Autozulieferer Dr. Schneider spürt den Marktdruck

Der Autozulieferer Dr. Schneider hat 2018 einen Umsatz von 548 Millionen Euro erwirtschaftet. Foto: Dr.-Schneider-Gruppe

KRONACH/NEUSES. Der schwierige Automarkt drückt auch auf die Geschäfte des Zulieferers Dr. Schneider in Kronach-Neuses. Zwar stieg der Umsatz 2018 um mehr als sechs Prozent auf 548 Millionen Euro. Aber mit dem Ergebnis sei man nicht zufrieden, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Wilhelm Wirth bei der Jahrespressekonferenz in Neuses. Einen weiteren Personalabbau soll es nicht geben.

Das Ergebnis lag „unter den planerischen Erwartungen“, sagte Wirth. Die rückläufige Autokonjunktur habe die zweite Jahreshälfte 2018 negativ beeinflusst. „Die Abrufe sind Stück für Stück zerbröselt.“ Auch hätten hohe Kosten bei Neuanläufen das Ergebnis geschmälert. Auf Nachfrage bestätigte Wirth, dass es im Werk Tschirn noch bis Juni Kurzarbeit geben werde. 

Kein weiterer Personalabbau

Nach Angaben von Thomas Stadelmann, dem neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung, ist gegenwärtig kein weiterer Personalabbau geplant. Wegen des schleppenden Geschäfts hatte Dr. Schneider im Frühjahr den Abbau von 60 Stellen bekannt gegeben. Das Unternehmen beschäftigt aktuell über 4000 Mitarbeiter, davon knapp die Hälfte in Deutschland (Neuses, Tschirn, Judenbach/Thüringen). Werke gibt es auch in Spanien, Polen, den USA und China. 

Der Zulieferer verkauft Belüftungssysteme (Ausströmer), Dekorblenden, Verkleidungen, Anbauteile, Ablagesysteme und Mittelkonsolen und investierte im letzten Jahr 54 Millionen Euro in neue Produktionstechnik und Gebäude.

70 Prozent des Geldes wurden am Stammsitz in Neuses investiert, vor allem in ein neues Technologie- und Prozesscenter, das nach eineinhalb Jahren Bauzeit in den nächsten Wochen fertig sein soll. Damit will das Unternehmen die eigene Wertschöpfung im Werkzeug- und Vorrichtungsbau steigern, betonte Stadelmann. Für das laufende Jahr sind fast 64 Millionen an Investitionen vorgesehen. Ein dicker Brocken davon geht an SAP für eine neue Cloud-Lösung. 

Dr. Schneider beliefert die meisten Autobauer. Nicht zum Kundenkreis zählen chinesische Hersteller, Toyota, Hyundai, Kia und die PSA-Gruppe mit Ausnahme von Opel. „Der Markt ist und bleibt schwierig“, sagte Wirth, der für 2019 von einem leicht steigenden Umsatz ausgeht. Gewinnzahlen nannte Wirth nicht, nur so viel: „Die Ebit-Margen müssen immer zweistellig sein.“ Ebit ist das Kürzel für Gewinn vor Zinsen und Steuern. 

Parag Shah, der zum 1. März von Stadelmann im Vorsitz der Geschäftsführung abgelöst wurde und nun als Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing verantwortlich zeichnet, wies auf die neuen Anforderungen der Branche hin. 

Rollendes Smartphone

Bislang wurden Autos meist schöner, schneller, teurer und hatten mehr PS. Jetzt richte sich das Augenmerk auf Klimawandel, Umweltschutz, Rohstoffverbrauch, Verkehrssicherheit. Das Auto werde mehr und mehr zum rollenden Smartphone. 

Für Shah gewinnt auch das Thema Luftreinheit im Innenraum an Relevanz, vor allem in Asien. Hier will Dr. Schneider mit seinem neuen Klimakonzept „Clean Air“ punkten, das flüchtige chemische Verbindungen, Pollen, Allergene, Viren, Bakterien und Geruchsstoffe neutralisieren soll. Shah kann sich vorstellen, dass er über dieses neue Angebot auch mit dem einen oder anderen Hersteller in China ins Geschäft kommt. 

„Wir werden Dr. Schneider wieder in die Erfolgsspur bringen“, gab sich Geschäftsführungsvorsitzender Stadelmann sicher. Er will den Zulieferer robuster und sicherer aufstellen und die mehr als 4000 Arbeitsplätze weltweit sichern. Ergebnis und Eigenkapital sollen sich den nächsten Jahren stabil fortentwickeln. 

 

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