, selbst beschreiben. Bei der Vernissage berichtete er über einen seiner zahlreichen Fahrradausflüge durch die nähere Dorfumgebung: „Im Grase sah ich Schrott liegen, da bin ich abgestiegen.“ Zugegeben: Er hat schon besser gedichtet, aber künstlerisch hat er mit seinen Skulpturen und den sie begleitenden Monotypien einen neuen Gipfel erklommen.

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Schöpferische Faulheit

Richtig gelesen! Das eine begleitet, ja, bedingt fast das andere. Eine der eher seltenen Künstler-Tugenden ist Föttingers gerüttelt Maß an schöpferischer Faulheit. Man kann’s auch noch positiver mit „Geduld“ umschreiben. Der Schrott wird nur dann gesammelt, wenn er Talent zu Höherem hat. In einem blechernen Sieb zum Beispiel kann ein Flügel stecken, wenn es ein anspruchsvolles Sieb ist, sogar die höchste Form eines solchen, ein Engelsflügel. Wenn dann auch noch Ring, Rohrstück oder Eisenstreifen als Kopf und anderes Engelszubehör gefunden sind, lässt Föttinger seine Muse von der Leine. Auf einem großzügig bemessenen Bogen Packpapier wird das Gefundene so zusammengepuzzelt, wie es mal als Skulptur gedacht ist.

Der Rest ist zunächst Warten. Zwei Monate können schon ins Land gehen, bis der schwangere Vater sein werdendes Kind mal besucht. Dass er’s im Freien lässt, liegt nicht an liebloser Stiefvaterschaft. In solchem Klima wachsen Zwillinge: Unter der künftigen Skulptur zeichnet sich ihr zweidimensionales Ebenbild ab. Rost, Sonne und Regen haben ihre Spuren so auf dem Packpapier hinterlassen, dass es fast selbst zur Skulptur geworden ist, und wenn schon nicht das, so doch wenigstens eine Grafik, eine Monotypie, der einzige Abdruck im Leben eines Druckstockes, der in diesem Stadium noch gar kein Kunstwerk ist.

Aber jetzt wird er’s. Der Künstler lässt schweißen/löten oder legt, wenn Heimwerkerfähigkeiten genügen, auch mal selbst Hand an – mit der Flex oder dem Niethammer. Ein erdenschwerer „Rockengel“ ist zur Welt gekommen. Andere Engel folgten oder gingen ihm voraus, darunter ein grüner mit grünspanüberzogenem Kupfer-Corpus. Ein weiterer Engel ist so vogelähnlich, dass der Künstler ihm den Sakralstatus aberkannte und ihn schlicht „Orni“(thologisch) betitelte. Eine rostige Ofentür taugt nicht zum Engel, verfügt aber über einen halboffenen Rundschieber und heißt deswegen jetzt „Halbherzig“.

Selbsterdachter Himmel

„Engel“: Dergleichen Objekte knüpfen an frühere Föttinger-Zeiten an. Da ließ er die Himmelsboten noch gemalt in einen selbsterdachten Himmel steigen – etwa als verheißungsvolle „Vorboten“. So kennen wir Föttinger von früher als meisterlichen Verfasser von Acrylgemälden. Seine Terranova-Serie zeigt „Neue Erde“, entstanden bei hautnah erlebten Ausbrüchen des Stromboli. Mit nautischen Motiven („Windjammer“, „Volle Fahrt“, „Moonriver“) verarbeitet der Künstler Urlaubeindrücke aus der Bretagne gemeinsam mit persönlichen Schicksalsschlägen.

Eine weitere Reminiszenz an frühere Schaffensperioden gestatten einige Prägedrucke, die ebenfalls Zeugnis vom Einfallsreichtum des Künstlers ablegen. Stücke verwitterter Dachpappe verarbeitete er zu Druckstöcken für allerlei Viehzeug mit schnurrigem Märchenhintergrund, wo wir Neues aus dem Leben der Bremer Stadtmusikanten erfahren oder auch, was passiert, wenn Hans (im) Glück die Sau rauslässt.