Bad Alexandersbad Kaum Rückhalt für die Bürgermeisterin

Christian Schilling
Weit über 60 Bürger aus Bad Alexandersbad waren am Dienstag zur Bürgersprechstunde in den großen Sitzungssaal der Unternehmensgruppe Helfrecht gekommen. Foto:  

Anita Berek steht bei einem Bürgergespräch im Zentrum der Kritik. Von mehreren Seiten wird ihr dabei mangelnde Kommunikation in der Kurgemeinde vorgeworfen.

In der Kurgemeinde Bad Alexandersbad herrscht seit über einem Jahr Eiszeit zwischen Bürgermeisterin Anita Berek und großen Teilen des Gemeinderats. Das von den Bürgermeistern anberaumte Bürgergespräch am Dienstag im großen Sitzungssaal der Unternehmensgruppe Helfrecht sollte eigentlich die Wogen glätten, hat aber gezeigt, dass die Rathauschefin auch in der Bürgerschaft kaum noch Rückhalt hat. Die Situation im kleinsten Kurort Bayerns scheint auch nach diesem Abend komplett verfahren.

Weit über 60 Bürgerinnen und Bürger waren am Dienstag der Einladung zum Bürgergespräch gefolgt, mit wahrscheinlich ebenso vielen Fragen im Gepäck. Viele der Fragen blieben allerdings ungestellt. Denn nach mehr als zweieinhalb Stunden brach Moderator Dr. Joachim Twisselmann die Diskussion, die sich zuletzt mehr oder weniger im Kreis drehte, ab.

Bürgermeisterin Berek schickte voraus, dass sie bemerkt habe, dass sich manche Einwohner des Ortes aus Angst vor Diffamierung nicht mehr trauen, offen zu sprechen. Deshalb sei das Bürgergespräch einberufen worden, aus dem sie Anregungen und Ideen mitnehmen wolle. Dies aber auf Basis einer konstruktiven Diskussion und einer angemessenen Diskussionskultur.

„Seit langem schlechte Stimmung im Kurort“

Zweiter Bürgermeister Ronald Ledermüller entgegnete, dass es für den Führungsstil der Rathauschefin bezeichnend sei, dass es erst einen Anstoß des Gemeinderates zu diesem Bürgergespräch gebraucht habe, um sich mit ihr auseinanderzusetzen. Und dies, obwohl seit langem eine schlechte Stimmung im Kurort herrsche. So seien im vergangenen Jahr trotz Coronapandemie viele Vereinsveranstaltungen durchgeführt worden. „Wo war dort die Bürgermeisterin?“, stellte Ledermüller in den Raum. Bad Alexandersbad habe Chancen wie seit langem nicht mehr, dazu müsse man aber Partner finden, um eine Lösung für die finanzielle Misere zu finden. Seien diese gefunden, müsse die Gemeinde ihre Hausaufgaben erledigen. Es gebe aber auch Dinge, „die nur die Bürgermeisterin entscheiden kann“, so Ledermüller.

Zweiter Bürgermeister Michael Galimbis wies darauf hin, dass die Gemeinde seit Anfang Januar den Auftrag habe, ein Konzept für die Gemeinde und ihre Betriebe zu erarbeiten. Nun sei es Mitte Juni, und ein Konzept sei nicht in Sicht.

Landrat Peter Berek ergriff das Wort und betonte, dass er als Bürger der Gemeinde und als ehemaliger Bürgermeister hier sei. Er appellierte, wie zu seiner Amtszeit, die enge Beziehung zwischen Kirchen, Bürgern, Betrieben und Vereinen aufrechtzuerhalten. Dies sei auch Aufgabe der Bürgermeisterin. Peter Berek stand zu manchen Gegebenheiten zwar kurz Rede und Antwort, hielt sich im Großen und Ganzen jedoch zurück.

Vertrauliche Personalfragen

Die Bürger beschäftigte vor allem, wie aus manchen Fragen hervorging, die Fluktuation von qualifizierten Mitarbeitern und die Nachbesetzung von deren Stellen. Anita Berek bat um Verständnis, dass Personalfragen vertraulich seien. Sie habe aber alles erdenklich Mögliche getan, um die Angestellten zu halten. Zudem hätten auch in anderen Gemeinden in Zeiten der Pandemie viele Mitarbeiter den Arbeitsplatz gewechselt. 16 bis 18 Personen in teils führenden Positionen seien mehr als anderswo üblich, merkte Sigurd Strobel an.

Kritik an mangelnder Kommunikation kam vor allem auch von den Vermietern von Zimmern und Ferienwohnungen – in Person von Christine und Steffen Popp sowie Petra Meier. Vermieter würden keine Informationen von der Gemeinde erhalten. So standen Touristen laut Steffen vermehrt vor verschlossenen Türen des Alexbades. Diese Besucher würden in Zukunft den Ort meiden, auch weil es Schwierigkeiten mit der Ausgabe der Kurkarten gebe. „Ich habe das Gefühl, sie nehmen die Probleme nicht wahr“, sagte Christine Popp an die Bürgermeisterin gewandt. Und Petra Meier ergänzte: „Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll, wenn ich ein Problem habe.“ Seitens der Gemeinde würden auf Anfragen keine Rückmeldungen kommen. Auch vermisse sie eine Kommunikationsquelle für die Touristen. Facebook allein sei für sie keine Option.

Gründe für die mangelnde Kommunikation

Bürgermeisterin Berek begründete den Mangel an Kommunikation mit krankheits- und coronabedingtem Personalmangel und den Stellenabbau durch die finanzielle Lage der Gemeinde. Unzufrieden zeigten sich auch einige Arbeitgeber. „Mich beschäftigt die kommunikative Lähmung, die sich seit zwei Jahren wie Mehltau über die Gemeinde gelegt hat“, sagte Andreas Beneker, Leiter des Evangelischen Bildungszentrums (EBZ). Es helfe nicht, wenn das Gemeindeoberhaupt die Probleme am Detail wegerkläre. „Die Arbeitgeber wissen nicht, woran sie sind, weil sie keine Antworten bekommen.“ Barbara Twisselmann betonte, sie habe von Anita Berek nach ersten Gesprächen einen guten Eindruck gehabt. Sie vermisse aber die „persönliche Gesprächsaufnahme mit Menschen, mit denen Sie unter einem Dach arbeiten“.

Auch die Vereine der Kurgemeinde fühlen sich nicht mitgenommen, wie Hans Galimbis deutlich machte. Er engagiere sich seit über 40 Jahren in verschiedenen Vereinen. Nun nur noch im Förderverein Historisches Badehaus. Die Vereine, die viele freiwillige Aufgaben der Gemeinde übernähmen, würden sich links liegen gelassen fühlen. Zuletzt bei der Einweihung der Goethe-Statue, als die Mitglieder des Badehausvereins zur Einweihung keine Einladungen erhalten hätten. Und das, obwohl der Verein das Defizit übernommen habe. Sie müsse sich als Bürgermeisterin die Frage stellen, warum sie bei den Institutionen und Vereinen im Ort nicht mehr gern gesehen ist.

Mit monatlichen Treffen, einer Klausursitzung des Gemeinderats und Gesprächen wolle sie die Kommunikation in Zukunft verbessern, versicherte Bürgermeisterin Berek.

Auf einen guten Nenner brachte es Andreas Bäcker, Einwohner und Geschäftsführer der Bergwacht Fichtelgebirge: Gemeinderat und Bürgermeisterin sollten zu HelfRecht, dem Hausherrn des Bürgergesprächs, gehen und sich eine professionelle Analyse anfertigen lassen.

 

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