Bahnhofsfest in Asch Wunschliste zum Gedenken an den Freiheitszug

Das Bahnhofsfest in Asch bot nicht nur für Zug-Fans Attraktionen. Geschichtsforscher wollen international mehr zusammenarbeiten.

Asch/Selb - Genau 70 Jahre nach der Flucht tschechoslowakischer Regime-Gegner in einem gekaperten Personenzug nach Bayern haben Deutsche und Tschechen am Samstag am Bahnhof Asch ein Fest zum Gedenken an den Freiheitszug gefeiert. Die Fahrt in einem Dampfzug – wie in den ersten Nachkriegsjahren in der dritten Klasse auf Holzbänken – haben Hunderte von Fahrgästen, darunter viele Besucher aus Hochfranken, bei den drei Pendelfahrten erlebt.

Dass es sich mit der Lok 534.0323 um eine Güterzug-Dampflok und damit um eine andere Baureihe als beim Freiheitszug mit der 365.011 handelte, tat dem Spektakel keinen Abbruch. Ebenfalls dreimal pendelte der historische Dieseltriebwagen „Hurvinek“ zwischen Asch und Hranice (Roßbach), der mit seiner riesigen Wolke aus Abgasschwaden dem Dampf-Veteranen bei den Emissionen ordentlich Konkurrenz machte.

Der Schauspieler Philipp Schenker aus Prag moderierte die Podiumsdiskussionen, bei denen es nicht nur um den Freiheitszug ging, sondern auch um die immer stärkere Abriegelung der Grenze zu Bayern nach der kommunistischen Machtergreifung im Jahr 1948.

„Die Geschichte des Freiheitszuges ist ein Thriller, den man verfilmen sollte“, schlug Maria Hammerich-Maier vor. Die Übersetzerin und freie Mitarbeiterin tschechischer Radio-Sender erforscht seit sieben Jahren die Geschichte und Hintergründe zu diesem Thema. Die Wunschliste zum Gedenken an den Freiheitszug wurde am Samstag weitaus länger. Pavel Matala junior aus Asch hält es für angebracht, dass am Bahnhof seiner Heimatstadt ein Denkmal für diesen Zug errichtet wird.

Während Hammerich-Meier auf ihrer neuen Internet-Seite viele Informationen zum Thema aufbereitet hat, mussten zwei Experten aus Prag einräumen, dass es bislang weder in Tschechien noch in Deutschland ein Buch über den Freiheitszug gibt. An ihren Info-Ständen stellten Libor Svoboda vom Institut für die Erforschung totalitärer Regime und Vít Fojtek vom Museum für die Erinnerung an das 20. Jahrhundert dennoch unter Beweis, dass man die jüngere tschechische Geschichte intensiv aufarbeitet. Der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch und sein Kollege Dalibor Blažek aus Asch blickten auf die schwierige Zeit des geteilten Europas zurück und zeigten sich optimistisch, dass ihre Städte gute gemeinsame Zukunftsperspektiven haben. Pötzsch nannte vier Jahreszahlen als wichtige Meilensteine: 2014 sei der strategische Plan entstanden, Selb und Asch zu einer Europastadt weiterzuentwickeln. 2015 sei mit dem Bahnlückenschluss zwischen Asch und Selb-Plößberg die Strecke reaktiviert worden. 2017 habe das Landesentwicklungsprogramm Bayerns die Stadt Selb zusammen mit Asch als Oberzentrum aufgestuft. „Jetzt arbeiten wir auf 2023 hin“, sagte Pötzsch mit Blick auf die bayerisch-tschechischen Freundschaftswochen. - Lesen Sie dazu: "Die schwarze Lok mit dem roten Stern" >>>

 

Bilder