Nürnberg (dpa/lby) - Für manche mag es ein Grundnahrungsmittel sein, für andere ein Ernährungs-No-Go. Für die Franken ist die Bratwurst schlicht ein Kulturgut. Am Samstag feiern Metzger und Bratwurstliebhaber zwischen Hof, Würzburg und Treuchtlingen den "Tag der Fränkischen Bratwurst" - eine Huldigung eines der ältesten deutschen Imbisse mit hohem Beliebtheitswert, weit über Fußballstadien und Dorffeste hinaus.

Vor zehn Jahren war der Fränkische Bratwurstgipfel gegründet worden - ein Wettbewerb für Metzger vor allem aus Oberfranken. In diesem Jahr sollte es zum Jubiläum etwas besonders werden - aber Corona machte den Organisatoren vom Verein zur Förderung der fränkischen Bratwurstkultur einen Strich durch die Rechnung. "Wir wollten zum zehnten Mal unseren Bratwurstkönig küren", sagte der Vereinsvorsitzende und Bürgermeister der Stadt Pegnitz, Wolfgang Nierhoff im Vorfeld. Der Wettbewerb, bisher mit mehr als Zehntausend Menschen in Pegnitz gefeiert, wird in diesem Jahr coronabedingt zum dezentralen Aktionstag in ganz Franken. "Mehr als 30 Metzgereien haben sich schon angemeldet", sagte Nierhoff

Beim Tag der fränkischen Bratwurst geht es auch um die Vielfalt des Produktes - denn besonders in Franken ist Bratwurst keineswegs gleich Bratwurst. Fast jede Region kennt und pflegt ihre Besonderheiten: Die Coburger Bratwurst etwa - sie ist lang und aus vergleichsweise grobem Fleisch. Für das ehemalige Herzogtum an der Grenze zu Thüringen ist die Bratwurst Identifikationsobjekt. Prominente Besucher der Stadt, darunter Großbritanniens Thronfolger Prinz Charles, haben die Wurst schon genossen. Als die EU die traditionelle aber krebserregende Bratmethode über Kiefernzapfen verbot, bildete sich in Coburg eine Bürgerinitiative zur Rettung der Bratwurstkultur.

In Frankens Metropole Nürnberg sind die Bratwürste so klein, dass sie nur im Dreierpack serviert werden - "Drei im Weggla" ("Drei im Brötchen") gilt als eine der beliebtesten Darreichungsformen, mancher Liebhaber bestellt auch gerne ein Dutzend. Der unter anderem wegen unflätiger Reden verurteilte Hans IV. Stromer, unrühmlicher Spross einer Nürnberger Patrizierfamilie, soll im 16. Jahrhundert 28 000 Stück gegessen haben. Täglich zwei, in 38 Jahre langer Turmhaft - dann stürzte er sich in den Tod.

Die Wurst von heute unterscheidet sich in der Rezeptur nur wenig, die Metzger sind aber kreativer geworden. Bärlauch, Käse, Tiramisu und Süßigkeiten gehören nebst Schweinebrät manchmal zu den Zutaten von Bratwürsten. Die Metzgerei Hoferer in Sugenheim (Kreis Neustadt an der Aisch), 2015 zum Bratwurstkönig Frankens gekürt, will allein am Samstag 60 Sorten anbieten. In Hof soll eine kilometerlange Bratwurstkette entstehen.