Die Schau führt in eine Zeit, die man oft mit Namen von Künstlern wie etwa Beckmann, Dix oder Grosz in Verbindung bringt. Karl Hubbuch erlangte in der Öffentlichkeit nicht diesen Bekanntheitsgrad. Insofern gibt es in den Räumen im Kunstmuseum viel weithin Unbekanntes zu entdecken.

Beim Gang durch die Ausstellung entdeckt man Expressionistisches, Abstraktes, Sachliches aber auch Surreales. Und vor allem: viele Gesichter.

„Es geht um das Menschenbild“, sagt Museumsleiterin Marina von Assel. Die Körperhaltung. Den Gesichtsausdruck. Es geht um den Blick unter die Maske. Was drücken die Menschen, jenseits dessen, was sie sagen, aus? Wie gehen sie miteinander um?

Man stößt auf tiefblickende Charakterstudien, wie etwa in dem Aquarell „Sie wohnen im gleichen Haus“, in dem alles andere als die Schönheit dreier Damen hervorgehoben wird. Man sieht hier keine präparierten Instagram-Gesichter. Sondern das exakte Gegenteil. Schonungslos und oft wenig schmeichelhaft.

Bisweilen werden in den Arbeiten verschiedene Ebenen übereinander geblendet. So kann fast so etwas wie ein filmischer Effekt entstehen, wie etwa in der Zeichnung „Vor dem Dante-Plakat in Rom“, durch das mit wenigen Strichen gezeichnete Geistliche hindurchzupromenieren scheinen.

Eines der wesentlichen Anliegen Karl Hubbuchs umschreibt Marina von Assel so: „Mit der Lupe auf die Gesellschaft schauen.“

Eine Lupe muss man beim Rundgang durch die Museumsräume nicht dabeihaben. Besser wäre: viel Zeit.


1991 gründete das Ehepaar Dr. Helmut und Constanze Meyer ihre Kunststiftung, der 1999 die Eröffnung des Bayreuther Kunstmuseums folgte. Im Museum bilden Zeichnungen und Grafiken Karl Hubbuchs einen besonderen Schwerpunkt. Zum 100. Geburtstag von Constanze Meyer zeigt das Kunstmuseum Bayreuth nun eine Ausstellung mit Werken von Karl Hubbuch und Weggefährten. Die Ausstellung ist bis 21. Februar zu sehen.