BAT-Aktionsplan: Freistaat will helfen

Dunkle Wolken über BAT sollen durch ein Strukturprogramm für den Wirtschaftsraum Bayreuth vertrieben werden. Das bayerische Kabinett hat jetzt Millionen für mehrere Projekte in Aussicht gestellt. Foto: Archiv/Peter Gisder

Die Ankündigung von British American Tobacco (BAT), das Bayreuther Werk zum großen Teil zu schließen und 950 der 1400 Arbeitsplätze zu verlagern, hat Bayreuth im vergangenen Jahr schwer getroffen. Das bayerische Kabinett hat am Dienstag beschlossen, den Aktionsplan zu unterstützen, der helfen soll, die Folgen für Bayreuth und die Region abzumildern. Befürwortet werde auch: das Millionenprojekt des Inkubators an der Uni Bayreuth.  Konkrete Zahlen allerdings nennt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner keine.

Wie es in einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums heißt, hatte Aigner im Ministerrat am Dienstag über den Aktionsplan berichtet. Der Ministerrat habe "generell zugestimmt", sagt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf Nachfrage unserer Zeitung. Es werde ein zweistelliger Millionenbetrag für die Strukturförderung in Aussicht gestellt, der jedoch noch über den Nachtragshaushalt angemeldet werden müsse.

Ein Leuchtturmprojekt

Eines der Leuchtturmprojekte, an dem jetzt weitergearbeitet werden kann: Der Inkubator an der Uni. Über dem Brutkasten, der die Gründerszene in Bayreuth stärken soll, brütet man schon seit mehr als zwei Jahren an der Bayreuther Universität. Als Stefan Leible 2013 Präsident der Uni wurde, hat er den Inkubator, den Brutkasten, als eines seiner Ziele ausgegeben.

Zwei Gebäude für die Innovation

Das sind seine Pläne: "Idealerweise bekommen wir zwei Gebäude: Eines auf dem Campus. Eines auf der anderen Straßenseite, auf dem Zapf-Gelände", sagt Leible am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Das auf dem Campus trägt den Arbeitstitel Institut für Entrepreurship und Innovation mit Innovationswerkstatt. Dort soll den Studierenden "unternehmerisches Denken und Handeln nahe gebracht werden". Sinnvoll wäre dafür ein zwei- bis dreigeschossiges Gebäude. "Mit Seminarräumen im Erdgeschoss, in der Mitte ein cooles Café, um eine hohe Anziehungskraft für Studierende und Mitarbeiter der Uni zu haben." In den Stockwerken darüber soll dann der eigentliche Inkubator sein, "der Sandkasten, in dem sich die Leute ausprobieren können". Dort sollen sich Teams finden können. "16 Räume sind geplant", sagt Leible.

Wechsel aus dem Gründerzentrum heraus

Nach zwölf Monaten müssen die Gründer raus aus dem Gebäude, "wechseln auf die anderen Straßenseite, wo sie sich weiter entwickeln sollen". Und zwar im Regionalen Innovationszentrum, das Leible mit RIZ abkürzt. Im oberen Stockwerk des Instituts auf dem Campus: die entsprechenden Professuren. "Für Entrepreneurship, Intrapreneurship und Social Entrepreneurship." Im Bereich Social Entrepreneurship könnte sich die Uni Bayreuth als erste deutsche Universität mit einer Professur positionieren. Dort soll vermittelt werden, "wie man soziale Arbeit effektiver und besser gestalten kann". Mit dem Thema Innovationswerkstatt wird vermehrt ein Ideen-, Wissens- und Technologietrasfer realisiert werden.

Das Gebäude, das Leible "das RIZ" nennt, ist Entwicklungszentrum für die jungen Unternehmer und im Idealfall Anlaufstelle für regionale Unternehmen, um sich mit den Gründern und Wissenschaftlern zu vernetzen. "An großen Universitäten gibt es das schon, dass Entwickler aus Unternehmen sich einen Monat rausziehen und mit Studenten arbeiten", sagt Leible. Mit positiven Effekten für beide Seiten.

Kein anderes Projekt mit so hoher Strahlkraft

Petra Beermann, die Leiterin der Stabsabteilung für Entrepreneurship und Innovation an der Uni, aus der das Institut erwachsen soll, sagt: "Mir fällt aktuell kein Projekt im Bereich der Wirtschaft ein, das eine derartige Strahlkraft für die Region hat." Dass jetzt mit dem in Aussicht gestellten Geld weiter geplant und konkretisiert werden könne, bedeute "eine Stärkung des Wirtschaftsraums Bayreuth. Weil es nachhaltig Arbeitsplätze sichert und neue Arbeitsplätze schaffen hilft". Im Oktober 2014, lange bevor die BAT den Wegzug aus Bayreuth bekanntgegeben hat, war die Stabsabteilung an der Uni verankert worden. Jetzt ist die Weiterentwicklung zum Institut auf dem Campus und zum Regionalen Innovationszentrum auf der andere Straßenseite "Teil des Aktionsplans, den es seit BAT gibt", wie Beermann sagt. "Was mich besonders gefreut hat, ist die Tatsache, dass die lokalen Landtagsabgeordneten das Projekt in München stark unterstützt haben." 

Baukosten rund 15,5 Millionen Euro

Beermann rechnet allein für die beiden Projekte mit Baukosten in Höhe von rund 15,5 Millionen Euro und jährlichen Personal- und Sachkosten im Bereich von rund 2,5 Millionen Euro. "Langfristig brauchen wir vor allem Personalressourcen. Denn das soll ja keine Eintagsfliege werden, sondern dauerhaft fliegen", sagt Beermann

Im Stadtrat hatte man über den Inkubator schon gestritten

 

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