Regensburg (dpa/lby) - Der konservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht die Bedeutung des Reformprozesses in der katholischen Kirche wegen der Pandemie schwinden. "Eine der Folgen der Corona-Krise, das ist vielfach schon bemerkt worden, ist eine gewisse Verwesentlichung", sagte er in einem Interview, das die Priesterbruderschaft St. Petrus auf ihrer Homepage veröffentlichte. "Plötzlich tritt mit neuer Deutlichkeit zu Tage, worauf es wirklich ankommt. So ist es auch um den "Synodalen Weg" ziemlich ruhig geworden."

Voderholzer gilt als entschiedener Kritiker des "Synodalen Weges", der sich unter anderem mit Fragen der katholischen Sozialmoral, dem Zölibat und der Rolle der Frau in der Kirche befassen soll. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der bis zu diesem Frühjahr Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war und als Hauptinitiator des Reformprozesses gilt, hatte erst kürzlich ein Buch mit dem Titel "Freiheit" veröffentlicht, in dem er die Bedeutung des "Synodalen Weges" betonte.

"Ich kann freilich nicht erkennen, dass die Krise die Stunde der Synode heraufgeführt habe", sagte Voderholzer dagegen in dem Interview. "Schon auf der Ebene der Politik war es die Stunde der Regierenden und nicht die der Parlamente." Der Bischof zitierte einen Dekan, der gesagt habe, "dass es in der Seelsorge plötzlich viel spiritueller zuginge. Die kirchenpolitischen Fragen seien zurückgetreten (...)."

Katholiken, die wegen der Corona-Pandemie auf Gottesdienste verzichten mussten, verglich Voderholzer mit Katholiken in Japan, die von Anfang des 17. Jahrhunderts an 250 Jahre im Untergrund "ohne Sakramente durchgehalten haben".