Australien Sydneys Oper wird 50

Barbara Barkhausen
Das Opernhaus von Sydney ist eines der markanten und berühmten Gebäude des 20. Jahrhunderts und das Wahrzeichen von Sydney. Foto: imago/Paul Braven

Am Anfang ungeliebt und verspottet: Heute ist die Oper eines der berühmtesten und meistfotografierten Bauwerke der Neuzeit – so australisch wie Kängurus und der Ayers Rock.

Die weißen Dächer der Oper in Sydney sind zu einem Sinnbild der Stadt geworden wie der Eiffelturm für Paris oder der Big Ben für London. Dieses Jahr feiert die Oper nun ihren 50. Geburtstag – mit einer Party, die das ganze Jahr ausfüllen soll. Dabei waren die Anfänge der kulturellen Institution alles andere als rühmlich.

„Das Opernhaus existiert, weil ein paar mutige Menschen es gewagt haben, anders zu denken“, heißt es heute vonseiten der Kreativköpfe, die hinter der Oper Sydneys stehen. „Sie machten das Unmögliche möglich und inspirierten eine Nation.“

Heute ist die Oper eines der berühmtesten und meistfotografierten Bauwerke der Neuzeit. In diesem Jahr wird das Wahrzeichen Sydneys nun 50 Jahre alt. Dafür hat das Opernhaus ein spezielles Programm mit 200 unterschiedlichen Angeboten zusammengestellt, die noch bis Oktober die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Weltkulturerbes feiern sollen.

Der Architekt musste Australien verlassen

2003 hat ihr Architekt, der Däne Jörn Utzon, den wichtigsten Architekturpreis, den Pritzker-Preis, dafür gewonnen. Doch seine Ideen – inspiriert von der monumentalen Architektur der Maya und Azteken– kamen nicht von Anfang an gut an. Im Jahr 1966 – inmitten der Bauarbeiten – hatte der junge Architekt vor den Trümmern seiner Karriere gestanden. Die Oper war halb vollendet, als Utzon Australien verließ oder, besser gesagt, verlassen musste. Verschwendung und zu viele Verzögerungen hatte ihm die damalige australische Regierung vorgeworfen und seine Kündigung nur liebend gerne angenommen.

Doch Utzons Rückzug löste einen internationalen Aufschrei aus: Es gab Protestbriefe von bedeutenden Künstlern, Designern und Intellektuellen aus der ganzen Welt. Am 3. März 1966 marschierten sogar tausend Menschen zum Regionalparlament in Sydney, angeführt von dem österreichisch-australischen Architekten Harry Seidler und dem britisch-australischen Autor Patrick White.

Queen Elizabeth II. eröffnete persönlich die Oper

Utzon, dessen Entwurf den internationalen Designwettbewerb zehn Jahre zuvor aus insgesamt 233 Einsendungen gewonnen hatte, hat die Oper letztendlich nie in vollendetem Zustand gesehen. Am 20. Oktober 1973, als die britische Königin Elizabeth II. in ihrer Rolle als Staatsoberhaupt Australiens die Oper offiziell eröffnete, stand der Architekt nicht einmal mit auf der Gästeliste. Kritiker hatten den Bau wegen der haubenförmigen Dächer einst als „Gruppe französischer Nonnen beim Fußballspiel“ verspottet. Dass das Gebäude später Weltkulturerbe und eines der berühmtesten Bauwerke der Welt werden würde, konnten sich damals viele überhaupt nicht vorstellen.

Die Kontroverse wurde sicherlich auch davon angefeuert, dass das Gebäude von der Konzeption bis zur Fertigstellung die Grenzen von Technik, Konstruktion und Design testete. Doch genau das mache das Opernhaus bis heute „unübertroffen“, wie der deutsch-australische Architekt Chris Bosse sagt, der unter anderem häufig auch in Sydney tätig ist. „Es gibt spektakulärere oder teurere Gebäude, aber es gibt kein öffentliches Gebäude mit so einer starken Ausdruckskraft, skulpturalen Präsenz und urbanen Qualität.“

Versöhnung mit dem Architekten

Letzteres erkannten auch die Australier irgendwann und versöhnten sich wieder mit Utzon – allerdings erst Jahrzehnte später um die Jahrtausendwende. Die Versöhnungsgeste war Australien letztendlich rund 70 Millionen Australische Dollar, umgerechnet fast 45 Millionen Euro, wert. Sie erlaubte dem Dänen, die Oper gemäß seinen Designprinzipien umzugestalten, zu verbessern und aufzupolieren.

Utzon konnte vollenden, was er einst begonnen hatte, auch wenn er – inzwischen aus Gesundheitsgründen – nicht mehr nach Australien kommen konnte. Doch er arbeitete wieder an ihr – er habe dieses Gebäude „wie eine Symphonie“ in seinem Kopf, sagte er damals in einem Interview.

Federführend wurde schließlich sein Sohn Jan, der zusammen mit dem australischen Architekten Richard Johnson die Wünsche des Vaters zur Vollendung brachte: Der Operngraben wurde umgebaut, das Auditorium verändert, die Akustik verbessert, der Zugang durch Rolltreppen erleichtert und das westliche Areal geöffnet. So sollte die Symmetrie des Gebäudes besser zur Geltung kommen. Für den Vater war es so etwas wie eine nachträgliche Bestätigung, für den Sohn ein Auftrag, wie er ihn sich nur wünschen konnte.

Beliebtes Touristenziel

Welterbe
 Heute ist das Opernhaus von Sydney eine der beliebtesten Touristenattraktionen und neben der Hafenbrücke und zusammen mit dem Uluru (Ayers Rock) das Wahrzeichen Australiens. Seit dem Jahr 2007 ist es in der Liste des Unesco-Welterbes.

Kulturzentrum
Das Sydney Opera House ist eines der größten Kulturzentren der Welt. Es finden jährlich etwa 2500 Aufführungen und Veranstaltungen mit etwa vier Millionen Besuchern statt. Das Opernhaus enthält fünf Theater mit insgesamt 5541 Sitzplätzen.

 

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