Bayern Corona-Zahlen schießen nach oben: Booster nach dem Booster?

Ein medizinischer Mitarbeiter führt einen Corona-Schnelltest durch. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Virusvariante Omikron lässt auch in Bayern die Corona-Zahlen explodieren. Auf den Intensivstationen schlägt sich das bisher nicht nieder. Derweil dringen Experten auf den Booster nach dem Booster und Gegner der Corona-Maßnahmen rufen zu neuen Protesten auf.

München (dpa/lby) - Die Virusvariante Omikron treibt die Corona-Zahlen in Bayern weiter steil nach oben. Nach mehr als 10 300 registrierten Neuinfektionen binnen eines Tages kletterte die Inzidenz am Samstag auf 500,8. Damit haben sich in den vergangenen sieben Tagen mehr als 500 Menschen je 100 000 Einwohner mit dem Coronavirus angesteckt.

Der Münchner Corona-Experte Clemens Wendtner mahnte angesichts dieser Entwicklung zur zügigen Vorbereitung auf die vierte Corona-Impfung - mit den verfügbaren Impfstoffen. Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, in der Corona-Politik künftig einen "breiteren Ansatz" verfolgen zu wollen. In einigen bayerischen Städten wollten am Wochenende wieder Gegner der Corona-Politik protestieren.

Seit dem 30. Dezember steigen mit der zur fünften Welle deklarierten Omikron-Variante die Infektionszahlen wieder rasant. Laut dem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) ist Omikron mittlerweile auch in Bayern die dominierende Virusvariante. Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser sind die Patientenzahlen aber zuletzt weiter gesunken.

Die bayernweit meisten Neuinfektionen wurden nach RKI-Angaben in den zurückliegenden sieben Tagen im Landkreis Lindau gemeldet: Die Inzidenz liegt dort mittlerweile bei 810,1. Es folgen die Städte Ingolstadt (774) und München (761,9). Am niedrigsten war der Wert in den Landkreisen Coburg (171) und Neumarkt in der Oberpfalz (181,9). Das teilte das RKI am Samstag auf seinem Dashboard mit (Stand: 03.20 Uhr). Die Zahl der seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit Corona gezählten Todesfälle im Freistaat stieg um 33 auf 20 166.

Auf den Intensivstationen sank die Zahl der Corona-Patienten weiter. Das Divi-Intensivregister meldete am Samstag (Stand 9.05 Uhr) 427 Corona-Patienten auf Intensivstationen im Freistaat, das sind 8 weniger als noch am Freitag. 261 von ihnen mussten invasiv beatmet werden.

Der Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing, Wendtner, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Für mich wäre eine Viertimpfung vier bis sechs Monate nach der dritten Impfung eine adäquate Maßnahme." Er verwies zugleich jedoch darauf, dass es aufgrund mangelnder Daten noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Viertimpfung gibt.

Oft heiße es, man wolle auf den angepassten Omikron-Impfstoff warten. "Ich fürchte aber, das wird zu lange dauern", sagte Wendtner. Vor April sei nicht mit neuen Impfstoffen zu rechnen - die Omikron-Welle rolle aber jetzt heran. "Man muss eine Viertimpfungs-Kampagne jetzt schon vorbereiten, auch von der Verfügbarkeit der derzeit zugelassenen Impfstoffe her. Da dürfen wir nicht erst daran denken, wenn wir März oder April haben."

Söder sagte dem "Münchner Merkur" (Samstag): "Ich habe über den Jahreswechsel lange nachgedacht, viele Gespräche geführt - privat und politisch - und aus diesen zwei Corona-Jahren auch tiefe Lehren gezogen." Gerade bei Omikron brauche es einen breiteren Ansatz. "Es wird nicht mehr ausreichen, die Lage nur medizinisch und virologisch zu betrachten. Wir müssen auch auf die gesellschaftliche und soziale Komponente stärker achten."

Die Gesellschaft sei nicht in zwei gleiche Teile gespalten, aber sie sei geteilt. "Eine kleine Gruppe Querdenker mit sehr abstrusen Argumenten, eine große Gruppe an sehr vorsichtigen Menschen, aber eben auch einige, die zwar alle Regeln mitgemacht haben, aber erschöpft und müde sind und am Sinn mancher Vorschriften zu zweifeln beginnen."

Für Samstag und Sonntag haben Gegner der Corona-Auflagen in einigen Städten wieder zu Protesten aufgerufen, etwa in Fürth und Schweinfurt. "Insbesondere rechtsextremistische Akteure sind in den letzten Wochen vermehrt auf das Protestgeschehen aufgesprungen und versuchen, den Protest für ihre Zwecke auszunutzen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kürzlich.

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