Bäume in Gefahr Klimabeirat fühlt sich ausgegrenzt

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Der Klimabeirat der Stadt Bayreuth würde sich gerne einbringen in die Diskussion um die Fällung von zahlreichen Bäumen auf dem Gelände der früheren Bundesbankfiliale. Doch die Verwaltung bremst die Beiräte aus. Sie seien laut Satzung nicht zuständig.

Würden sich gerne mit ihrem Fachwissen in die Causa Baumfällung auf dem Gelände der ehemaligen Bundesbankfiliale einbringen (von links): Die Naturschutzbeiräte Peter Ille, Ulrich Meve, Johannes Lüers, Andreas von Heßberg und Pedro Gerstberger. Foto: Gunter Becker

Ist die Fällung von Bäumen im Stadtgebiet ein Thema für den Naturschutzbeirat der Stadt? Pedro Gerstberger sagt ja, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger ist gegenteiliger Meinung. Er hat einen von Gerstberger und weiteren Mitgliedern des Naturschutzbeirates unterschriebenen Antrag abgelehnt. Ihr Anliegen: Sie wollen involviert werden in die Causa Bundesbankfiliale an der Rosestraße. Auf dem dortigen Gelände sollen, wie diese Zeitung mehrmals berichtet hat, Bäume gefällt werden, um Drainagerohre reparieren zu können. Bäume, die unter die städtische Baumschutzverordnung fallen.

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Großes Aufgabengebiet

Das Aufgabengebiet des Naturschutzbeirates ist groß. Seine Mitglieder beraten in Angelegenheiten wie Bebauungsplan- und Planfeststellungsverfahren, bei Umweltverträglichkeitsprüfungen, im Bereich Landschaftsschutz und Naturdenkmäler. Sie sind allesamt Fachleute auf ihrem Gebiet. Dem Gremium gehören an die Wissenschaftler Pedro Gerstberger, Andreas von Heßberg, Ulrich Meve und Johannes Lüers, der auch die Leitung der Geschäftsstelle der Kreisgruppe Bayreuth im Bund Naturschutz inne hat sowie sein Vorgänger in dieser Funktion Peter Ille. Ob auch das Thema Baumschutzverordnung in das Aufgabengebiet des Beirates gehört – darüber sind Stadt und Beirat geteilter Meinung. „Bei ähnlichen Vorhaben wie der geplanten Fällung von Bäumen auf dem Gelände der ehemaligen Bundesbankfiliale wurde der Naturschutzbeirat der Stadt vorher zur Stellungnahme involviert“, sagt Gerstberger. „Manchmal sogar bei einem einzigen Baum.“ In diesem Fall sei dies nicht passiert. Darüber sind Gerstberger und seine Beiratskollegen sehr verwundert. Immerhin soll es sich um 30 Bäume handeln, die von der Fällung bedroht seien, obwohl sie unter die Baumschutzverordnung fallen.

Kein Beteiligungsrecht

Die Stadtverwaltung sieht es anders. Eine Anfrage dieser Zeitung, warum denn das Fachwissen des Naturschutzbeirates in diesem Fall nicht gefragt sei, beantwortete Pressesprecher Joachim Oppold folgendermaßen: „Das Beteiligungsrecht des Naturschutzbeirats ist in der Verordnung über die Naturschutzbeiräte in Bayern klar geregelt. Anträge auf Baumfällungen gehören nicht dazu, sie sind eine Angelegenheit der laufenden Verwaltung. Da kein Beteiligungsrecht vorliegt, wurde der Naturschutzbeirat auch nicht eingebunden.“

„Rundweg abgelehnt“

Für Gerstberger und seine Beiratskollegen geht es aber um mehr als nur die Wahrung der Baumschutzverordnung. „Im Zuge der voranschreitenden Klimakrise und der vor allem im Stadtteil St. Georgen nachgewiesenen thermischen Überhitzung sollte die Fällung zahlreicher Großbäume zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde geprüft und beurteilt werden“, sagt Gerstberger. Der Antrag auf Einberufung des Beirates sei aber von Oberbürgermeister Ebersberger „rundweg abgelehnt“ worden. Eine Entscheidung, mit der der Naturschutzbeirat jedoch nicht einverstanden sei. Und aus Protest vor das Gebäude der ehemaligen Bundesbank zog, um seinen Unmut zu demonstrieren.

Unabhängiges Gutachten

Dort versammelt verwiesen die Beiräte zusammen mit Nachbar Bastian Priemer, der 671 Unterschriften für den Erhalt der Bäume gesammelt hat, auf die Bedeutung der Bäume und Sträucher für das Klima des Stadtteils. „Bäume sind für ein gutes Stadtklima unerlässlich“, waren sich die Beiräte einig. Insbesondere in der gegenwärtigen Situation einer massiven Klimaerwärmung. Deshalb sei es nicht akzeptabel, dass Bäume für eine Baumaßnahme gefällt werden sollen. Ihre Forderung: Die Stadtverwaltung soll darauf drängen, dass ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben werde. Es gebe bestimmt alternative Möglichkeiten, die beschädigten Rohre zu sanieren, falls notwendig, ist sich Lüers sicher. Und Ille fordert, erst den genauen Verlauf der Kanalrohre zu ermitteln, bevor die Sanierungsarbeiten beginnen. Und eine zweite Frage sei noch nicht endgültig geklärt: Die der Anzahl der Bäume, die von der Fällung bedroht seien. Sind es 35, wie vom Eigentümer beantragt, oder nur 16, wie Oberbürgermeister Ebersberger meint.

Prüfungen laufen noch

Der Antrag des Eigentümers auf Fällung der Bäume ist noch nicht entschieden, schreibt Pressesprecher Oppold. Die Prüfungen liefen unverändert. Die Stadt sei weiterhin der Auffassung ist, dass es eine andere Lösung zur Sanierung der schadhaften Drainage-Kanalisation als die beantragten Fällungen geben könne. Daher sei derzeit noch völlig offen, wie über den Antrag entschieden werde. Oppold: „Es werden alternative Lösungen geprüft und favorisiert.“ Vielleicht kann ja das Fachwissen der Mitglieder des Naturschutzbeirates bei der Lösungssuche hilfreich sein. Gerstberger und seine Kollegen sind jedenfalls jederzeit bereit sich einzubringen. Man müsse nur eine Sitzung einberufen.