Bei Unterschrift Abzocke

BAYREUTH. Sie werden massenhaft per Mail an Unternehmen und Gewerbetreibende versendet, sie sehen zumindest auf den ersten Blick aus wie eine Rechnung, und wer dem Internet-Branchenverzeichnis „Gelbes Branchenbuch“ auf den Leim geht, der ist mindestens 1560 Euro los.

Ursula Krauß, Juristin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken (Bayreuth), kennt die amtlich aufgemachten Schreiben und weiß, dass „Gelbes Branchenbuch“ beileibe kein Einzelfall ist. „Das ist ein Dauerproblem. Es gibt eine Vielzahl davon, darunter auch viele sinnlose Adressenverzeichnisse“, sagt sie und ergänzt seufzend: „Leider fallen immer wieder Leute auf diese Masche herein, weil die Mails halt auch gut gemacht sind.“

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Verwirrung

Im Fall von „Gelbes Branchenbuch“ scheint es sich auf den ersten und flüchtigen Blick um die Bitte um Korrektur oder Ergänzung eines bereits erfolgten Eintrags in ein Branchenverzeichnis zu handeln, der lediglich unterschrieben und per Fax zurückgesendet werden soll. Dass dabei das „Gelb“ im Namen auftaucht, ist kein Zufall. Es soll offensichtlich für Verwechslung mit den seriösen „Gelben Seiten“ gesorgt werden. Und so übersieht man im geschäftlich-stressigen Alltag halt mal schnell das Wort Angebot, das zugegebenermaßen auch oben auf der Seite steht.

Ganz abgesehen vom Kleingedruckten, das es in sich hat. Hier steht, dass mit der Unterschrift ein Vertrag über den Eintrag in das Internet-Branchenverzeichnis zustandekommt: Laufzeit zwei Jahre; 65 Euro Kosten pro Monat; kündbar drei Monate vor Ablauf, und zwar schriftlich. Doch selbst das dürfte schwierig sein. Jedenfalls sind die im Impressum angegebenen Adressen auf den Seychellen und den Marshall-Inseln nicht sehr vertrauenerweckend. Gleiches gilt für die malaysische Faxnummer. Als Gerichtsstand wird Budapest angegeben, es gelte ungarisches Recht . . .

Raus aus der Abzockfalle

Aus der Abzockfalle wieder herauszukommen, ist kaum oder gar nicht möglich. „Gewerbetreibende haben im Gegensatz zum Verbraucher nicht das zweiwöchige Widerrufsrecht“, sagt IHK-Juristin Krauß. Es bleibe höchstens die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung. Und hier hätten die Versender der Mails mittlerweile gelernt und die Formulare meist rechtssicher gestaltet.

Von Betrügern will die Juristin deshalb auch nicht sprechen. Sie nennt die Angelegenheit lieber „ein dauerhaftes und teures Ärgernis“. Dauerhaft, weil der auch von Kammern und Verbänden geführte Kampf dagegen einer gegen Windmühlen sei: „Wenn sie ein Formular haben untersagen lassen, kommt es kurze Zeit später nur geringfügig verändert wieder.“

100 Betroffene jährlich

Teuer auch deshalb, weil der Masche offenbar viele auf den Leim gehen. Krauß zählt rund 100 Betroffene im Jahr, die sich allein an die IHK wenden – davon viele kleine Unternehmen. Und das sei mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer deutlich höher. Multipliziert mit den 1560 Euro ergibt sich da allein für unsere Region ein ordentlicher Betrag.

Dass es auch seriös und zu deutlich niedrigeren Sätzen geht, zeigt der Nürnberger Müllerverlag, der für ganz Nordbayern die „Gelben Seiten“ betreut. Hier kostet der kleinste werbliche Eintrag 100 Euro im Jahr. Dafür gibt es laut Angela Steinhart einen Abdruck eben im klassischen Branchenverzeichnis, das in Oberfranken auf eine Auflage von 400.000 kommt. Der Internet-Eintrag ist eingeschlossen und – so ist bei der Bekanntheit der „Gelben Seiten“ zu vermuten – wird im Gegensatz zum „Gelben Branchenbuch“ auch genutzt.

Wachsamkeit

Ursula Krauß kann nur raten, selbst bei größtem Stress die nötige Wachsamkeit im Geschäftsverkehr nicht zu vernachlässigen und lieber zweimal hinzuschauen. Ist es doch passiert, könne man sich unter anderem an die Kammern wenden.

Symbolbild: pa