Baum statt Brunnen Eine Weihnachtstanne zu Ostern

Heuer wurde in Morschreuth der erste Osterbaum geschmückt. Foto: Thomas Weichert

MORSCHREUTH. Fast jedes Dorf in der Fränkischen Schweiz hat inzwischen einen Dorfbrunnen, der zu Ostern zum Osterbrunnen geschmückt wird. Morschreuth, in der Marktgemeinde Gößweinstein, ist jedoch eines der wenigen Dörfer, die keinen Brunnen haben. Dafür steht nun eine knapp neun Meter hohe Tanne als Osterbaum.

Eigentlich wurde diese als Weihnachtsbaum am Dorfplatz in der Ortsmitte gepflanzt. Doch warum nur zu Weihnachten nutzen, dachten sich die Morschreuther. Selbst die Lichterketten mit den 360 elektrischen Lämpchen vom vergangenen Weihnachtsfest hängen noch immer.

So kamen einige Mitglieder der Dorfgemeinschaft, allen voran Sandra Müller, aus einer Laune heraus auf die Idee, den Weihnachtsbaum kurzerhand in einen Osterbaum umzufunktionieren und den Platz davor österlich zu schmücken.

400 Plastikeier

Hans Heckel, der Vorsitzende des Vereins Dorfgemeinschaft Morschreuth, war von dieser Idee begeistert und setzte sie nun mit einigen Mitgliedern um. Er organisierte und bestellte 400 bunte Plastikostereier, die nun den Morschreuther Weihnachtsbaum zum Osterbaum machten. „Echte Eier auszublasen und anzumalen, dafür hatten wir keine Zeit mehr, weil die Idee ja spontan und erst kürzlich bei einer gemütlichen Runde entstanden ist“, sagt Heckel.

Nächstes Jahr wieder

Der Osterbaum soll aber keine einmalige Aktion bleiben, sondern auch nächstes Jahr wieder mit bunten Ostereiern geschmückt werden. Dann natürlich auch mit echten und handbemalten Hühnereiern.

So einfach ist das aber gar nicht, eine solch hohe Tanne rundherum und gleichmäßig verteilt mit Ostereiern zu behängen. Deshalb hatte Heckel für die Schmückaktion eigens einen Kranwagen besorgt.

Die Tradition, zu Ostern bemalte Eier an die Bäume zu hängen, ist nicht abwegig und hat sogar einen früheren Ursprung als das Schmücken eines Osterbrunnens. Denn in der christlichen Religionslehre steht der Osterbaum nicht nur für den Frühlingsbeginn, sondern bezeichnet den Zeitpunkt von Tod und Auferstehung Jesu Christi.

Ein Osterbaum, und noch dazu ein so hoher mit Weihnachtsbeleuchtung, dürfte jedoch bisher einzigartig sein – vielleicht nicht auf der ganzen Welt, aber zumindest in der Region. Deshalb wäre der Osterbaum vielleicht sogar einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde wert. Doch darüber hat man in Morschreuth, jedenfalls bisher, noch nicht nachgedacht.

Selbstgebackene Küchla

Der Osterbaum soll nur zur Auferstehung Christi nur in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag beleuchtet werden. Zuvor wird am Karsamstag am Osterbaum aber noch gefeiert – mit frisch gebrühtem Kaffee und selbst gebackenen fränkischen Küchla.

Die Idee mit dem Küchlabacken hatte Maria Roppelt. Alle Einnahmen aus dem ersten Morschreuther Osterbaumfest, kommen der Kasse der Dorfgemeinschaft zugute. Daraus soll dann neuer Osterschmuck gekauft werden.

Irgendwie ist er schon eine kleine Sensation, der Osterbaum. Angesichts der Tatsache, dass es in der Fränkischen Schweiz eigentlich nur Osterbrunnen gibt.

 

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