Bad Berneck braucht eine Kur

Von Ulrike Sommerer

Wie ein Bus aus den 1950er Jahren sieht das Solarmobil aus, das die vielen Gäste vom Anger aus in die Oberstadt transportiert. Dort flanieren Damen in viktorianischen Kostümen, auf den breiten, kunstvoll gestalteten Brücken tafeln Gäste aus aller Welt. Sie kommen, um das unverwechselbar historische Ambiente der Stadt zu genießen. Im Kurpark spielen Kinder am Sandstrand. Das Leben findet am Fluss statt. Zukunftsmusik für Bad Berneck. Jetzt müsste man nur noch wissen, woher das Geld kommt, um sie umzusetzen.

Die Künstlerinnen Silka Gebhardt (links) und Annette Hähnlein setzen aufs Wasser, um Bad Berneck zu beleben. Der Zugang zur Ölschnitz und zum Main müsse wieder möglich sein, Leben sollte am und auf dem Fluss statt finden, die vielen Brücken der Stadt müssten künstlerisch gestaltet werden. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Es gibt Förderprogramme, deutet Sabine Gollner an und sagt auch gleich, dass man sich bei dem ein oder anderem Förderprogramm etwas beeilen müsse. Aber mit dem Tempo hat man in Bad Berneck gerade kein Problem. Die, die an der Entwicklung der Stadt arbeiten, geben Gas. Jetzt wurden gerade zwei Künstlerinnen beauftragt, ihre Sicht auf die Stadt sichtbar zu machen. Silka Gebhardt aus Weißenbach bei Wirsberg und Annette Hähnlein aus Bibersbach im Landkreis Wunsiedel sehen in Bad Berneck vor allem das Wasser. Das sieht, wer im Moment nach Bad Berneck kommt, kaum einer. Der Zugang zum Wasser ist meist verbaut. Das soll sich, wenn es nach den Künstlerinnen geht, ändern. Die Brücken, die es gibt, müssten künstlerisch gestaltet werden. Anlässlich des Tags der Städtebauförderung wurden die Ideen der Künstler und Stadtplaner präsentiert. Ein erster Zwischenbericht, der hoffnungsfroh stimmt.

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Wenn nur das Geld nicht wäre. Bürgermeister Jürgen Zinnert hört sich schweigend an, was Künstler und Planer für Ideen entwickeln. Viele und viele gute. Doch Bad Berneck ist eine Stabilisierungskommune. Ein Totschlag-Argument, wenn es darum geht, etwas finanzieren zu wollen, gibt auch Günther Neuberger, zuständiger Referent für die Städtebauförderung bei der Regierung, zu.  "Es müsste aber mit dem Teufel zugehen, wenn wir das nicht hinkriegen", schließlich dienen diese Anstrengungen ja auch der Konsolidierung einer Kommune.

Und nicht immer müssten es große Summen sein, um eine Stadt aufzuhübschen, so Sabine Gollner. Manchmal reiche auch etwas Farbe. Mit der müsste man Schönes betonen, das lenkt von den Unzulänglichkeiten schon einmal ab.

Weitere Ideen:

Generationen zusammen bringen: Bad Berneck braucht ein Mehrgenerationenhaus, bestenfalls am "Gelenk" der Stadt, dem Teil zwischen Blumenau und Oberstadt. Konkrete Überlegungen werden gerade angestellt, ob sich die ehemaligen Kutscherstuben dahingehend nutzen lassen könnten.

Am Wasser leben: Der Main und die Ölschnitz sollen zugänglicher werden, Brücken könnten verbreitert werden, damit man dort auch sitzen könnte.

Schöner ankommen: Der Ortseingang muss neu definiert werden, dazu sollte ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden. Denkbar wäre hier ein Skaterpark. Oder ein Brückenrestaurant. Oder eine Art Einkaufszentrum für Kunsthandwerk aus dem Fichtelgebirge.

Weg mit dem Gestank: In der Oberstadt könnte am Kirchenring ein Haus für Infrastruktur entstehen, in dem unter anderem Mülleimer untergebracht werden können. Denn die stünden in den schönen Gassen der Oberstadt nur im Weg und stinken.

Vergangenheit leben: Traditionen müssten wieder erlebbar werden: Früher pflanzten Brautpaare Flieder auf den so genannten Fliederberg, hat Annette Hähnlein herausgefunden. Warum nicht diese Traditionen und Geschichten wieder aufleben lassen, ein Bewusstsein dafür schaffen und damit werben?

"Bad Berneck hat so viele Leute geheilt, jetzt ist Zeit, dass sich die Stadt selbst heilt. Bad Berneck braucht eine Kur", sagt Sabine Gollner. Wer mit älteren Menschen über Bad Bernecks Vergangenheit spricht, sagt Sabine Gollner, hört, wie mondän es hier gewesen sei, wie elegant, wie stolz. Da will man wieder hin. Vorwärts in die Vergangenheit.

Wer sich von den Ideen für Bad Berneck inspirieren lassen oder sie in Gänze kennenlernen möchte, kann dies am Dienstag, 24. Mai, von 10 bis 12 und vom 14 bis 16 Uhr in der Bürgerwerkstatt.