Chemische Goldlöckchenzone
Die Forscher konnten in zahlreichen Modellierungen zeigen, dass nur in einem erstaunlich schmalen Bereich mittlerer Sauerstoffverhältnisse – einer sogenannten chemischen Goldlöckchenzone – sowohl Phosphor als auch Stickstoff in ausreichender Menge im Mantel verbleiben.
„Unsere Modelle machen deutlich, dass die Erde genau in diesem Bereich liegt. Hätten wir während der Kernbildung der Erde nur ein klein wenig mehr oder weniger Sauerstoff gehabt, wäre nicht genug Phosphor und Stickstoff für die Entstehung des Lebens vorhanden gewesen“, erläutert Walton.
Die Wissenschaftler weisen zudem nach, dass bei der Bildung anderer Planeten wie dem Mars der Sauerstoffgehalt ausserhalb dieser Goldlöckchenzone lag und daher in ihrem Mantel nicht genügend Phosphor und Stickstoff verfügbar sind.
Neue Kriterien für die Suche nach Leben
Die neuen Erkenntnisse könnten verändern, wonach Forscher Ausschau halten, wenn sie nach Leben im Universum suchen. Bislang lag der Fokus vor allem auf der Frage, ob ein Planet über Wasser verfügt. Walton und Schönbächler zufolge greift diese Theorie jedoch zu kurz.
Denn die verfügbare Menge an Sauerstoff während der Entstehung eines Planeten kann dazu führen, dass viele Planeten von Anfang an chemisch ungeeignet sind, um Leben hervorzubringen, selbst wenn sie Wasser haben und von aussen betrachtet lebensfreundlich wirken.
Suche nach ähnlichen Sonnensystemen im Universum
Diese chemischen Grundvoraussetzungen für Leben können Astronomen indirekt messen, wenn sie mit großen Teleskopen fremde Sonnensysteme beobachten. Denn wie viel Sauerstoff in einem Sonnensystem für die Entstehung von Planeten vorhanden ist, hängt von der chemischen Zusammensetzung ihres Zentralsterns ab.
Dieser prägt mit seinem chemischen Fingerabdruck das gesamte ihn umgebende Planetensystem, da Planeten sich vor allem aus dem Material zusammensetzen, aus dem auch der zentrale Stern besteht.
Sonnensysteme, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung stark von unserem unterscheiden, sind daher keine guten Orte, um nach Leben im Universum zu suchen. „Damit wird die Suche nach Leben auf anderen Planeten viel spezifischer. Wir sollten daher nach Sonnensystemen suchen, die unserer Sonne ähnlich sind“, resümiert Walton.