Unteroffizier John Russell war in Bamberg beim 54. Pionier-Bataillon stationiert. Am Mittag des 11. Mai 2009 erschoss der 44-Jährige in Camp Liberty nahe dem Bagdader Flughafen fünf Kameraden – die bis dahin schlimmste Tat eines US-Soldaten im Irak gegen die eigene Truppe.In den jetzt durch Wikileaks bekannt gewordenen geheimen Militärdokumenten wird der Amoklauf lapidar unter der Rubrik „Sonstiges – Nicht-Kampf-Ereignis“ verzeichnet. Der Protokollant schreibt in seinem Report, Russell sei während eines Behandlungstermins in einem Kriegstraumazentrum „renitent“ geworden. Der Soldat habe „auf dem Parkplatz verbal darauf hingewiesen, dass er Selbstmord begehen werde.“ Die Militärpolizei habe Russell, der zur Sicherheit von einem Kameraden begleitet wurde, daraufhin zu seiner Einheit zurückgeschickt. Ein Fehler. Denn plötzlich, vermerkt das Protokoll, reißt Russell die Waffe seines Bewachers an sich, zwingt den Mann aus dem Fahrzeug und kehrt zum Kriegstraumazentrum in Camp Liberty („Camp Freiheit“) zurück.Dort erschießt er einen Major, einen Korvettenkapitän, einen Unteroffizier und zwei Gefreite. Sie werden regelrecht hingerichtet. Russell zielt auf die Köpfe seiner Opfer. Der Amokläufer litt offenbar unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom, wie viele andere US-Soldaten auch, die im Irak und in Afghanistan – als Täter und Opfer – schreckliche Dinge erlebt haben. Der Texaner war seit 15 Jahren bei der Armee, hatte Einsätze in Bosnien und im Kosovo mitgemacht. Im Irak war er dreimal im Kriegseinsatz. In Bamberg ist über den Amoklauf nichts bekannt. „Davon haben wir das erste Mal gehört“, hieß es im Rathaus. Auch Stadträte zeigten sich überrascht. Die US-Armee in der Stadt wollte keine Stellungnahme abgeben und verwies an das Europa-Hauptquartier in Heidelberg. In Bamberg sind derzeit rund 3500 US-Soldaten stationiert. Symbolbild: red