Beim ersten Testlauf, der am Mittwochabend mit der Ausstellung „kunstpARTner“ im Bayreuther Neuen Rathaus begann, bescheinigte die Kunstjournalistin Dr. Barbara Pittner den elf Aufrechten, die im Herbst für die Stadt und den Bayreuther Kunstverein in Güssing und im Frühjahr in Eisenstadt antreten, die Tauglichkeit, einem überregionalen Vergleich standzuhalten. Burgenländische Kunstpartner werden sich etwa gleichzeitig in der großen Ausstellungshalle des Neuen Rathauses revanchieren.Bei der aktuellen Schau empfängt uns Peter Coler im Eingangsbereich mit kapitalen Aktbildern. Eines davon, die gut gebaute „Susanna“, hat ihr Publikum gleich mitgebracht. Zwei Männer folgen ihr mit bewundernden Blicken. Dieses und ein „Regnerischer Tag“ freuen Herz und Auge, während ein drittes – vermutlich ungewollt – provoziert. Übereinstimmend und unabhängig voneinander fühlten sich mehrere Vernissage-Besucherinnen vom fast frontalen Blick auf eine Vagina peinlich berührt. Dabei ist die gemalte Lady nicht nur mit einer Zigarette, sondern zusätzlich mit dem „Roten Schuh“ bekleidet, der dem Bild den Titel gibt.Klein angefangenChristel Gollner profiliert sich als die Poetin unter den Ausstellern. Titel wie „Traumwelt“ und „Erinnerung“ transportieren einen wohltuend unverschlüsselten Bildinhalt, „Unberührt“ artikuliert die Sehnsucht nach solcher Natur, aber auch ihr Erleben. In Kunst umgemünzte Musik steht – siehe Tristan-Brunnen – hierzulande nicht hoch im Kurs. Gollner versucht’s trotzdem mit mehreren Motiven aus Franz Liszts Faust-Sinfonie, und siehe da, es klappt.Bernd Romankiewitz, der als Künstler vor vielen Jahren buchstäblich ganz klein angefangen hat, hat sich zu einem Grafiker gemausert, dessen dekorative Werke jetzt eine ganze Wand dominieren. Metergroße Farbholzschnitte, die zudem teilweise im Verbund hängen, dominieren eine ganze Wand. Romankiewitz hat den Bild-Zyklus „Botanik“ genannt, obwohl seine total verfremdeten Baumblatt-Motive nicht mehr als solche kenntlich sind und sein sollen.Eine ganz andere Art von „Holzschnitt“ wurde von Friedemann Gottschald erfunden. Die Druckstöcke wurden bereits vor etlichen Jahrhunderten geschnitten – von Zimmerleuten für den Dachstuhl der jetzt saniert werdenden Stadtkirche. Gottschald hat sie nur aufgesammelt, auf Atelierkürze gestutzt und damit die interessantesten Profile gedruckt, was mit der anderen Seite eines Balkenverbund-Fragments auch spiegelverkehrt funktioniert. Und sage keiner, dass der Zahn der Zeit, der im Material Witterungseinflüsse sichtbar gemacht und enorme Risse hinterlassen hat, ein schlechter Gottschald-Mitarbeiter sei.Gudrun Schüler präsentiert eine dekorativ gefilterte Welt. Es ist eine im Wasser gespiegelte. Nur die wenigen Blätter und Zweiglein, die auf der Oberfläche schwimmen, erinnern daran, dass es auch eine ungespiegelte, nicht durch Wellenbewegung verfremdete Realität gibt. Schopenhauers Welt-Wahrnehmungsphilosophie lässt grüßen.