Bayreuth Baroque Opernfestival mit 16 Veranstaltungen

Roman Kocholl

Thomas Ebersberger brachte es auf den Punkt: „Es kann nichts Schöneres geben, als wenn im Markgräflichen Opernhaus Werke aus der damaligen Zeit gespielt werden“, sagte Bayreuths Oberbürgermeister bei der Präsentation des Programms für das Opernfestival Bayreuth Baroque 2022 im Sonnentempel der Eremitage. 16 Veranstaltungen an fünf Orten in Bayreuth sind geplant, womit der Spielplan etwas erweitert wurde. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr soll es heuer auch wieder eine Opern-Neuproduktion geben.

Bei der Präsentation des Programms von Bayreuth Baroque 2022 im Sonnentempel der Eremitage (von links): Geschäftsführer Clemens Lukas, Sänger und Regisseur Max Emanuel Cencic und Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger. Foto: Roman Kocholl

Nach zwei Jahren der Pandemie, in denen das noch junge Festival unter erschwerten Bedingungen über die Bühne gehen musste, will man nun durchstarten. Rund 7000 Tickets will man in dieser Spielzeit verkaufen, wie Geschäftsführer Clemens Lukas sagte. Dabei geht man von einer 75-prozentigen Belegung der Plätze aus.

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Im Gesamtbudget von 1,9 Millionen Euro spielen die Ticketeinnahmen eine gewichtige Rolle. Zusammen mit Sponsorengeldern sollen sie 59 Prozent des Etats abdecken, 41 Prozent kämen dann von öffentlichen Förderungen.

Clemens Lukas betonte, dass es sich bei Bayreuth Baroque um ein sehr effizientes Festival handle, bei dem 80 Prozent des Budgets ins Programm fließen. Für Planung und Organisation gebe es nur eine halbe feste Stelle.

Die größten Zuschussgeber sind die Stadt Bayreuth (390.000 Euro) und die Oberfrankenstiftung (301.000 Euro); der Freistaat Bayern hat 500.000 Euro in Aussicht gestellt.

Auch Frauenrollen von Männern gesungen

Zum Start von Bayreuth Baroque am 7. September steht die Neuproduktion der Oper „Alessandro nell’Indie“ von Leonardo Vinci auf dem Programm. Dabei handelt es sich nach Angaben der Veranstalter um die erste vollständige Aufführung des Werks nach fast 300 Jahren.

Wie Regisseur Max Emanuel Cencic sagte, sollen dabei alle Rollen von Männern gesungen werden, wodurch die Tradition der Travestie stark zum Tragen kommt. Auch in der Uraufführung des Stücks in der Barockzeit wurden die Frauenrollen von Männern gesungen.

In dem Stück, in dem es nur vordergründig um Alexander den Großen geht, entspinnt sich ein Drama zwischen Liebe, Intrige, Eifersucht und Vergebung. Drei Aufführungen dieser Wiederentdeckung sind im Markgräflichen Opernhaus geplant. Über seine Inszenierung verriet Cencic, dass während der Arien auch mehrere Bollywood-Tänzer auftreten werden.

Arien ausgegraben

Der Travestiegedanke kennzeichnet auch die Aufführung des Oratoriums „San Giovanni Battista“ von Alessandro Stradella. Auch dieses selten gespielte Werk wird in reiner Männerbesetzung gegeben.

Im Programm von Bayreuth Baroque 2022 gibt es viel Unbekanntes zu entdecken. Auch Kenner und Liebhaber von Barockmusik dürften einige der Stücke zum ersten Mal hören. So etwa beim Konzert der in Bayreuth bereits mehrfach bejubelten Sängerin Julia Lezhneva, die ein Programm mit Arien des Komponisten Nicola Antonio Porpora bieten wird. Cencic betonte, dass es sich dabei um alles andere als ein „Konzert von der Stange“ handle. Die Arien seien extra von Musikwissenschaftlern für dieses Konzert ausgegraben worden.

Neben den Abendfüllenden Opernaufführungen bietet der Spielplan, wie etwa im Sonnentempel der Eremitage, auch mehrere kleine Konzerte von rund einstündiger Dauer. In den Bayreuther Kirchen sind Konzerte bei stimmungsvollem Kerzenlicht geplant. Als neuer Spielort wurde die Ordenskirche in St. Georgen ins Programm aufgenommen.

Jüngeres Publikum

Wie Clemens Lukas sagte, will man auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Daher wird es auch Studentenkarten im Vorverkauf zu Kinokartenpreisen geben.


In diesem Jahr sind beim Opernfestival Bayreuth Baroque 16 Veranstaltungen geplant. Ein Auszug:

7., 9.,11. September: Opernneuproduktion „Alessandro nell’Indie“ von Leonardo Vinci im Markgräflichen Opernhaus.

8. September: Konzert mit der Sopranistin Jeanine de Bique und Concerto Köln im Opernhaus.

10. September: Konzert mit Max Emanuel Cencic im Opernhaus.

15. September: Konzert mit dem Bariton Tomas Kral in der Stadtkirche Bayreuth mit Musik aus der Zeit von Markgraf Georg Wilhelm.

16. September: Arien weiblicher Opernheldinnen, gesungen vom brasilianischen Sänger Bruno de Sà.

17. September: Konzert mit der Sopranistin Julia Lezhneva im Markgräflichen Opernhaus.

18. September: Konzertante Aufführung der Oper „Griselda“ von Giovanni Bononcini.