Die Sänger wahren, wo nötig, den Ernst. Sie transportieren die Inszenierung mit leidenschaftlicher Spielfreude voran und mit zum Teil außerordentlichen vokalen Leistungen. Zum Beispiel Klaus Florian Vogt. Sein Walther von Stolzing setzt mittlerweile neue Maßstäbe für diese Partie, ob der Natürlichkeit, Leichtigkeit und spielerischen Note, mit der sein heller, immer noch sehr jugendlich-unverbrauchter Tenor gerade im Liedhaften dieser Musik reüssiert.
Ebenso Adrian Eröd. In seinem zweiten Beckmesser-Jahr ist er in dieser Rolle vollends angekommen, körperhaft und geschmeidig im Klang, beispielhaft in der Artikulation. James Rutherford ist der Neue. Sein Sachs hat sicher noch nicht die Nachhaltigkeit und auch das klangliche Differenzierungsvermögen, um bereits Bayreuth-Geschichte zu schreiben, aber da wittert man Potenzial. Und der warme Stimmklang und eine nicht zu kleine Tessitura lassen hoffen.
Etwas blass die Frauen. Michaela Kaunes Eva offeriert doch sehr viel Unausgewogenheit und wirkt im oberen Drittel eher grell. Und Carola Guber nimmt man die Magdalene gar nicht ab, abgesehen davon, dass ihre Textverständlichkeit gegen null tendiert.
Norbert Ernsts David wirkt trotz der Schwächen in der Tiefe ausdrucksstark und subtil in der Höhe. Artur Korns allzu matter Pogner fällt am Premierenabend ab, wohingegen Markus Eiche einen sehr überzeugenden Kothner abliefert. Die Meister und Lehrbuben agieren adäquat, Friedemann Röhligs Nachtwächter-Hausmeister wirkt ob der verordneten Aufgabe allerdings fast zu durchschlagskräftig.
Dass das Urteil über Sebastian Weigle auch im Jahr vier dieser Meistersinger sehr zurückhaltend ausfällt, ist sicher schade. Aber nach dem überzeugend strukturierten, klangverliebt musizierten Vorspiel fallen doch die vielen kleinen und größeren Ungefährwerte in seinem Dirigat auf; auch bei den Chören, deren Klangpracht (Eberhard Friedrich) nicht immer exakt und konform mit dem Orchester gesteuert wird. Während der Prügelfuge beschleicht einen zwar das Gefühl, dass es nie auseinanderfallen wird, aber auch nie ganz exakt musiziert klingt. Das ist eine Form von Routine, die unter den Erwartungen an Festspiele liegt.
Was auch für den Orchestergraben gilt. Weigle steuert das Schiff Festspielorchester oft unorganisch; die Überleitungsmusik zur Festwiese klingt, als würde man ein Radio allzu heftig lauter drehen da stimmen die Proportionen der Crescendi nicht ganz. Andererseits beschleicht einen das Gefühl, dass gerade diese Produktion solche musikalischen Brüche gewollt oder ungewollt braucht. Und wenn die Meister im ersten Aufzug ihren Aufnahmeritus in diesem Jahr erstmals mit einer Art Kommunion beginnen als Hostie dient je eine Seite aus einem Reclam-Heftchen , weiß man: Katharina Wagner werden die Buhs auch in Zukunft nicht erspart bleiben. Wie auch den Wagnerianern das Nachdenken über dieses Stück.