Ein Filter für die Kaffeeverrückten

BAYREUTH. Dass auch eine eigentlich alte Idee noch einen hochinnovativen Schub bekommen kann, hat die Erste Bayreuther Porzellanfabrik Walküre bewiesen. Die sogenannte Karlsbader Methode – seit über 100 Jahren bei reinen Porzellanfiltern für Kaffeekannen bekannt – haben die Bayreuther jetzt zu einem Tassenfilter weiterentwickelt und es damit unter die besten Zehn beim Innovationspreis 2011 von Sparkasse und Kurier geschafft.

Wolfgang Meyer und sein Vater Rudolf, beide Mit-Geschäftsführer des 112 Jahre alten Unternehmens, zelebrieren das Aufbrühen einer Tasse Kaffee regelrecht – und zeigen damit gleich auch das Potenzial auf, das der Tassenfilter bei Liebhabern des schwarzen Getränks und bei Gastronomen, die ihren Gästen etwas Besonderes bieten wollen, hat. Die Bohnen – in unserem Fall edle Ware aus Indien – wird frisch gemahlen, und zwar etwas grober als gewohnt. Dann wird das Kaffeemehl in den Porzellanfilter gegeben, dessen Clou das feine Porzellansieb am Boden ist. Nun kommt heißes Wasser in den inzwischen aufgesetzten Wasserverteiler – aber Vorsicht, die Temperatur muss knapp unter dem Siedepunkt sein. Heraus kommt letztlich eine Tasse Kaffee, die wirklich ausgezeichnet schmeckt.

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Innovativer Filter

Für Wolfgang Meyer kein Wunder, schließlich soll sein innovativer Filter genau das gewährleisten. So kommt der Kaffee ausschließlich mit geschmacksechtem Porzellan in Verbindung, und im Gegensatz zu Filterpapier – so Meyer – lässt das Walküre-Produkt Öle und Fette aus den Bohnen als Geschmacksträger durch.

Die Experten auf der Fachmesse „SCAE World of Coffee“ vor kurzem in Maastricht jedenfalls waren von der Neuheit begeistert. „Da springen die ganzen Kaffeeverrückten herum“, sagt Meyer salopp – es habe Interesse und Anfragen aus vielen Ländern gegeben. Interessanterweise vor allem auch aus Japan. „Dort gibt es viele Liebhaber hochwertigen und damit teuren Kaffees.“ Zielgruppen für den im Endhandel 35 bis 40 Euro teuren Kaffeefilter sind für Meyer der Profibereich mit Gastronomen oder Spezialitätenröstereien ebenso wie private Kaffeeliebhaber.

Viel schlechter Kaffee

Eine einzelne Initialzündung für die Entwicklung des Tassenfilters kann Meyer nicht nennen. Vielmehr kamen mehrere Gründe zusammen. So die seit einiger Zeit zu beobachtende Renaissance des Filterkaffees nach der jahrelangen italienischen Espresso- und Cappuccino-Welle. Aber auch viele schlechte Tassen Kaffee in Hotels rund um die Welt haben ihren Teil beigetragen.

Denn Wolfgang Meyer, der sich bei Walküre um das Kaufmännische kümmert, während sein Bruder Siegmund die technische Verantwortung hat, reist viel, ist auf Messen und bei Kunden präsent. Ganz wichtig für ein Unternehmen, dessen Exportquote gut 50 Prozent beträgt. Ein neuer Markt, der sich für Walküre recht gut entwickelt, ist der Mittlere Osten, wo es unter anderem immer mehr Luxushotels auszustatten gibt.

Qualität und Kopie

Dort, wie im gastronomischen Profibereich und damit dem Hauptabsatzsegment von Walküre überhaupt, ist hohe Qualität gefragt. Weshalb das Unternehmen auch unbeirrbar am Standort Bayreuth mit seinen 120 Mitarbeitern festhält: „Nur hier können wir die Qualität und Flexibilität garantieren, die unsere Kunden verlangen“, sagt Meyer. Dass die Personalkosten damit neben der Energie einen hohen Anteil an den Gesamtkosten haben, nimmt er dafür in Kauf.

Umso ärgerlicher, dass Walküre-Design gnadenlos kopiert und dann zu Spottpreisen auf den Markt geworfen wird. „Dagegen muss man sich wehren“, sagt Wolfgang Meyer. Rechtlich natürlich, aber auch mit anderen Mitteln. Innovationen wie der neue Tassenfilter nach der Karlsbader Methode, die im Unternehmen im Grunde schon seit rund 100 Jahren kultiviert wird, sind so ein Mittel. Weil innovative Neuheiten immer einen Vorsprung vor der Konkurrenz bringen. Und im Falle des Tassenfilters auch deshalb: „Das Porzellansieb ist das Herzstück des Filters. Und das kann einfach keiner kopieren“, sagt Wolfgang Meyer – und lächelt dabei mit sichtlichem Stolz.