Bauernverband beklagt Schäden durch den Biber in der Region Oberfranken: Wie der Biber Traktoren zu Fall bringt

Von Roman Kocholl

Angefressene Bäume, aufgestaute Bäche und abgenagtes Gehölz: Der Biber hat Bayern zurückerobert. Rund 17 000 Tiere bevölkern inzwischen die Gewässer des Freistaats. Selbst im Münchner Stadtgebiet fühlen sich die Biber heimisch – dabei waren die Nager fast 100 Jahre lang in Bayern ausgestorben. „Der Biber ist mittlerweile überall bei uns verbreitet“, sagt Gerhard Schwab, Bibermanager beim Bund Naturschutz. Auch in Oberfranken hinterlässt er Spuren. Zum Ärger des Bauernverbandes.

Der Bauernverband klagt über Biberschäden. Foto: dpa Foto: red

Umweltschützer freut die Rückkehr des Nagers. „Der Biber ist ein Motor für mehr Artenvielfalt“, sagt Peter Martin, Biberberater im Landkreis München. Staut der Biber das Wasser auf, entstehen sogenannte Biberseen, in denen viele Nährstoffe zurückgehalten werden – gut für den Fischreichtum. Zudem drückt das Wasser in die Breite, eine Auenlandschaft entsteht, seltene Tiere und Pflanzen finden eine neue Heimat. Wichtig sei lediglich, entsprechende Randstreifen an den Gewässern frei zu lassen, sagt Schwab. „Um die zu gestalten, brauche ich keinen Bagger und keinen Planer rausschicken, das macht der Biber viel besser – und kostenlos.“

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Auch beim Hochwasserschutz könne der Biber nützlich sein. Durch die Dämme werde Wasser zurückgehalten und rausche nicht auf einmal runter ins Tal. „In den USA gibt es dazu Untersuchungen, die das bestätigen“, erzählt Schwab.

Der Bauernverband klagt

Doch nicht überall stößt der Biber auf Freunde. „Die Zahl der Schäden steigt“, sagt Markus Peters vom Bayerischen Bauernverband. Durch den Bau seiner Höhle, der Biberburg, könne der Biber die Felder der Landwirte an den Gewässern unterhöhlen. „Es besteht die Gefahr, dass Maschinen und Menschen einbrechen.“

Solche Fälle gab es auch immer wieder in Oberfranken. Rund alle zwei Jahre sei auf den Feldern im Landkreis Bayreuth eine landwirtschaftliche Maschine eingebrochen, sagt Nikolaus Lange, Biologe beim Landkreis, im Gespräch mit dem Kurier. Insbesondere entlang an Fließgewässern innerhalb eines bis zu fünf Meter breiten Streifens bestehe die Gefahr. Nikolaus Lange hat die 30 Zentimeter breiten Gänge, die sich der Biber geschaffen hat, beispielsweise entlang der Wiesent beobachtet. „Der Biber staut das Wasser an und legt dann im 90-Grad-Winkel zur Fließrichtung seine Gänge an, die in die Wiese führen“, erklärt der Biologe. Somit kann der Biber den schwersten Traktor zum Straucheln bringen. Und den Biologen zum Staunen: „Die Kanäle sind wie mit dem feinsten Bagger gezogen“, lobt Lange die Präzision des gewieften Nagers.

Schwere Maschinen drohen einzubrechen

Doch nicht nur auf Wiesen und Feldern kann der Biber das Einbrechen schwerer Maschinen hervorrufen. Auch Fahrstraßen kann das Tier derart unterlöchern, dass Einsturzgefahr droht. Lange erinnert daran, dass erst vor wenigen Wochen ein Straßenstück nahe des Craimoosweihers im Landkreis Bayreuth mit Schotter verfüllt werden musste, da Einsturzgefahr drohte.

Ein weiteres Problem, das bayernweit auftaucht: Durch das Anstauen der Gewässer können ganze Felder überflutet werden. „Der Biber besiedelt zunehmend Reviere, die nicht optimal sind, zum Beispiel flache Gebirgsbäche“, sagt Markus Peters vom Bauernverband. Wenn die Zahl der Schäden weiter steige, müsse auch mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, um die Landwirte zu entschädigen. Dafür stehen im Rahmen des Bibermanagements des Umweltministeriums jährlich 450 000 Euro zur Verfügung. Im vergangenen Jahr konnten 62 Prozent der gemeldeten Schäden ausgeglichen werden.

11.570 Euro Schaden im Landkreis Bayreuth

Wie Wilhelm Böhmer, Direktor der Hauptgeschäftsstelle Oberfranken des Bayerischen Bauernverbands, im Gespräch mit dem Kurier mitteilte, wurde im Jahr 2014 im Landkreis Bayreuth Schäden in Höhe von 11 570 Euro gemeldet. 62 Prozent dieser Summe wurde zur Entschädigung ausbezahlt. Im Landkreis Forchheim lag die gemeldete Schadenshöhe bei 12 600 Euro. Aus Hof und Kulmbach liegen keine Meldungen vor. Böhmer spricht von Frasschäden an Bäumen oder Vernässungsschäden an Pflanzen, wenn etwa in Folge von Biberdämmen ganze Felder unter Wasser gesetzt wurden. Der Leiter der Bamberger Geschäftsstelle weist darauf hin, dass der Biber keineswegs nur das Landleben liebt. Auch an der Regnitz in Bamberg habe Böhmer bereits mehrere der pelzigen Nager entdeckt.

Das war freilich im Laufe der Jahrhunderte nicht immer so. Intensive Jagd hatte dem Biber Mitte des 19. Jahrhunderts den Garaus gemacht. Ende der 1960er-Jahre kam der Nager nach Bayern zurück, 120 Tiere wurden an der Donau ausgewildert. Bald könnte das Biberwachstum jedoch eine natürliche Grenze erreichen. „Biber sind Reviertiere“, sagt Biberberater Peter Martin. Besetzt eine Familie ein bestimmtes Revier, ist es für andere Tiere tabu. „Da wird gnadenlos verteidigt, Eindringlinge werden attackiert.“ Weil inzwischen so gut wie alle Reviere besetzt sind, dürfte mit dem Wachstum bald Schluss sein.

Mit Material von dpa