Bahnhof-Unterführung ist unzumutbar

Von Michael Grüner

Wer nicht Treppen steigen kann, der hat auf dem Pegnitzer Bahnhof verloren. Der kommt nicht von Gleis 1 nach Gleis 2, weil die Unterführung zum Hindernis wird. Wer mit der problematischen Situation nicht klar kommt, muss erst nach Bayreuth fahren, obwohl er vielleicht nach Nürnberg möchte. Bahnanekdote aus dem 19. Jahrhundert? Nein. Das ist Bahnrealität im Jahr 2016.

Den Abgeordneten der Region und der Kommune platzt allmählich der Kragen. Seit Jahren wird der barrierefreie Zugang des Bahnhofs gefordert. Aber immer wieder schieben sich Bahn, Bund und Freistaat den Schwarzen Peter gegenseitig zu. Zu lange, wie jetzt der örtliche CSU-Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk meint. „Seit mehr als fünf Jahren engagiere ich mich für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Pegnitz.“ Und er kommt zu der Auffassung: Bahn und Bund treiben das Vorhaben nicht „mit dem gebotenen Umsetzungswillen voran“.

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Ohne erkennbares Ergebnis

Und Koschyk legt nach: Der derzeitige Unterführung am Bahnhof in Pegnitz sei für Bahnkunden „absolut unzumutbar“. Briefe sind in der Sache schon viele geschrieben worden. Von Bürgermeister Uwe Raab, von ohne erkennbares Ergebnis. Der Bayreuther Abgeordnete und seine CSU-Landtagskollegin Gudrun Brendel-Fischer wollen Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, des Bayerischen Innenministeriums und den Bahn zum Ortstermin auf den Pegnitzer Bahnsteig holen.

Keinen Schritt vorangekommen

Dabei sein werden auch Vertreter der Stadt, die bisher auch keinen Schritt vorangekommen ist. Bürgermeister Uwe Raab zeigt sich vor allem darüber irritiert, dass die Bahn bisher nichts unternommen hat, obwohl mehr als 4000 Ein- und Ausstiege, die in Pegnitz täglich gezählt werden, längst ein Handeln erforderlich machen.

Konstruktive Diskussion

Ziel beim Ortstermin ist für Koschyk eine konstruktive Diskussion und eine zeitnahe Lösung der misslichen Situation am Pegnitzer Bahnhof. Und dabei soll mit offenen Karten gespielt werden. In der Abgeschiedenheit des Bahnhofs und ohne Medien. Sonst könnte passieren, dass der eine oder andere Gesprächsteilnehmer gar nicht erst anreist, befürchtet man im Büro des Abgeordneten Koschyk. Deshalb auch die Zurückhaltung mit der Verkündung eines Termins.

Höchste Priorität

Das Ergebnis soll publik gemacht werden, wenn eine Sprachregelung unter den Beteiligten getroffen worden sei. Für die Stadt selbst hat eine Entscheidung höchste Priorität, sind doch mit dem Bahnhof noch weit mehr Projekte verknüpft, für die auch schon Fördermittel abrufbar wären. Wenn nur endlich Bewegung in die Sache käme. Da ist das Bahnhofsumfeld, das die Bahnreisenden nicht sonderlich würdig empfängt. Da sind die Pläne zur Anbindung an die Innenstadt. „Wir könnten uns als eine der Varianten auch einen Durchstich der Unterführung in Richtung Freizeitpark vorstellen“, sagte Bürgermeister Raab erst dieser Tage gegenüber der Redaktion. Und dann ist da ja noch der städtebauliche Ideenwettbewerb, der Ideen bringen soll, wie der Bereich zwischen Bahnhof und Innenstadt aufgewertet werden kann.

Vertrag mit dem Investor abgelaufen

Gerade dieser Aspekt ist aktueller denn je, nachdem zum 1. November der städtebauliche Vertrag mit dem Investor Sontowsky & Partner abgelaufen ist, der auf dem Pep-Gelände eine Einkaufsmeile vorsah. Im Hintergrund laufen hier im Moment Gespräche über mögliche neue Nutzungsmöglichkeiten und den dazugehörigen Grunderwerb. Am Thema Bahnhof hängt auch, wie die Nachfolgenutzung des ehemaligen Baywa-Geländes aussehen könnte. Fast 450 000 Euro aus dem Städtebauförderungsprogramm hat die Regierung der Stadt Pegnitz bereits bewilligt, da die Kommune, wie mehrfach berichtet, auch das Bahnhofsgebäude selbst und Flächen im Umfeld der Bahn kaufen möchte.

Auch hier herrscht lähmender Stillstand, eine „Hängepartie“, wie es Raab formuliert. Hinsichtlich des Kaufs bemühe sich die Stadt seit vielen Monaten um einen Gesprächstermin. Der Grund: Zum ursprünglichen Angebot der Bahn habe es inzwischen widersprüchliche Aussagen gegeben, die wiederum unkonkret revidiert worden seien. Und nicht zuletzt ist das Thema Bahnhof eines der drei Projekte, die über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) erfolgreich waren. Die Bewerbung lief, wie berichtet, über den Entwicklungsraum A 9 mit Pegnitz als Leitkommune.

Bürgermeister Raab: „Neben den über 4000 Ein- und Ausstiegen wird auch mit dieser erfolgreichen Teilnahme beim Efre-Auswahlverfahren eindrucksvoll die regionale Bedeutung des Pegnitzer Bahnhofs dokumentiert.“ Und: Die hohe Frequenz des Bahnhofs werde durch die Ansiedlung der Fachhochschule für Justiz noch steigen.