BAT: Post für 700 Mitarbeiter

Von Andrea Pauly

Bei der British American Tobacco Company (BAT) gehen in diesen Tagen die Verträge in die Post, durch die die Mitarbeiter in die Transfergesellschaft wechseln. Währenddessen sind die Auswirkungen der angekündigten Schließung der Zigarettenproduktion schon spürbar und Sorgen gibt es auch bei denen, die nicht gehen müssen.

Foto: Ronald Wittek Foto: red

Es wird konkret: An rund 700 Mitarbeiter gehen die so genannten dreiseitigen Verträge heraus. Darin ist der Übergang in die Transfergesellschaft geregelt. Sie soll Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, innerhalb eines Jahres eine neue Beschäftigung vermitteln. Erst, wenn die dreiseitigen Verträge nicht unterschrieben werden, käme es zu einer betriebsbedingten Kündigung, sagt der Vorsitzende des Betriebsrats, Paul Walberer. Weitere 250 Mitarbeiter gehen nach seinen Angaben in den Vorruhestand oder haben befristete Verträge, die auslaufen.

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Fristverlängerung trotz Schließung

Manche Mitarbeiter haben trotz der angekündigten Schließung der Produktion dennoch eine Vertragsverlängerung bekommen. "Sie werden benötigt, um die Produktionsanforderungen zu erfüllen. Das sind an Fristen gebundene Aufträge." Denn schon jetzt ist in der Produktion die Personaldecke dünner: Einige Mitarbeiter haben selbst gekündigt und sich eine neue Stelle gesucht, andere sind krank geschrieben.

Die Auslagerung hat begonnen

Gleichzeitig hat der Abbau und die Verlagerung nach Osteuropa bereits begonnen: "Es ist klar, dass die anderen Produktionsstandorte Vorbereitungen treffen müssen. Wenn hier Maschinen abgebaut und woanders aufgebaut werden, merkt man das natürlich auch in der Produktion."

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Walberer fällt es schwer, die Stimmung im Werk zu beschreiben: "Die Sorge ist riesengroß. Die Angst vor der Zukunft ist nicht kleiner geworden, auch wenn wir gute Verträge erreicht haben." Zugleich lasse die Solidarität zwischen den Mitarbeitern nach. "Jetzt weiß jeder, wann und wie es ihn trifft. Aber das sind Unternehmer-Entscheidungen, darauf hatte kein Mitarbeiter Einfluss." Eine Neiddebatte dürfe nicht aufkommen. Das hat niemand verdient." 

Verunsicherung: Wie sicher ist der Standort Bayreuth?

Derzeit finden noch letzte Einzel- und Profiling-Gespräche mit den Mitarbeitern statt, die in die Transfergesellschaft wechseln. "Ich beschäftige mich am meisten mit den Sorgen und Nöten der Beschäftigten", sagt der Betriebsratsvorsitzende. "Aber ich mache mir auch Gedanken über die  Kollegen, die bleiben." Das sind laut Walberer etwa 400. Viele von ihnen seien verunsichert. "Da gibt es die Sorge, wie lange der Standort Bayreuth erhalten bleibt. Aber dazu gibt es keine Aussagen."

Ringtausch nur im Einzelfall

Theoretisch gibt es die Möglichkeit zum "Ringtausch": Mitarbeiter aus den verbleibenden Abteilungen könnten die Ruhestandsregelung nutzen, dafür könnten andere bleiben. "Es gibt aber nur Einzelfälle, wo das passt", bedauert Walberer. "Aber jeder Arbeitsplatz, der erhalten bleiben kann, hilft uns enorm."

Walberer selbst ist bei den Stellenstreichungen außen vor, nicht nur weil er als Betriebsrat unkündbar wäre: Er geht ohnehin im März 2018 in den Ruhestand. "Das war ein Glücksfall, weil ich so den Kopf frei hatte. Es ist immer schlecht, wenn man in solchen Verhandlungen an seine eigene Situation denken muss."

Die Liste war abgearbeitet

Die Ergebnisse der Verhandlungen um den Sozialplan sieht er auch jetzt, nach Wochen, als erfolgreich an - jedenfalls größtenteils. "Ich hätte gern beim Eintrittsalter für den Vorruhestand noch mehr Jahrgänge drin gehabt." Aber die Liste, die er und sein Team im Vorfeld der Verhandlungen zusammengestellt habe, sei abgearbeitet. "Es gab keinen Punkt, der nicht besprochen wurde."

Ein Beispiel für andere?

Die Lösung bei der BAT stößt mittlerweile auch bei anderen auf Interesse. "Wir haben Anfragen von anderen Arbeitgebern, aber auch von anderen Gewerkschaften, die unsere Vereinbarung sehen wollen, als Beispiel, wie es gehen kann." Stolz ist er auf die soziale Komponente im Sozialplan: "Uns war es wichtig, dass es nicht nur nach Gehalt geht, sondern dass die Schwächeren, die Eltern mit Kindern, die Mitarbeiter mit Behinderungen nicht hinten runter fallen. Das ist uns gelungen."

Betriebsleiter Erik de Vries und Betriebsratsvorsitzender Walberer haben am Donnerstag BAT-Mitarbeiter geehrt, die seit 25 Jahren im Unternehmen sind - überschattet von der bevorstehenden Schließung. "In den 25 Jahren waren auch viele gute Zeiten dabei", sagte Walberer. "In diesem Jahr steht die Feier unter einem besonderen Stern. Und es fällt schwer, das wegzudenken. Man kennt die Sorgen und Nöte aller." Dass fast alle Jubilare der Einladung gefolgt waren, sei "eine tolle Sache."

Betriebsleiter Erik de Vries lobt die Leistung der BAT-Angestellten. "Es liegt nicht an den Mitarbeitern, dass Teile des Standorts schließen. Und Danke sagen muss man trotzdem." Er habe großen Respekt für die Leute, die trotz des absehbaren Endes bei der BAT noch gute Arbeit leisteten.