Ausgeträumt Medi Bayreuth verliert gegen Warschau

Florian Kirchner

Keine 48 Stunden nach dem achten Bundesliga-Sieg gegen die Löwen Braunschweig mussten sich die nach wie vor ersatzgeschwächten Korbjäger von Medi Bayreuth auf internationalem Parkett geschlagen geben. Nach der 88:95 (44:47)-Niederlage in der zweiten Gruppenphase des Europe Cups gegen Legia Warschau sind die Träume vom Erreichen der K.-o.-Runde mit einer Bilanz von 0:3 Siegen vorzeitig ausgeträumt.

Basketball - Hiobsbotschaften ist man im Bayreuther Lager in dieser Saison gewohnt, diesmal betraf es Trainer Raoul Korner, der erkrankt das Bett hüten und von seinen Assistenten Mauricio Parra und Tim Nees vertreten werden musste. Dafür kehrte der am Freitagabend krankheitsbedingt pausierende Kevin Wohlrath in die Bayreuther Formation zurück. Die beiden Nationalspieler Bastian Doreth und Andreas Seiferth waren abermals zum Zuschauen verurteilt und sahen ein starkes Bayreuther Auftaktviertel.

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Mit schneller Ballbewegung und sicheren Abschlüssen konnten sich die Medi-Korbjäger nach Marcus Thorntons zweitem erfolgreichen Dreier bereits in der fünften Minute erstmals zweistellig absetzen (19:7). Mit der Herausnahme von Cameron Wells ging dann jedoch vorübergehend die Ordnung verloren, und die Polen konnten den Rückstand halbieren (22:16/8.), sodass sich Parra genötigt sah, den US-Routinier noch vor der ersten Viertelpause zurückzubeordern – mit Erfolg: Der Lauf der Gäste konnte umgehend gestoppt und die Führung wieder ausgebaut werden (27:18). Terry Allen eroberte im zweiten Abschnitt die bis dahin höchste Bayreuther Führung (38:25/13.), auf die Warschau mit einem 22:6-Lauf antwortete und sich Sekunden vor der Pausensirene nach einem Dreipunktspiel von Jure Skific die erste Führung sichern konnte. Vor allem Legias Topscorer Muhammad-Ali Abdur-Rahkman und der kantige Dariusz Wyka, der bis zum Seitenwechsel klarer Sieger im Center-Duell mit Martynas Sajus war, fanden offensiv wie defensiv immer wieder Lösungen und waren in dieser Phase kaum unter Kontrolle zu bringen.

Drittes Viertel auf Augenhöhe

Auf Augenhöhe beackerten sich die beiden Kontrahenten nach dem Seitenwechsel. Bei Medi Bayreuth kam nun Sajus besser in Fahrt, der vor der letzten Viertelpause mit zehn Punkten und acht Rebounds schon kurz vor einem Double-Double stand. Nicht zuletzt weil jedoch Abdur-Rahkman zu diesem Zeitpunkt bereits 27 Punkte (sieben Dreier) markiert hatte, konnten die Polen mit einem knappen 75:73-Vorsprung in die letzten zehn Minuten starten.

Weil die Bayreuther nach zwei Minuten noch keinen Treffer erzielen und die Polen sich auf 80:73 absetzen konnten, sah sich Parra im Schlussabschnitt frühzeitig zu einer Auszeit veranlasst, die jedoch verpuffte: Nach Strahinja Jovanovics Dreier waren die Gäste erstmals zweistellig enteilt (87:76/ 36.). Eine erneute Auszeit brachte Besserung, bis auf 86:89 konnten sich die Medi-Korbjäger nochmals heranarbeiten. Ein ähnlich furioses und erfolgreiches Finale wie am Freitag gegen Braunschweig war ihnen jedoch nicht vergönnt. Routiniert, abgeklärt und letztendlich verdient brachten die Polen den Sieg über die Ziellinie.

„Wir sind schlecht gestartet, haben uns dann in das Spiel hineingearbeitet und guten Basketball gespielt. Der Sieg gibt uns Selbstvertrauen für die weiteren Spiele“, sagte Legia-Coach Wojciech Kaminski.

Mauricio Parra hatte „ein weiteres von mehreren Spielen, die wir nicht hätten verlieren müssen“, gesehen. „Wir sind am Ende beider Halbzeiten eingebrochen, der Gegner war routiniert und hatte in Abdul-Rahkman den überragenden Mann auf dem Parkett.“

Statistik

Medi Bayreuth: Anim (3 Punkte / 16:56 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -5), THORNTON (14 / 30:05 / 10), Wohlrath (0 / 7:41 / -20), Jalalpoor (3 / 6:59 / -6), Bruhnke (5 / 10:02 / -6), Sanders (3 / 3:05 / -3), ALLEN (22 / 33:02 / -6), SAJUS (12 / 33:51 / 1), JOESAAR (13 / 27:27 / 0), WELLS (13 / 30:52 / 0); Feldwurfquote: 34/65 (52 Prozent), davon 10/17 Dreier (59 Prozent): Thornton (4/5), Jalalpoor (1/1), Sanders (1/1), Anim (1/2), Bruhnke (1/2), Joesaar (1/2), Wells (1/2); Freiwürfe: 10/11 (91 Prozent); Rebounds: 27 defensiv, 9 offensiv (Sajus 6/4, Wells 7/0); Assists: 21 (Wells 8); Effektivität: 105 (Sajus 24, Wells 23, Allen 19, Joesaar 16, Thornton 12).

Legia Warschau: Didier-Urbaniak (0), Abdur-Rahkman (31), Skific (15), Jovanovic (8), Cowels III (11), Kaminski (0), Kemp (4), Koszarek (15), Wyka (11); Feldwurfquote: 32/68 (47 Prozent), davon 13/30 Dreier (43 Prozent): Abdur-Rahkman (7/11), Cowels III (3/10), Koszarek (2/5), Skific (1/2); Freiwürfe: 18/20 (90 Prozent); Rebounds: 23 defensiv, 10 offensiv (Wyka 6/4); Assists: 18; Effektivität: 108 (Abdur-Rahkman 30, Wyka 24, Skific 15, Koszarek 15).

 

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